Bremen - Mit 21 Punkten nach 14 Spielen spielt der Hamburger SV die beste Saison seit fünf Jahren und schnuppert sogar auf einem Europe-League-Platz. Der Derbysieg in Bremen war der zweite Sieg in Folge. Kapitän Johan Djourou beantwortet im Interview, warum der HSV im Moment so stabil auftritt und was seit dem letzten Derby in Bremen im April mit der Mannschaft passiert ist.

Frage: Der Hamburger SV hat seit der Saison 2006/07 erstmals wieder das Nordderby in Bremen gewonnen. Auch für Sie war es der erste Derbysieg auf des Gegners Platz. Was hat den Ausschlag gegeben?

Johan Djourou: Es war schwierig heute für Werder, weil wir von Anpfiff an bereit waren für den Kampf. Wir haben einen wichtigen Sieg einfahren und vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt.

"Derbyerfolg ist der wichtigste Sieg"

Frage: Ausgerechnet beim großen Erzrivalen zu gewinnen, muss aber zusätzlich eine große Genugtuung für Sie sein, oder?

Djourou: Ja klar, das ist top. Es war ein Derbyfight. Es ist ein gutes Gefühl hier zu gewinnen. Wir brauchen jetzt eine Serie. Der Derbyerfolg ist immer der wichtigste Sieg der Saison.

Frage: Sie haben es schon angesprochen, dass der HSV besonders in der ersten Halbzeit bärenstark war. Hatten Sie trotzdem das Gefühl, dass die Partie nach dem 1:2 noch hätte kippen können?

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Djourou: Nein, die Mannschaft hat sich stark gefühlt und wir hatten zwei, drei Eins-gegen-Eins-Situationen nicht erfolgreich abgeschlossen. Ich war mir aber sicher, dass wir eine dieser Chancen dann noch verwerten und Nicolai hat dann ja auch noch das Tor gemacht.

Frage: Der einzige Wermutstropfen ist die Verletzung von Pierre-Michel Lasogga, der sich die Schulter ausgekugelt hat. Wie bitter ist dieser Ausfall? Lasogga war in guter Form.

Djourou: Er hatte bis dato super gespielt und das erste Tor aufgelegt. Es ist bitter, dass er fehlt. Ich hoffe, dass er nicht so lange ausfällt.

Frage: Die Mannschaft musste schon vor der Verletzung von Lasogga unter der Woche auf einige verletzte Spieler verzichten (z.B. Hunt, Kacar, Anm. d. Red.). Trotzdem scheint es keinen Substanzverlust zu geben.

Djourou: Ja das stimmt. Die Mannschaft weiß, dass jeder Spieler wichtig ist. Wenn ein Teamkollege verletzt raus muss, kommt der nächste rein und ersetzt ihn. Es ist eine gute Zeit für uns, wir haben jetzt zwei Siege in Folge und müssen weitermachen.

"Wir haben uns spielerisch verbessert"

Frage: Der HSV ist jetzt seit drei Spielen ungeschlagen und hat zweimal in Folge gewonnen. Können Sie in der Tabelle jetzt auch mal weiter nach oben schauen?

Djourou: Wir wollen uns nicht so viel Druck machen, aber der Blick geht schon nach oben. Wir haben jetzt noch drei Spiele vor der Winterpause. Als nächstes geht es zuhause gegen Mainz, da schauen wir mal, was geht. Wir dürfen jetzt nicht so viel auf die Tabelle schauen. Wir müssen einfach weiter hart arbeiten im Training. Wir haben eine gute Mannschaft mit großer Qualität.

Frage: Beim letzten Gastspiel in Bremen am 28. Spieltag (19. April) der vergangenen Saison war der HSV nach dem 0:1 Letzter. Jetzt ist der HSV in der oberen Tabellenhälfte. Können Sie kurz skizzieren, was in den letzten sechs Monaten passiert ist?

Djourou: Es ist in dieser Zeit viel passiert. Der Trainer hat eine gute Philosophie. Er hat vom ersten Tag an gesagt, wir müssen geschlossen auftreten und jeder muss für den anderen kämpfen. Die Mannschaft hat sich in den letzten Monaten auch spielerisch verbessert. Wir sind jetzt ruhiger am Ball, erarbeiten uns jetzt viele Torchancen und verwerten sie auch besser. Aber wir wissen auch, wie schnell es in der Bundesliga geht. Wir bleiben auf dem Teppich. Insgesamt haben wir eine gute Entwicklung genommen. Der Trainer hat uns Selbstvertrauen geschenkt.

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage