Am Ende kam es so, wie die Statistiker es vorausgesehen und Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann es gefordert hatte: Der FC Bayern München hat gegen Hertha BSC Berlin den ersten "Dreier" der Saison eingefahren, gewann gegen seinen Lieblingsgegner überlegen und hochverdient mit 4:1 (1:0).

Kein Bundesligist hat eine schlechtere Bilanz gegen den FCB, seit über 31 Jahren haben die Hauptstädter nicht mehr in München gewonnen. Dass es auch am 3. Spieltag der Saison 2008/09 nicht gelang, dafür waren vor allem Luca Toni und Phlilipp Lahm verantwortlich.

Stark in Defensive und Offensive

In der 12. Spielminute zeigte Lahm zunächst seine Defensivqualitäten. Als einzig verliebener Abwehrspieler nach einer Bayern-Ecke unterbrach er den Konter der Herthaner über Marko Pantelic mit einer beherzten, aber fairen Grätsche. Mit einer souveränen Körpertäuschung gegen den nachsetzenden Serben erstickte er schließlich die ersten vorsichtigen Berliner Angriffsbemühungen im Keim. Im anschießenden Spielzug setzte Bastian Schweinsteiger Torjäger Toni in Szene, der in seinem ersten Heimspiel der Saison überlegen zum Halbzeitstand von 1:0 einschob.

Neun Minuten nach Wiederanpfiff ließ Lahm dann auch seine Offensivstäkre aufblitzen und vollstreckte nach einem Doppelpass mit Ze Roberto mit einem sehenswerten Schlenzer zum vorentscheidenden 2:0 - danach war der Widerstand der Gäste endgültig gebrochen.

Im Interview mit bundesliga.de sprach Lahm nach der Partie über die Bedeutung des ersten dreifachen Punktgewinns in dieser Spielzeit, über zurückkehrende Ruhe im Club und über seine Zukunft in der Bayern-Viererkette nach dem Transfer von Marcell Jansen zum Hamburger SV.

bundesliga.de: Herr Lahm, wie erleichtert sind Sie nach dem ersten Saisonsieg?

Philipp Lahm: Sehr! Es war heute entscheidend, dass wir den Anschluss an die Tabellenspitze gewahrt haben, vor allem, wenn man sich die Ergebnisse der Samstagsspiele betrachtet. Es war wichtig, dass wir den Rückstand auf zwei Punkten verkürzt haben, jetzt ist wieder alles drin. Wir wollten heute unbedingt in der Allianz Arena die ersten drei Punkte einfahren, und das ist uns sehr gut gelungen.

bundesliga.de: War der FC Bayern heute so stark, oder hat es Ihnen der Gegner aus Berlin leicht gemacht?

Lahm: Wir waren heute endlich mal von Anfang an richtig auf dem Platz. Wir waren von der ersten Minute an aggressiv, haben keine Torchancen des Gegners zugelassen und einfach gut gearbeitet, auch defensiv. Dadurch ergeben sich dann natürlich Torgelegenheiten, und die haben wir gegen die Hertha erfolgreich genutzt.

bundesliga.de: Wie wichtig war der Sieg im Hinblick auf die bevorstehende Länderspielpause?

Lahm: Nachdem wir die ersten beiden Bundesliga-Spiele nicht gewonnen haben, war dieser "Dreier" heute sehr wichtig, damit endlich wieder Ruhe einkehrt. Man weiß ja, wie schnell beim FC Bayern Kritik aufkommt. Durch den Sieg gegen Berlin sind wir wieder oben dran. Es sieht alles schon wieder besser aus, so dass die einen jetzt ordentlich trainieren und die anderen beruhigt zur Nationalmannschaft fahren können.

bundesliga.de: Was sagen Sie zum Treffer von Miroslav Klose, der seine Torflaute durch das Elfmetertor in der 69. Minute beendet hat?

Lahm: Es ist für einen Stürmer immer wichtig, dass er trifft, egal ob vom Punkt oder aus dem Spiel heraus. Er hat sich dieses Tor heute einfach erarbeitet. Er ist viel gelaufen, hat viele Zweikämpfe bestritten und die Bälle vorne gehalten und sich somit das Tor verdient.

bundesliga.de: Noch eine Frage abseits des Spielgeschehens. Durch den Verkauf von Jansen an den HSV sind Sie nominell der einzige verbliebene Linksverteidiger im Kader. Damit können Sie demnächst wohl nicht mit einem Einsatz auf Ihrer Lieblingsposition hinten rechts in der Viererkette rechnen, oder?

Lahm: Ich habe vor der Saison gesagt, dass ich mich voll in den Dienst der Mannschaft stelle. So wird es auch immer bleiben, die Mannschaft zählt und steht im Vordergrund. Ich habe zwar immer gesagt, dass ich lieber auf rechts spiele, aber wie man heute gesehen hat: Es geht auch auf links.

Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber