Berlin - Im vergangenen Jahr stand Johannes van den Bergh, Linksverteidiger von Hertha BSC Berlin, häufig in der Kritik. Trotzdem setzte sein Trainer in mehr als zwei Dritteln der Bundesliga-Spiele auf ihn. In diesem Jahr könnte er einer der großen Profiteure von Herthas neuem System werden.

Der 19. Spieltag der vergangenen Bundesliga-Saison dürfte Johannes van den Bergh nicht gut in Erinnerung geblieben sein. Hertha BSC verlor mit 1:3 gegen den 1. FC Nürnberg. Van den Bergh war es, der beim Stand von 1:0 für die Berliner mit einem haarsträubenden Pass im eigenen Strafraum die Niederlage einleitete. Er gab in dieser Situation eine, nun ja, sagen wir, eher unglückliche Figur ab. Sein Trainer Jos Luhukay wechselte ihn bereits nach 23 Minuten aus.

Immer wieder Kritik von Außen

Auch wenn der gelernte Linksverteidiger seinen Fauxpas schon eine Woche später gegen den Hamburger SV mit einem sensationellen Pass wieder wettmachte, und er von Luhukay in 26 von 34 Bundesliga-Spielen (davon 22 über 90 Minuten) eingesetzt wurde, so richtig zufrieden konnte van den Bergh nicht sein. Immer wieder prasselte Kritik von Außen auf ihn ein: zu wenig Flanken, zu wenig Torvorlagen. "Ich habe an mich selbst den Anspruch, mehr Vorlagen zu geben. Beim letzten, entscheidenden Pass muss ich mich verbessern. Da ist noch zu viel Streuung drin", sagte er damals selbstkritisch.

Am vergangenen Spieltag gegen Leverkusen stellte Hertha-Coach Luhukay nun sein System um - und van den Bergh könnte der große Profiteur sein. Mit drei zentralen Verteidigern und zwei Außenverteidigern ließ der Niederländer seine Mannschaft auflaufen. Die Grundordnung erinnerte an die von Borussia Dortmund Mitte der 90er Jahre, als Matthias Sammer als Libero zentral vor der Abwehr spielte und die beiden Außen ständig die Seiten beackerten.

"Das System passt zu meiner Spielweise"

"Dieses System kommt mir entgegen, weil es offensiver ausgerichtet ist", so der 27-Jährige van den Bergh. "Man muss viele lange Wege gehen und das passt sehr gut zu meiner Spielweise." Denn diese beruht auf seiner Schnelligkeit und seiner Dynamik. Zwei Gründe, warum Luhukay und Geschäftsführer Sport Michael Preetz den Blondschopf zur Saison 2013/14 an die Spree lotsten.

Am vergangenen Samstag machte der 1,83 Meter große Verteidiger seine Sache ordentlich. Bezeichnend: erst nach seiner Auswechslung in der 65. Minute verlor die Hertha den Faden und musste nach 1:0- und 2:1-Führung noch eine 2:4-Schlappe in Kauf nehmen."Es wäre nach den ersten 60 Minuten durchaus möglich gewesen, Zählbares mitzunehmen", sagte van den Bergh, "dennoch ging die Partie aufgrund der hohen Qualität Leverkusens verdient an die Gastgeber."

Bescheidene Ziele

Sollte Jos Luhukay weiter am neuen System festhalten, könnte der gebürtige Viersener erneut zu einer festen Größe im Team der "alten Dame" heranwachsen. "Meine Ziele decken sich mit denen des Teams", sagt er. Johannes van den Bergh wünscht sich eine "möglichst sorgenfreie Saison, in welcher frühzeitig eine gewisse Punktezahl feststeht." Mit etwas leiserer Stimme fügt er hinzu: "Ich persönlich möchte möglichst häufig auf dem Platz stehen und der Mannschaft mit guten Leistungen helfen, damit ich weiterhin die Spiele in der Bundesliga genießen kann."

Dennis-Julian Gottschlich