Mainz - Jhon Cordoba hat seine Verletzungspause nach dem Pokalsieg in Unterhaching gut weggesteckt. Gegen die TSG Hoffenheim erzielte der Stürmer des 1. FSV Mainz 05 beim kuriosen 4:4 seinen ersten Saisontreffer und war mit seiner Wucht und Durchsetzungskraft einer der stärksten Spieler auf dem Platz.

Diesen Donnerstag startet der Kolumbianer mit Nullfünf mit einem Heimspiel gegen den AS St. Etienne in die Europa-League-Saison, in der auch FK Qäbälä aus Aserbaidschan und der RSC Anderlecht in Mainz vorspielen. Mit bundesliga.de sprach der 23 Jahre junge Cordoba über die Aussichten der Mainzer in der Europa League, seine Entwicklung in Mainz und erklärt, warum er sich so fit wie noch nie fühlt.

bundesliga.de: Herr Cordoba, als wir uns das letzte Mal unterhalten haben, erzählten Sie, dass das Reycycling-Prinzip in Deutschland für Sie ein Rätsel sei. Hat sich dieses Rätsel seither gelöst?

Jhon Cordoba: (lacht) So langsam wird es besser, Schritt für Schritt. Wenn man wie ich aus einem anderen Kulturkreis kommt, dann ist das erstmal schwierig. Aber es wird schon.

bundesliga.de: Anderer Kulturkreis ist ein gutes Stichwort: Mainz startet diesen Donnerstag mit einem Heimspiel gegen St. Etienne in die Europa League. War es schon ein Ziel, Europa-League zu spielen, als sie noch in Kolumbien und Mexiko unter Vertrag standen?

Cordoba: Jeder, der den Fußball mag, kennt in Südamerika die beiden besten europäischen Klubwettbewerbe und verfolgt diese. Ich habe das natürlich auch getan und freue mich nun ganz besonders, ein Teil dieser Europa League zu sein.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie den ersten Gegner St. Etienne ein?

Cordoba: Der Gegner ist ein erfolgreicher Klub aus Frankreich, einer der großen europäischen Fußballnationen. Aber grundsätzlich spielen wir in einer sehr ausgeglichen Gruppe und müssen uns nicht klein machen. Wir haben Chancen und werden von Spiel zu Spiel denken und versuchen Punkte zu sammeln. Wir haben eine selbstbewusste Mannschaft, die zeigen will, dass sie zurecht in Europa mitspielt. Die Chance zum Weiterkommen ist definitiv da.

bundesliga.de: Ihr Landsmann Elkin Soto, der seine Karriere beendet hat, war am Anfang ihr engster Kontakt bei Nullfünf. Wie wichtig ist die spanischsprechende Gruppe in der Mannschaft mit Jairo und Pablo de Blasis für Ihre Integration?

Cordoba: Gerade die persönliche Komponente in der Latino-Gruppe, in der wir uns in allen Lebenslagen helfen und unterstützen, hilft doch sehr, sich auch sportlich immer weiter zu verbessern.

bundesliga.de: Wie meinen Sie das?

Cordoba: Wir sind quasi wie Brüder, wir treffen uns zum Essengehen, kochen selbst oder feiern unsere Geburtstage zusammen. Diese grundlegende Unterstützung war und ist sehr wichtig für mich, gerade am Anfang war das so. Ich kam ja komplett ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland und Mainz. Das ich jetzt Teil dieser Gruppe bin, motiviert mich nur noch mehr. Zumal ich durch die Anbindung an die Latino-Gruppe auch besser Kontakt mit den anderen Spielern bekommen habe. Ich will auf dem Platz allen etwas zurückgeben mit meinen Leistungen.

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihre persönliche Entwicklung nach der ersten Saison und nach der Vorbereitung?

Cordoba: Die letzte Spielzeit war sehr positiv für mich. Am Anfang habe ich viel gelernt, in der zweiten Saisonhälfte habe ich dann gezeigt, dass ich mitspielen kann und mich an die Art des Fußballs in Deutschland gewöhnt habe. Jetzt bin ich bereit dafür, mein bestes Spiel auf den Platz zu bringen und zu zeigen, warum ich hier bin.

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bundesliga.de: Wie hat sich die Wahrnehmung von Jhon Cordoba bei den Fans in Kolumbien entwickelt, seit Sie in Deutschland spielen?

Cordoba: Gerade die positive Entwicklung in der letzten Saison mit Mainz in der Bundesliga hat dazu geführt, dass ich in Kolumbien mittlerweile auf der Straße erkannt werde, wenn ich dort bin. Das ist natürlich ein schöner Nebeneffekt für mich, den ich auch genieße.

bundesliga.de: Waren Sie enttäuscht, dass Sie nicht für die Olympia-Auswahl Kolumbiens für die Spiele in Rio nominiert wurden?

Cordoba: Ja, ich war schon ein bisschen enttäuscht, aber es ist wichtig, so etwas abzuhaken und weiter an sich zu arbeiten und sich weiter zu verbessern.

bundesliga.de: Das 4:4 gegen Hoffenheim war der Start zu sieben Spielen in 21 Tagen für Mainz 05. Fühlen Sie sich fit für diesen Kraftakt?

Cordoba: Gerade in der Vorbereitung haben wir uns ja genau auf diese Belastung vorbereitet.

bundesliga.de: Haben Sie deshalb diese Vorbereitung als stressiger empfunden als andere Vorbereitungen?

Cordoba: Ich hatte ja in den letzten vier Jahren durch meine Wechsel nie eine Sommervorbereitung durchziehen können. Nun konnte ich erstmals eine komplette Sommervorbereitung absolvieren, was eine neue Erfahrung und schwer und anstrengend war, aber auch sehr lehrreich. Ja, ich fühle mich sehr fit und so gut wie selten. Man geht durch die Unterstützung des Trainerteams und der ganzen Gruppe viel selbstbewusster in eine Saison, weil man weiß, was man gearbeitet hat. Bei Vereinswechseln ist das nicht so gegeben, da wird die Vorbereitung unterbrochen und man muss sich an eine neue Gruppe gewöhnen.

bundesliga.de: Der Konkurrenzkampf ist in dieser Saison sehr groß in Mainz, auch Yoshinori Muto drängt auf einem Platz im Sturmzentrum. Wie empfinden Sie die Konkurrenzsituation?

Cordoba: Wettbewerb ist immer gut, daran wächst man. Man weiß, dass man nie nachlassen darf, sonst verliert man seinen Stammplatz - wenn man bei uns überhaupt von Stammplätzen sprechen kann.

Video: Cordoba und seine Kumpel

bundesliga.de: Ihr Trainer Martin Schmidt hat angesichts der vielen Spiele angedeutet, dass es keine Stammplätze gebe in dieser Saison.

Cordoba: (lacht) Das ist Sache des Trainers, aber ich will immer spielen.

bundesliga.de: Letzte Saison schaffte Mainz die Qualifikation für die Europa-League, ist das in dieser Saison wieder drin?

Cordoba: Wir haben einige Spieler dazubekommen und ich denke, dass wir nicht an Qualität verloren haben. Wir sind selbstbewusst und können alles erreichen. Warten wir mal ab, wie sich die Runde entwickelt.

bundesliga.de: Vergangene Woche sind Sie mit den Kollegen, Jairo und de Blasis zu einem Filmdreh mit dem Schnellboot auf die andere Mainzer Rheinseite gefahren und sind dort am Strand spazieren gegangen. Weckte das ein bisschen ein Südamerika-Gefühl bei Ihnen?

Cordoba: (lacht) Ein bisschen!

Das Interview führte Tobias Schächter