Nach 46 Jahren in der Bundesliga, zwölf Titeln und über 2.000 Spielen hat der Hamburger SV eigentlich alles erreicht, was es im Vereinsfußball zu gewinnen gibt.

Alles? Nein, nicht alles, denn ein Pokal fehlt noch im Trophäenschrank des Bundesliga-Dinos: der UEFA-Pokal.

Endspiel um den Gruppensieg

Im 16. Anlauf soll es in dieser Saison endlich klappen. Das Etappenziel Zwischenrunde wurde bereits vorzeitig erreicht, nun soll am Mittwoch gegen Aston Villa (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) der Gruppensieg eingefahren werden.

Als Gruppenerster bekommt man in der Runde der letzten 32 Teams (18./26. Februar 2009) nämlich einen Gruppendritten zugelost und würde außerdem zunächst auswärts antreten. Als Zweiter geht es gegen einen der acht zurückversetzten Champions-League-Teilnehmer.

St. Petersburg als Vorbild

"Das könnte ein Vorteil sein, muss es aber nicht", erklärt Martin Jol und verweist auf den letztjährigen Sieger. 2007/2008 schaffte Zenit St. Petersburg nur als Dritter den Sprung in die nächste Runde und gewann am Ende den Pokal.

"Das muss unser Ziel sein. Es ist aber ein weiter Weg und deshalb schauen wir nur von Spiel zu Spiel und von Runde zu Runde, alles andere bringt in einem K.O.-Wettbewerb nichts", so Kapitän David Jarolim.

"Sie sind zurzeit besser als Arsenal"

Die Ausgangssituation vor dem letzten Spiel des Jahres 2008 ist eindeutig. Mit dem HSV, Aston Villa und Ajax Amsterdam (alle sechs Punkte) sind die Plätze in der Gruppe F für die nächste Runde bereits vergeben. MSK Zilina und Slavia Prag sind ausgeschieden.

"Es ist gut, dass wir uns durch den Erfolg in Prag (2:0) ein Endspiel gegen Villa erspart haben. Es wird nicht leicht, aber ich denke, wir haben gute Chancen zu gewinnen", so Trainer Jol. Mit einem weiteren Erfolg ist seinem Team der Gruppensieg kaum noch nehmen, sollte Ajax Amsterdam nicht zuhause gegen Prag ein Schützenfest gelingen.

Allerdings weiß der 52-Jährige um die Stärke des derzeitigen Tabellenvierten der englischen Premier League. "Sie haben das Potenzial, sind zurzeit besser als Arsenal. Sie haben Everton geschlagen, gegen ManUnited zuhause ein Unentschieden geholt und beim FC Arsenal mit 2:0 gewonnen."

"Bundesliga braucht sich nicht zu verstecken"

Und er weiß wovon er spricht, schließlich traf er in seiner Zeit bei Tottenham Hotspur (2004-2008) gleich siebenmal auf den Klub aus Birmingham. Dabei verlor er nur das erste Duell (0:1), anschließend folgten zwei Siege und vier Unentschieden.

"Es wird so oft gesagt, dass Spiel in England sei schneller, härter und besser. Aber ich denke nach meinen vielen Jahren in der Premier League kann ich es beurteilen und bin mir sicher, dass sich die Bundesliga nicht zu verstecken braucht", gibt sich Jol zuversichtlich, und das obwohl die Bilanz des HSV gegen englische Klubs verbesserungswürdig ist: In neun Spielen gab es drei Siege, zwei Remis und vier Niederlagen. Doch

Selbstbewusste "Rothosen" verspüren Vorfreude

Mit der zweitbesten Bundesliga-Hinrunde in den letzten 13 Jahren im Rücken demonstrieren die Spieler Selbstbewusstsein. "Villa hat Respekt vor uns", glaubt Guy Demel. Und einer schwärmt geradezu von der internationalen Bühne. "Es geht um das Flair, die Stimmung, die Anspannung. Das ist bei internationalen Spielen einfach etwas Besonderes", beschreibt Abwehrspieler Marcell Jansen und hofft, dass der HSV es weiter schafft, als in den vergangenen knapp 20 Jahren.

Denn seit dem Viertelfinal-Aus 1989/90 gegen Juventus Turin war spätestens im Achtelfinale Endstation. Am liebsten soll es soweit gehen, wie 1982: Damals musste man sich erst im Finale IFK Göteborg geschlagen geben (0:1/0:3).

Sollte es auch in diesem Jahr nicht für den Titel reichen, ist in der kommenden Saison für eine doppelte Motivation gesorgt: Das Finale des UEFA-Pokals findet 2010 dann nämlich in Hamburg statt.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hamburg: Rost - Demel, Reinhardt, Mathijsen, Aogo - Benjamin (Boateng) - Jarolim (Neves), Trochowski, Jansen - Olic, Petric.- Trainer: Jol

Aston Villa: Guzan - Cuellar, Laursen, Knight, Luke Young - Gardner, Petrov, Reo-Coker, Osbourne - Harewood, Delfouseo.

Schiedsrichter: Alexej Nikolajew (Russland)

Aus Hamburg berichtet Thanh Nguyen