Zwei Tage nach dem Einzug ins Halbfinale der Champions League stellte sich Bayern-Trainer Louis van Gaal in einem Kölner Nobelhotel den Medien und beantwortete Fragen zu dem Bundesliga-Hit bei Bayer Leverkusen.

Louis van Gaal über ...

... die Vermutung, dass Leverkusens Trainer Jupp Heynckes weiß, wie Bayern tickt und es deshalb sehr schwer für die Bayern wird:

Ich glaube nicht, dass er weiß, wie Bayern tickt. In den letzten acht Monaten sind wir in einem Prozess und haben wir viele Dinge geändert. Viele andere Spieler sind zu Bayern München gekommen, viele sind weg. Er kann nicht wissen, wie Bayern tickt.

... das schwere Programm der letzten Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen und den aktuellen Fitnesszustand seiner Mannschaft:

Das müssen wir abwarten. Deswegen sind wir direkt nach Düsseldorf geflogen, um uns besser zu erholen. Ich glaube, dass wir in einem exzellenten Hotel sind mit vielen Möglichkeiten im Bereich Fitness, mit sehr gutem Essen und mit sehr guten Betten. Das ist auch wichtig. Das war auch ein Grund, warum wir hier sind. Ein Hotel ist sehr wichtig für uns. Wir sind oft in Hotels, und wenn das Hotel nicht so gut ist, hat das auch Einfluss auf die Spieler. Die Spieler haben hier viel Ruhe. Heute konnten die Spieler bis 11 Uhr ausschlafen. Wir haben gestern nur ein Regenerationstraining durchgeführt. Heute trainieren wir noch. Aber die Spieler werden vor allem versorgt. Wir haben vier Physiotherapeuten bei uns, drei Reha-Trainer. Die Spieler können alles machen, was sie wollen. Wir stehen mit drei Trainern zur Verfügung. Aber es wird nicht viel trainiert. Wir werden viele individuelle Gespräche führen, um die Spieler auf das vielleicht wichtigste Spiel der Saison vorzubereiten.

... die personelle Situation:

Darüber kann ich Moment noch nicht viel sagen. Wir müssen noch trainieren. Zum Glück spielen wir morgen erst um 18:30 Uhr. So haben wir noch zwei Tage Zeit, um alle Spieler fit zu bekommen, auch im Geist. Ich denke, dass alle Spieler wieder in den Kader kommen und spielen können.

... den Unterschied zwischen der körperlichen und geistigen Belastung der letzten Wochen:

Beides spielt eine Rolle. Aber wir haben die Mannschaft so trainiert, dass sie körperlich ihre Leistung bringen kann. Das ist normalerweise nicht das Problem. Das Problem ist der Geist. Das haben wir noch nicht so untersucht. Ich habe das schon gemacht, ich weiß etwas mehr. Ich habe mit den Universitäten von Amsterdam und Groningen gearbeitet, um das zu untersuchen. Aber in dem Bereich kann man sicher noch besser werden, damit beschäftige ich mich.

... die Mentalität seiner Mannschaft, die einen sehr konzentrierten und keinen euphorischen Eindruck macht:

Das ist auch ein bisschen meine Philosophie. Wir müssen sehr hart arbeiten und uns sobald wie möglich auf das nächste Spiel fokussieren. Das machen meine Spieler. Das war schon in Barcelona oder bei Ajax so. Das ist auch ein Merkmal eines Spitzenfußballers. In diesem Monat werden alle Preise verteilt. Die Spieler wissen, dass es sehr wichtig ist, sich auf das nächste Spiel zu fokussieren und dass es ihnen hilft.

... über den Gegner Bayer Leverkusen:

Ich glaube nicht, dass der Fakt, dass sie drei Mal hintereinander verloren haben, so wichtig ist, wenn sie gegen Bayern München spielen. Alle Vereine sind gegen uns extra motiviert. Jupp Heynckes wird seiner Mannschaft erzählen: "Jungs, wir haben nichts zu verlieren." Dann wird der Druck auch weniger. Wenn sie verlieren, sagen sie, dass Bayern München eben der beste Verein ist. Bayer Leverkusen ist spielerisch eine bessere Mannschaft als Schalke. Sie haben Torjäger in ihren Reihen. Das ist eine sehr gefährliche Mannschaft. Wir müssen sehr gut sein, um sie zu schlagen.

... über seinen Torwart Jörg Butt, der aus einer Statistik der abgewehrten Bälle zitiert hatte, nach der er der beste Torwart in Deutschland sei:

Musste er sich verteidigen? Warum hat er das gesagt? Er ist der beste Torwart für uns, das hat er bewiesen. Ich lese jede Woche in den Medien, dass wir eine schwache Verteidigung haben. Dann muss der Butt doch sehr gut sein.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski


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