Hamburg - Wenn man dem Hamburger SV heutzutage mit einem Attribut beschreiben müsste, wäre es sicherlich dieses. Nie aufgeben. Der Bundesliga-Dino, der in der vergangenen Saison noch so eben den Klassenerhalt schaffte und im ersten Saisonspiel dem FC Bayern mit 0:5 unterlag, kämpfte sich am Samstagabend im Volksparkstadion nach zweimaligen Rückstand gegen den VfB Stuttgart zurück und siegte am Ende sogar noch mit 3:2.

Eine Minute vor dem Ende bebte das Volksparkstadion. Die Fans jubelten als hätte ihr Verein gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen, dabei war es "nur" der Siegtreffer durch HSV-Kapitän Johan Djourou.

Einwechselspieler drehen den Spieß um

Doch wie wichtig dieser Heimerfolg für den HSV war, konnte man an den Gefühlsausbrüchen der knapp 55.000 Zuschauern und am gesamten Team der Rothosen ablesen. "Gott sei Dank haben wir diese drei Punkte. Das war ganz wichtig. Wir haben in den letzten Wochen so viel gelesen und so viel über uns ergehen lassen müssen, aber die Mannschaft ist eine Einheit, das ist wichtig. Die Fans waren heute der zwölfte Mann, das haben wir auch als Mannschaft gespürt", erklärte Johan Djourou nach dem Spiel den wartenden Journalisten.

Der Hamburger SV hatte zuvor bei der Premiere im rückbenannten Volksparkstadion über 75 Minuten kein gutes Spiel gemacht. Der Gast aus Stuttgart presste früh und zwang die Hamburger dadurch immer wieder zu Fehlern, die der VfB vor allem in Halbzeit eins in Gestalt von Stürmer Daniel Ginczek zweimal eiskalt und äußerst effektiv ausnutzte. Ivo Ilicevic hatte zwischenzeitlich das 1:1 markiert und war auch beim Siegtreffer beteiligt als er den Ball zum eingewechselten Pierre-Michel Lasogga flankte und dieser perfekt auf Djourou ablegte.

Leidenschaftlicher Kampf bis zum Ende  

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Wie schon zum Ende der vergangenen Saison kämpfte der HSV leidenschaftlich bis zum Schluss und erkämpfte sich trotz mäßiger Leistung dieses Mal sogar noch alle drei Punkte. Trainer Bruno Labbadia hat seinen Mannen in der Halbzeit noch Mut zugesprochen: "Ich habe der Mannschaft in der Kabine gesagt: Wir drehen das Ding heute noch." Gesagt getan. Die Hamburger, allen voran Kapitän Johan Djourou, glaubten bis zum Ende noch an ein "Happy End". "Es war sehr wichtig, dass wir das Spiel noch gedreht haben, das ist geil", freute sich Ivica Olic. Sein abgefälschter Schuss landete beim ebenfalls eingewechselten Pierre-Michel Lasogga, der dann zum 2:2 einschoss.

Beide Spieler waren in der Endphase der letzten Saison noch Stammkräfte, saßen in den ersten beiden Partien aber zunächst auf der Bank. Klar sind beide unzufrieden, doch das stört den Mannschaftsfrieden nicht. Ganz im Gegenteil. "Ich habe dran geglaubt, dass wir nach der Roten Karte unsere Chancen bekommen werden. Die Jungs, die reingekommen sind, waren frisch und mit den anderen Mitspielern haben wir die Partien noch gedreht. Klar bin ich nicht zufrieden, dass ich nicht von Anfang an spiele, aber ich habe auch mit Pierre-Michel gesprochen und wir haben uns gesagt nach unserer Einwechslung alles für’s Team zu geben", so Olic.

Platzverweis als letzter Anstoß zur Aufholjagd

Knackpunkt war sicherlich die Gelb-Rote Karte des Stuttgarters Florian Klein, der innerhalb von nur wenigen Minuten zweimal Gelb sah und vom Platz musste. Danach spielte der HSV noch offensiver und risikofreudiger, doch erst die Einwechslungen von Olic und Lasogga ließen das Spiel endgültig kippen. "Es war ein sehr emotionales Spiel und sehr kampfbetont", fand der Torschütze zum 1:1, Ivo Ilicevic. Der Offensivspieler ist im Team von Trainer Bruno Labbadia nicht weg zu denken. "Die Hauptsache ist, dass ich gesund bin. Wenn ich fit war, habe ich meistens gespielt. Ich kann noch besser werden. Es war sehr wichtig für mich, dass Labbadia als Trainer gekommen ist, das war ein Grund, warum ich noch einmal verlängert habe. Ich versuche das Vertrauen des Trainer mit guter Leistung zurück zu zahlen", so Ilicevic weiter.

Der Sieg war für den HSV auch deshalb so wichtig, weil an den kommenden beiden Spieltagen schwere Auswärtsspiele in Köln und Gladbach anstehen. Doch mit diesem Teamspirit, dieser mannschaftlichen Geschlossenheit und der Nie-Aufgeben-Mentalität wird es der HSV noch so manchem Gegner schwer machen. "So zu gewinnen und die Fans so gelöst zu sehen, das ist ein gutes Gefühl. Es war heute eine super Teamleistung, wir hatten einen guten Geist in der Mannschaft und die Stimmung hat gepasst. Wir wussten, dass wir die Chancen bekommen werden, um das Spiel zu drehen. Ich fühle mich echt gut, es hat Spaß gemacht mit dem Team und den Fans", erklärte der HSV Neuzugang Albin Ekdal nach der Partie und auch Jungspund Gideon Jung freute sich über das erste Spiel vor heimischem Publikum: "In diesem Stadion vor den eigenen Fans zu spielen, war schon krass. Wirklich unglaublich, das hat viel Spaß gemacht. Wir hatten einen guten Geist in der Mannschaft und die Stimmung hat gepasst."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage