Stuttgart - Der VfB Stuttgart scheint derzeit das Unheil magisch anzuziehen. Nicht nur, dass es spielerisch nicht läuft und das Ausscheiden in der Europa League verdient war, nun passiert auch noch beinahe Schicksalhaftes.

Es war die 49. Spielminute der Partie gegen Benfica Lissabon, als Marc Ziegler, erst unter der Woche von VfB-Trainer Bruno Labbadia zur Nummer eins im Tor befördert, nach einem Zusammenprall mit dem Portugiesen Gaitan verletzt am Boden lag und mit einer schweren Gehirnerschütterung in ein Stuttgarter Krankenhaus gebracht wurde. Fortan stand also wieder der eigentlich degradierte Sven Ulreich im VfB-Tor und machte seine Sache gut.

Schluss mit Doppelbelastung

Das wird er auch im nächsten Spiel bei Eintracht Frankfurt (So., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) tun müssen, denn es ist ausgeschlossen, dass Ziegler bis zum Sonntag wieder fit wird.

Diese beinahe tragische Geschichte steht derzeit sinnbildlich für die Stuttgarter Krise. Nach der 0:2-Niederlage gegen Lissabon war den Beteiligten anzumerken, dass sie eigentlich recht froh darüber waren, die Doppelbelastung aus Europa League und Bundesliga nun hinter sich gebracht zu haben.

"Heute Abend können wir uns über die Niederlage noch ärgern, aber ab morgen müssen wir uns auf Sonntag konzentrieren", meinte Nachwuchsstürmer Sven Schipplock, der gegen die starke Benfica-Abwehr kaum zum Zuge kam.

Okazaki als Lichtblick - auch Hajnal überzeugt

In der Tat ist es so, dass der VfB nun schleunigst seinen Fokus auf eine erfolgreiche Aufholjagd in der Bundesliga legen sollte. Bereits die Auswärtspartie in Frankfurt ist das erste von vielen Endspielen, von denen Sportdirektor Fredi Bobic bereits nach der Niederlage in Leverkusen gesprochen hatte. Im Grunde genommen müssen bei der Eintracht drei Punkte her, schon ein Unentschieden könnte für den VfB zu wenig sein. Um diese Mission erfolgreich umzusetzen, bedarf es allerdings einer deutlichen Leistungssteigerung.

So war das Stuttgarter Spiel auch gegen Lissabon zu behäbig und ganz besonders in der Defensive zu fehleranfällig. Es gibt aber auch Hoffnung, für die vor allem zwei Neueinkäufe verantwortlich sind. Da ist zum einen Tamas Hajnal, der auch gegen Lissabon zeigte, dass er der Mann sein kann, der für die so notwendigen Überraschungsmomente bei den Schwaben sorgt.

Zum anderen scheint der flinke Shinji Okazaki sich zu einer echten Verstärkung zu entwickeln. Enorm laufstark sowohl in der Offensive als auch in der Rückwärtsbewegung, dazu technisch gut und zielstrebig auf dem Weg zum gegnerischen Tor: Okazaki zeigt die Qualitäten, die dem VfB zuletzt abhanden gekommen sind. Mit ein wenig Glück hätte der 24-Jährige gegen Lissabon seinen ersten Treffer im VfB-Dress erzielen können. Auch Bobic ist mit Okazaki zufrieden: "Er tut unserem Spiel einfach gut."

Kriselnde Eintracht will "Anti-Lauf durchbrechen"

Es ist also nicht alles schlecht im Schwabenland, ein Umstand, der vor der Reise nach Hessen Zuversicht verbreitet. "Trotz der Niederlage können wir erhobenen Hauptes nach Frankfurt fahren", sagte auch Torjäger Martin Harnik.

Das liegt auch daran, dass die Frankfurter ebenfalls in einer schweren Ergebniskrise stecken. Seit sage und schreibe sechs Spielen hat die Eintracht kein Tor mehr erzielt und sich so Spieltag für Spieltag den Abstiegsplätzen genähert. Auch Torjäger Theofanis Gekas, der in der Hinrunde noch wie am Fließband traf, ist momentan vom Pech verfolgt. Michael Skibbe bestätigte, dass Mannschaft und Trainerteam "extrem angefressen" seien. "Gegen Stuttgart gilt es, den Anti-Lauf zu durchbrechen", so der Coach. Trotz der prekären Lage will Skibbe nicht in Aktionismus übergehen. "Wir werden bestimmt nicht die Trainerbank wechseln oder die Farbe der Trikots."

Das Verletzungspech auf der Torwartposition haben seine Frankfurter und der VfB übrigens gemeinsam. Der erfahrene Oka Nikolov fällt wegen eines Einrisses der linken Fußsohlensehne mehrere Wochen aus, Ralf Fährmann wird ihn zwischen den Pfosten vertreten.

Jens Fischer