München - Beim Weg zum Training dürften den gedemütigten Stars des FC Bayern München die riesigen Plakatwände nicht entgangen sein: "Pack ma's" und "Mia san mia" ist in der ganzen Stadt zu lesen. Das "Finale dahoam"-Fieber hat München trotz der Pokal-Pleite gepackt. Auch die von Borussia Dortmund beim 2:5 entzauberten und vom eigenen Vorstandschef hart kritisierten Profis lösen sich langsam aus ihrer Schockstarre und richten den Blick auf das große Endspiel am Samstag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) gegen den FC Chelsea.

Beim Training am Montag wurde schon wieder das eine oder andere Mal gelacht - nach dem Motto: Jetzt erst recht. Dies dürfte auch Präsident Uli Hoeneß den Spielern noch einmal eindringlich vor Augen geführt haben, als er für rund 25 Minuten im Kabinentrakt verschwand.

Als Kollektiv zum Erfolg



Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger forderte anschließend von seinen Kollegen, "dass wir Stärke zeigen und zusammenstehen müssen". Schon in Berlin habe man einen entsprechenden "Schwur" geleistet, verriet Arjen Robben. Dennoch richtete auch Spielführer Philipp Lahm einen deutlichen Appell an die Mannschaft: "Wir müssen uns aufrichten und das Dortmund-Spiel schnell vergessen."

Dies rät auch Ex-Keeper Oliver Kahn, der mit seiner Einstellung "weiter, immer weiter" oft genug Erfolg hatte: "Am besten, man verdrängt das. Sie müssen die Löschtaste betätigen und sich total darauf konzentrieren, was sie jetzt erreichen können. Die Champions League zu gewinnen, das steht über allem."

Nur so können die Bayern ihre Saison noch retten, die bisher in der Liga und im Pokal enttäuschend verlaufen ist. Entweder es steht am Samstag der größte Triumph der Vereinsgeschichte - oder den erfolgsverwöhnten Münchnern bleiben am Ende nur drei Vize-Titel.

Nerlinger glaubt an "Krönung der Saison"



Doch soweit soll es nicht kommen. "Das Champions-League-Finale ist längst nicht verloren. Und ich mag mir nicht vorstellen, dass der FC Bayern am Ende ohne Titel dasteht", schrieb "Kaiser" Franz Beckenbauer in seiner "Bild"-Kolumne. Dies will sich auch Superstar Franck Ribery vor dem "wichtigsten Spiel meiner Karriere" nicht ausmalen. Entsprechend kämpferisch gibt sich der Franzose. "Wir werden alles geben. Wenn wir gewinnen, ist alles gut."

Und damit sie gewinnen, sprechen sich die Bayern Mut zu. "Wir haben in der Champions League bisher herausragende Leistungen gezeigt. Wir haben zuletzt den spanischen Meister besiegt. Am Samstag können wir die Saison krönen. Das Finale überstrahlt alles", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. "Ich bin fest davon überzeugt: Wir können das schaffen. Wenn nicht im eigenen Stadion - wann dann?", ergänzte Schweinsteiger.

Der Druck ist auf jeden Fall riesig, nicht erst seit Samstag, als auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge seine Profis ins Gebet genommen hatte. "Ich verlange von der Mannschaft, dass mit Leidenschaft und Wille und auch mit der Aggressivität gespielt wird, um einen Gegner wie Chelsea zu besiegen", sagte Rummenigge.

"Effe" wäre gerne auf dem Platz dabei



Geht es nach Ex-Kapitän Stefan Effenberg, 2001 mit den Bayern Champions-League-Sieger, müsse jetzt ohnehin "nicht mehr viel" geredet werden. "Wenn du jetzt noch jemanden motivieren musst, dann läuft etwas total falsch", sagte der "Sky"-Experte. Und die Pleite gegen Dortmund? "Raus damit aus den Köpfen. Was Größeres als die Champions League gibt es jetzt nicht", sagte der frühere "Cheffe" und fügte mit einem Schmunzeln an: "Da wäre ich gerne noch einmal Spieler."

Derweil ist Bundestrainer Joachim Löw davon überzeugt, dass den Bayern gegen die erfahrenen Engländer die Wende gelingt: "Ich bin sicher: Sie zeigen gegen Chelsea eine Riesen-Reaktion - und werden die Saison mit einem Titel krönen. Sie haben die Mentalität, zurückzukommen." Pack ma's.