Leverkusen - Ein Mann spielt sich ins Rampenlicht. Joel Pohjanpalo rockt mit Bayer 04 Leverkusen derzeit die Bundesliga. Dem 22-jährigen Finnen gelang beim 3:1-Heimsieg der Werkself gegen den Hamburger SV als Joker in der Schlussphase ein lupenreiner Hattrick. Er bewahrte Leverkusen damit vor einem Fehlstart und schoss sich selbst zusammen mit Bayern-Star Robert Lewandowski mit nun vier Saisontreffern an die Spitze der Torjägerliste.

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Pohjanpalo, der von Leverkusen zuletzt drei Jahre lang an die Zweitligisten Ahlen und Düsseldorf ausgeliehen war und in 77 Partien 18 Tore erzielte, bestritt in dieser Saison als Einwechselspieler seine ersten beiden Bundesliga-Spiele und stand dabei lediglich rund 35 Minuten auf dem Platz. Vier Mal kam er zum Torabschluss, vier Mal klingelte es im gegnerischen Kasten. Gegen den HSV gelang dem Skandinavier der erste Hattrick eines Leverkuseners seit Ulf Kirstens Dreierpack gegen Bayern München im November 1997.

Zudem war es der erste Hattrick eines Finnen in der Bundesliga insgesamt. Für seine nun vier Saisontreffer benötigte der Finne vier Versuche und rund eine halbe Stunde, so schnell war historisch kein Spieler mit seinem vierten Bundesliga-Tor zum Start der Karriere. Im Interview fielen dem Blondschopf sogar noch weitere Zahlenspiele ein.

"Es war ein perfekter Hattrick"

Frage: Joel Pohjanpalo, können Sie beschreiben, was in der letzten Viertelstunde des Spiels passiert ist?

Joel Pohjanpalo: Wir lagen 0:1 hinten, aber wir haben geduldig weitergespielt. Dann habe ich nach einem schönen Pass von Julian Brandt das erste Tor gemacht, das dem vom Spiel in Mönchengladbach in der letzten Woche sehr ähnelte. Wir wussten, dass wir noch die nächste Chance bekommen würden. Die kam dann nach einem fantastischen Pass von Benjamin Henrichs. Es war ein "good finish". (lacht) Nach dem 2:1 haben wir gut verteidigt und dann noch 3:1 gemacht. Für mich war es ein perfekter Hattrick. Ich freue mich für das Team.

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Frage: Es sah so aus, als hätten Sie bei Ihren Toren nicht viel nachgedacht, sondern als hätten Sie "einfach nur" den Abschluss gesucht und abgezogen.

Pohjanpalo: Ja, das stimmt. Ich wusste, wo ich den Ball hinschießen wollte. Wenn ich noch großartig nachgedacht hätte, wäre es zu spät gewesen. Man muss seinen Instinkten folgen. Und meine waren heute richtig gut.

"Ein perfekter Start in die Saison"

Frage: Als Sie damals in Finnland Ihr erstes Tor erzielt haben, haben Sie auch nicht lange dafür gebraucht.

Pohjanpalo: Genau genommen zwei Minuten und 42 Sekunden. Da war ich 2012 bei HJK Helsiniki noch schneller. Aber das Gefühl ist das Gleiche. Für mich war das jetzt ein perfekter Start mit Bayer 04 in die Saison. Heute war es ein wichtiger Sieg für das ganze Team.

Frage: Was war es für ein Gefühl, mit den Fans vor der Nordkurve zu feiern?

Pohjanpalo: Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr so viel davon. Aber es war großartig, den Jubel der Fans zu hören und wie sie meinen Namen gerufen haben. Ein viel besseres Gefühl gibt es im Fußball nicht.

Frage: Seit dem Trainingslager werden Sie von Ihren Mannschaftskollegen "Danger" gerufen. Der Spitzname passt.

Pohjanpalo: Ja, das ist ein lustiger Name. Ich habe ihn, weil ich einem Schauspieler ähnele, der im Film "Fack Ju Göthe" den "Danger" gespielt hat. Der Name hat heute gepasst.

"Natürlich will ich in der Startelf stehen"

Frage: Was ist mit Ihnen in den letzten Monaten nach Ihrer Zeit in Düsseldorf passiert? Bei der Fortuna hatten Sie erst ein großartiges erstes Jahr, aber in der letzten Saison lief es nicht mehr so gut.

Pohjanpalo: Wir hatten bei Fortuna im letzten Jahr vier Trainer. Da war es schwer, sich als Fußballer weiterzuentwickeln. Dann kam der Wechsel. Ich wusste, dass ich gut genug für Leverkusen bin. Ich musste es zeigen. Der Trainer wollte, dass ich bleibe. Die Vorbereitung lief dann ganz gut, im ersten Bundesliga-Spiel bekam ich meine Chance und habe direkt getroffen. Jetzt wieder. Einem Stürmer kann nichts Besseres passieren, als Tore zu machen. Das zählt, das habe ich getan, heute haben wir gewonnen.

Frage: Glauben Sie, dass Sie am Mittwoch in der Champions-League-Partie gegen Moskau in der Startelf auflaufen werden?

Pohjanpalo: Das weiß ich nicht. Das entscheidet der Coach. Ich weiß, dass ich in Leverkusen bei einer Mannschaft spiele, die ein tolles Team ist und gerade in der Offensive mit so fantastischen Spielern wie Kevin Volland, Chicharito, Stefan Kießling und Hakan Calhanoglu bestens besetzt ist. Ich stehe wahrscheinlich als Letzter in der Reihe und gebe dann mein Bestes, wenn ich reinkomme. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich von der Bank komme oder in der Startelf stehe. Natürlich will ich als Fußballer in der Startelf stehen. Aber ich nehme meinen Part an und gebe alles für das Team.

Frage: Was hat Ihnen Trainer Roger Schmnidt bei der Einwechslung gesagt?

Pohjanpalo: "Mach ein Tor", hat er gesagt. Unser Physio Stuart Rickards war optimistischer. Er sagte mir heute, dass ich drei Buden machen soll.

 

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski