Zusammenfassung

- Vor sechs Jahren spielte Hector noch in der Oberliga.

- Stanislawski schulte ihn vom Sechser zum Linksverteidiger um.

- Seine Kollegen nennen ihn "Schlaubi".

Köln - Gegen Italien war er der Held des Spiels. Mit seinem verwandelten Elfer zum 6:5 besiegte Jonas Hector den deutschen Italien-Fluch und schoss unsere Nationalmannschaft ins Halbfinale der EM. Dabei spielt der Linksverteidiger des 1. FC Köln erst seit zwei Jahren in der Bundesliga und lief vor sechs Jahren noch in der Oberliga auf.

Er ist der etwas andere Profi im Team des Weltmeisters. Als Schweinsteiger, Neuer und Co. im Juli 2014 in Rio de Janeiro den vierten Stern auf das Trikot der DFB-Elf bügelten, hatte Hector gerade 57 Spiele in der 2. Bundesliga bestritten und war weit davon entfernt, einmal selbst auf der ganz großen Bühne zu stehen. Schließlich hatte der junge Linksverteidiger einen eher ungewöhnlichen Weg ins Profigeschäft gefunden.

Von der Oberliga ins Oberhaus

Aufgewachsen im 2.500-Seelen-Ort Auersmacher im Saarland, spielte Hector ab der F-Jugend durchgehend im ortsansässigen SV. In seiner ersten Saison in der ersten Mannschaft des Clubs stieg er gleich aus der Verbands- in die Oberliga auf. Ein Jahr später wechselte er zum 1. FC Köln. Doch dort schaffte er den Sprung ins Profigeschäft zunächst nicht. Für den Saarländer war nur ein Platz in der U23 übrig, die in der Regionalliga spielte. Das mag auch an seiner Position gelegen haben, schließlich wurde Hector seit jeher im zentralen Mittelfeld als Spielmacher eingesetzt.

Erst nach dem Abstieg der Kölner in die 2. Bundesliga holte Coach Holger Stanislawski den jungen Mann ins Profiteam hoch - und funktionierte den Linksfuß zum linken Verteidiger um. Seitdem ist der heute 26-Jährige beim FC unumstrittener Stammspieler und schaffte mit den Geißböcken 2014 die Rückkehr in die Bundesliga. Kaum drei Monate nach seinem ersten Bundesliga-Spiel debütierte er schließlich sogar in der Nationalelf. Und ist auch in dieser heute absoluter Stammspieler.

Video: Hectors Aufschwung

"Schlaubi-Schlumpf"

Aber auch abseits des Platzes präsentiert sich der Mann, dessen berühmter Namensvetter einst ein Held in Homers Ilias war, anders als die meisten seiner Kollegen. Selbst nach seinem goldenen Treffer gegen Buffon wollte Hector seinen Anteil am historischen Sieg gegen Italien nicht zu hoch hängen. "Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, als neunter Schütze noch dranzukommen. Irgendwann musste ich dann aber doch. Da muss man das Herz in die Hand nehmen und antreten", sagte er beschieden und erklärte, letztmals in der Jugend bei einem Elferschießen am Punkt gestanden zu haben. Doch gegen Buffon wurde er wie einst Bud Spencer im Film zu Hector, dem Ritter ohne Furcht und Tadel.

Für diese ruhige, zurückhaltende Art ist der Linksfuß beim FC bekannt. Fußball ist für ihn "mein Hobby, mit dem ich Geld verdiene". Um für die Zukunft vorzubeugen, studiert er im Fernstudium BWL, mit bisher guten Noten. Und weil der uneitle Profi in der Freizeit gelegentlich eine Brille trägt, wird er von seinen Kollegen nur "Schlaubi" genannt - nach dem berühmten Schlumpf, der alles besser weiß. Ein Spitzname, den Hector selbst nicht besonders mag, den aber sogar der FC öffentlich nutzt: während der EM fordern die Geißböcke die Fans unter dem Hashtag #JederFuerSchlaubi zur Unterstützung ihres Stars auf. Damit der auch in den kommenden Spielen noch ein paar Heldentaten vollbringt.