Deutschland hat seine Pflicht erfüllt und Aserbaidschan in Hannover mit 4:0 geschlagen.

Dank einer erheblichen Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel konnte die Elf von Bundestrainer Joachim Löw auch die zuvor unzufriedenen Fans besänftigen. Jetzt kommt es zum großen Showdown um den Gruppensieg am 10. Oktober gegen Russland in Moskau.

Auch Russland gibt sich keine Blöße

Die deutsche Nationalmannschaft hält weiter Kurs auf die WM-Endrunde in Südafrika im kommenden Jahr. Sieben Siege und ein Unentschieden gab es in acht Qualifikationsspielen. Trotz der fast optimalen Punktausbeute muss dennoch weiter gebangt werden, da sich auch Russland keine Blöße gab und in Wales 3:1 siegte.

Wie schon beim glanzlosen 2:0-Hinspielsieg vor vier Wochen tat sich das deutsche Team über weiter Strecken sehr schwer gegen den krassen Außenseiter. Selbst das frühe Führungstor durch einen von Michael Ballack sicher verwandelten Elfmeter gab keine Sicherheit.

Es folgt: "Das schwerste Spiel"

"Wir haben gut begonnen, nach dem Tor aber unerklärlicherweise den Faden verloren. Da sind wir nur hinterher gelaufen, das war ganz schlecht von uns. In der zweiten Halbzeit war es dann wieder okay", analysierte Ballack nüchtern: "Wir haben das Soll erfüllt, jetzt geht es ans Eingemachte. Das Spiel in Russland wird das schwerste Spiel der gesamten Qualifikation."

Bundestrainer Joachim Löw hatte in der Halbzeit auf die schwache Vorstellung seiner Truppe reagiert und die nötigen Konsequenzen gezogen. Seine Einwechslung von Miroslav Klose brachte den nötigen Zug zum Tor. Mit einer Klasseleistung und seinen Treffern 46 und 47 im Nationaltrikot empfahl sich der in München derzeit glücklose Stürmer für die Startelf.

Für Klose "eine Befreiung"

"Ich werde auch mal wieder von Anfang an spielen. Es kommen noch genügend Spiele, in denen ich mein Können unter Beweis stellen kann", sagte Klose nach dem Abpfiff mit der Gelassenheit eines Mannes, der in der ewigen Torschützenliste des DFB auf Platz 3 vorstieß und sich der Unterstützung des Bundestrainers sicher sein kann.

"Für Miroslav Klose war die zweite Halbzeit wie eine Befreiung. Er ist noch nicht bei 100 Prozent, aber er hat heute hervorragend gespielt", lobte Löw, der auch aufatmen konnte, dass mit Lukas Podolski auch sein zweites Sorgenkind im Angriff wieder traf und ansteigende Form bewies.

Auch Beck belebt das Spiel

"Klose und Podolski haben unglaubliche Quoten und bei Turnieren und Qualifikationsspielen immer ihre Tore gemacht", hält Löw seinen nicht unumstrittenen Angreifern die Treue: "Auch wenn es mal nicht so läuft, werde ich zu ihnen stehen."

Weitere Erkenntnisse des Aserbaidschan-Spiels waren, dass neben den stark verbesserten Torjägern Mesut Özil im Mittelfeld erneut eine ordentliche Partie ablieferte. Auch Einwechselspieler Andreas Beck belebte das deutsche Spiel auf der rechten Außenbahn ungemein, als Philipp Lahm die linke Seite übernommen hatte, wo er seine Dynamik stärker zur Entfaltung brachte. Torhüter René Adler hielt wieder fehlerlos. Dagegen befindet sich Bastian Schweinsteiger momentan in einem kleinen Formtief.

Doch insgesamt scheint die deutsche Nationalmannschaft nach den Eindrücken des Südafrika-Spiels und der zweiten Hälfte gegen Aserbaidschan gut gerüstet für das große Spiel in Moskau. "Russland ist auf Augenhöhe und hat sehr gute Einzelspieler", attestiert Joachim Löw dem kommenden Gegner: "Aber wir fahren nicht dort hin, um auf Unentschieden zu spielen. Wir versuchen, in Moskau zu gewinnen."

Zahlen sprechen für Deutschland

Die Statistik spricht für Deutschland. Noch nie verlor eine deutsche Nationalmannschaft ein Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation. Dass sie in Moskau zum ersten Mal auf Kunstrasen antreten wird, sollte nicht ins Gewicht fallen. "Der Platz ist fantastisch. Würde man den Spielern nicht sagen, dass es ein Kunstrasenplatz ist, würden sie das gar nicht merken", berichtet Berti Vogts, der Trainer Aserbeidschans, aus eigener Erfahrung. Dann kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen ...

Tobias Gonscherowski