Dortmund - Borussia Dortmund setzt seinen Siegeszug fort – und Jonas Hofmann ist mittendrin und voll dabei. Beim klaren 3:0-Erfolg über Bayer Leverkusen stellte der 23-Jährige mit seinem ersten Saisontreffer die Weichen auf Sieg. Im Interview nach dem Spiel verriet der Dortmunder, wie sich der Torjubel vor über 81.000 Zuschauern anfühlt, was für ihn das Geheimnis des Erfolges ist und warum er die Borussia trotz Tabellenführung weiter in der Rolle des Jägers sieht.

Frage: Jonas Hofmann, wie fühlt es sich an, wenn man hier ins Tor trifft und die Südtribüne den eigenen Namen skandiert?

Jonas Hofmann: Es ist schon Wahnsinn, wenn man hier in diesem Stadion ein Tor schießt. Ich war beim Jubel relativ nah an den Zuschauern und habe ein paar Fans in die Augen geschaut. Da spürt man einfach, was für eine Freude die Menschen haben, im Stadion zu sein. Und wenn du dann zuhause hier in unserem Stadion ein Tor schießt, dann ist das einfach affengeil! Sich dann feiern zu lassen und den eigenen Namen zu hören – da bekommt man schon Gänsehaut.

"Genau auf das spekuliert, was eintraf"

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Frage: Das Tor war durchaus kurios, weil Gäste-Keeper Bernd Leno etwas unentschlossen war und Sie das ausgenutzt haben.

Hofmann: Als der lange Ball von Shinji zum ersten Mal aufgesprungen ist, habe ich kurz hochgeschaut, wie der Torwart sich orientiert. Ich hatte das Gefühl, er wollte erst rauskommen, dann doch stehenbleiben – es war so ein hin und her. Im Endeffekt habe ich genau auf das spekuliert, was auch eingetreten ist. Der Rasen war relativ nass und der Ball sprang eher diagonal vor dem Tor her. Ich hatte gehofft, dass Bernd Leno da vielleicht durchrutscht. Dann habe ich nochmal spekuliert, dass der Verteidiger auf den kurzen Pfosten durchläuft und die lange Ecke frei ist. Zum  Glück ist er dann auch kurz neben dem Pfosten reingegangen.

Frage: Bei Ihrem Torjubel sind Sie dann noch zur Dortmunder Bank gelaufen und haben Gonzalo Castro umarmt. Wie kam es dazu?

Hofmann: Gonzo hat mir vor dem Spiel gesagt, dass ich zu ihm kommen soll, wenn ich ein Tor schieße. Wir verstehen uns auch privat gut. Daher habe ich mir gedacht, nach dem Jubel mit der Mannschaft laufe ich noch kurz bei ihm vorbei und sage ihm Danke für seine Motivation vor dem Spiel.

Frage: Thomas Tuchel hat Sie später bei Ihrer Auswechslung auch lange geherzt. Gab es Komplimente?

Hofmann: (lacht) Nein, das war es nicht. Er hat mit mir nochmal über meine letzte Szene auf dem Platz gesprochen, als ich einen Fehlpass gespielt habe. Erst hatte ich Miki nicht richtig gesehen und dann… keine Ahnung, was da in meinem Kopf vorgegangen ist. Aber bei meinem Wechsel konnten wir darüber zusammen lachen.

"Wir bleiben der Jäger"

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Frage: Waren Sie eigentlich überrascht, dass Sie in der Startelf standen und den Vorzug vor Adnan Januzaj erhalten haben?

Hofmann: Eigentlich war es keine große Überraschung, aber gefreut habe ich mich natürlich. Der Trainer gibt mir generell das Vertrauen, dass er mich so sieht, als wäre ich quasi auch ein Teil der ersten Elf – oder zumindest der ersten 12, 13 Spieler. Ich war zwar nicht in jedem Spiel von Anfang an auf dem Platz. Aber wenn ich spielen soll und darf, dann bin ich auch da.

Frage: Und auch gegen Leverkusen haben Sie Ihre Chance genutzt.

Hofmann: (lacht) Stimmt, das sehe ich auch so.

Frage: Wie fühlt sich der Saisonstart des BVB nach dem fünften Sieg im fünften Spiel denn jetzt an – immerhin der beste aller Zeiten?

Hofmann: Gut, sogar sehr gut. Zurzeit macht es einfach Riesenspaß, mit der Mannschaft zu spielen. Wenn es läuft, dann läuft es einfach. Aber diesen Resultaten geht auch harte Arbeit voraus. Wir erarbeiten uns das Woche für Woche. Oder besser gesagt, jeden dritten, vierten Tag angesichts der vielen englischen Wochen. Ich denke, wir werden auch dafür belohnt, dass wir den Weg so mit dem Trainer mitgehen.

Frage: Der BVB wollte der Jäger der Bayern und der nationalen Spitze sein, jetzt ist er als Tabellenführer eher der Gejagte. Fühlt es sich für Sie auch anders an?

Hofmann: Ich meine, wir sind immer noch der Jäger. Wir sind zwar Erster, aber das auch erst nach fünf Spieltagen. Da kommen noch 29 andere. Mal abwarten, was die Saison noch bringt. Wir bleiben auf jeden Fall auf der Seite des Jägers.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte