Zusammenfassung

  • Joelinton hat sich in Hoffenheim überraschend einen Stammplatz erarbeitet
  • Für den Brasilianer ist es der zweite Anlauf im Kraichgau
  • Julian Nagelsmann lobt vor allem auch die Defensiv-Qualitäten des Angreifers

Köln – Den Namen Joelinton hatten wohl selbst die meisten Fans der TSG 1899 Hoffenheim schon wieder vergessen. Doch der Brasilianer, der nach zwei Jahren Leihe bei Rapid Wien in diesem Sommer wieder in den Kraichgau zurückgekehrt ist, hat sich zur Überraschung aller plötzlich als Stammspieler etabliert.

>>>Nico Schulz: Traumeinstand in der Nationalmannschaft

Rückblick: Vor der Saison 2015/16 verpflichtete Hoffenheim den damals 18-Jährigen Joelinton Cassio Apolinario de Lira, kurz Joelinton. Der Stürmer hatte zuvor in Brasilien mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und war dem Ruf nach Europa gefolgt. "Ich habe ja gesehen, wie sich Roberto Firmino hier entwickelt hat. Ich hoffe, ich kann den gleichen Weg gehen", so Joelinton kurz nach seiner Verpflichtung durchaus ambitioniert.

Dass es so schnell jedoch nicht klappen würde, zeichnete sich früh ab. Nur vier Mal schaffte er es in seiner ersten Bundesliga-Saison überhaupt in den Kader, letztlich kam der Angreifer auf eine magere Einsatzminute. Zu wenig für die Anforderungen bei der TSG, die Zeichen standen also bald auf Trennung. Der ehemalige TSG-Sportdirektor Andreas Müller lotste Joelinton schließlich für zwei Jahre auf Leihbasis zu Rapid Wien.

Video: Hoffenheims Sieg gegen Freiburg

Und langsam konnte sich der junge Mann an das Klima in Europa gewöhnen, sowohl was das Wetter als auch das eigentliche Fußballspiel betrifft: "Ich bin aus Brasilien gekommen, wo ein anderer Fußball gespielt wird, eine andere Mentalität herrscht. Die zwei Jahre in Wien waren gut - ich bin ein besserer Spieler geworden", sagt Joelinton.

"Er ist eine Kante, die eklig zu verteidigen ist" Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim)

Vom Hoffenheimer Bankdrücker entwickelte er sich in Österreich sofort zum Stammspieler, erzielte in 79 Partien 21 Tore und sammelte darüber hinaus auch noch Europapokal-Erfahrung. Aber auch im Kraichgau war man sich zunächst nicht wirklich sicher, ob Joelinton sich nach zwei Jahren in Österreich noch einmal in einer Mannschaft behaupten kann, die im Jahr 2018 immerhin Champions League spielt. "Wir haben ihn vorher mit Informationen versorgt, was er können sollte, wenn er bei uns aufschlägt", erklärt Trainer Julian Nagelsmann.

Stürmer mit Defensiv-Qualitäten

Und Joelinton hat seine Hausaufgaben offensichtlich ziemlich gut gemacht: Bereits früh in der Sommer-Vorbereitung zeigte sich Nagelsmann überraschend angetan vom 1,92 Meter hoch gewachsenen Brasilianer: "Was mir gefällt: Er hört nicht auf zu spielen und ist defensiv sehr unangenehm. Der Gegenspieler hat das Gefühl, er ist vorbei an ihm, und dann kommt er mit seinen ewig langen Gräten."

Joelinton im Duell mit Bayerns Javi Martinez am 1. Spieltag 2018/19 © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Aber auch in der Offensive zeigte Joelinton eindrucksvoll, was in ihm steckt: Im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern markierte er direkt mal einen Hattrick und wurde zum "Man oft the Match" gekürt. Nagelsmanns trockenes Fazit: "Er ist eine Kante, die eklig zu verteidigen ist".

Die Gunst der Stunde hat Joelinton also vorerst genutzt. Nach den namhaften Abgängen im Sturm der TSG, wie Sandro Wagner, Serge Gnabry oder Mark Uth, stand nicht etwa der aus Bremen gekommene Ishak Belfodil oder WM-Held Andrej Kramaric in der Hoffenheimer Startelf, sondern Joelinton. Und das in beiden Spielen über die vollen 90 Minuten. Doch jetzt gilt es, den starken Eindruck zu bestätigen. Noch immer wartet der 22-Jährige auf sein erstes Bundesliga-Tor. Schon in Düsseldorf am 3. Spieltag wird sich die nächste Chance für ihn bieten. Der Durchbruch im zweiten Anlauf steht also unmittelbar bevor.

Karol Herrmann