Hector und Neuer jubeln, Deutschland steht im Halbfinale - weil der Kölner den entscheidenden Elfer gegen Italien verwandelt hat - © gettyimages / Lars Baron
Hector und Neuer jubeln, Deutschland steht im Halbfinale - weil der Kölner den entscheidenden Elfer gegen Italien verwandelt hat - © gettyimages / Lars Baron
Bundesliga

Jonas Hector: Spätzünder ohne Furcht und Tadel

Köln - Gegen Italien war er der Held des Spiels. Mit seinem verwandelten Elfer zum 6:5 besiegte Jonas Hector den deutschen Italien-Fluch und schoss unsere Nationalmannschaft ins Halbfinale der EM. Dabei spielt der Linksverteidiger des 1. FC Köln erst seit zwei Jahren in der Bundesliga und lief vor sechs Jahren noch in der Oberliga auf.

Er ist der etwas andere Profi im Team des Weltmeisters. Als Schweinsteiger, Neuer und Co. im Juli 2014 in Rio de Janeiro den vierten Stern auf das Trikot der DFB-Elf bügelten, hatte Hector gerade 57 Spiele in der 2. Bundesliga bestritten und war weit davon entfernt, einmal selbst auf der ganz großen Bühne zu stehen. Schließlich hatte der junge Linksverteidiger einen eher ungewöhnlichen Weg ins Profigeschäft gefunden.

"Schlaubi-Schlumpf"

Aber auch abseits des Platzes präsentiert sich der Mann, dessen berühmter Namensvetter einst ein Held in Homers Ilias war, anders als die meisten seiner Kollegen. Selbst nach seinem goldenen Treffer gegen Buffon wollte Hector seinen Anteil am historischen Sieg gegen Italien nicht zu hoch hängen. "Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, als neunter Schütze noch dranzukommen. Irgendwann musste ich dann aber doch. Da muss man das Herz in die Hand nehmen und antreten", sagte er beschieden und erklärte, letztmals in der Jugend bei einem Elferschießen am Punkt gestanden zu haben. Doch gegen Buffon wurde er wie einst Bud Spencer im Film zu Hector, dem Ritter ohne Furcht und Tadel.

Für diese ruhige, zurückhaltende Art ist der Linksfuß beim FC bekannt. Fußball ist für ihn "mein Hobby, mit dem ich Geld verdiene". Um für die Zukunft vorzubeugen, studiert er im Fernstudium BWL, mit bisher guten Noten. Und weil der uneitle Profi in der Freizeit gelegentlich eine Brille trägt, wird er von seinen Kollegen nur "Schlaubi" genannt - nach dem berühmten Schlumpf, der alles besser weiß. Ein Spitzname, den Hector selbst nicht besonders mag, den aber sogar der FC öffentlich nutzt: während der EM fordern die Geißböcke die Fans unter dem Hashtag #JederFuerSchlaubi zur Unterstützung ihres Stars auf. Damit der auch in den kommenden Spielen noch ein paar Heldentaten vollbringt.