Der VfB Stuttgart setzt seinen Erfolgsweg in der Bundesliga unbeirrt fort und tritt dennoch auf der Stelle. Trotz einer Serie von acht ungeschlagenen Spielen in Folge, von denen sieben gewonnen wurden, rangieren die Schwaben weiterhin auf Platz 4 der Tabelle.

Doch mit zwei Erfolgen in den beiden letzten Partien der Saison würde die Mannschaft von Teamchef Markus Babbel definitiv noch mindestens einen Rang im Klassement nach oben klettern und damit zumindest noch an Bayern München, dem Gegner des letzten Spieltages, vorbeiziehen.

Babbel "verirrt" sich

Nachdem Markus Babbel seinen persönlichen Interviewmarathon nach dem 2:1-Sieg bei Schalke 04 erfolgreich absolviert und dabei gewohnt souverän alle Fragen nach einem möglichen Titelgewinn umkurvt hatte, verlor der Teamchef des VfB Stuttgart doch noch die Orientierung. Lässig war er über ein Absperrseil geklettert und zielstrebig auf eine hell erleuchtete Glastür geeilt.

Doch als er sein Ziel erreicht hatte, kamen ihm erste Zweifel. Zu Recht, denn statt des Ausgangs zum Mannschaftsbus stand der 36-Jährige vor dem Eingang zur Schalker Stadionkapelle. Auf die Frage, ob er jetzt eine Kerze für einen Stuttgarter Meisterschaftsgewinn aufstellen wolle, schmunzelte er nur.

"Wenn ich der einzige Blinde beim VfB bin, dann geht das ja noch", lachte Markus Babbel, der dann noch den richtigen Weg fand. Den VfB Stuttgart hat er bereits eindrucksvoll in die Erfolgsspur zurückgeführt. Seit seinem Amtsantritt Ende November des vergangenen Jahres hat er in der Bundesliga eine beinahe makellose Bilanz vorzuweisen. 18 Spiele, 13 Siege, vier Unentschieden und nur eine Niederlage.

Keine Rede von der Meisterschaft

Doch obwohl der VfB nur zwei Punkte hinter dem Spitzenduo aus Wolfsburg und München liegt, will Babbel von einem möglichen Titelgewinn noch immer nicht sprechen. "Ich würde von der Meisterschaft reden, wenn wir es aus eigener Kraft schaffen könnten. Aber das können wir nicht", rechtfertigt Babbel seine Zurückhaltung.

"Wir müssen hoffen, dass die Konkurrenten Federn lassen. Die Ausgangsposition hat sich nicht verändert. Wir wollen am Samstag mit einem Sieg gegen Cottbus einen Platz unter den ersten Fünf hundertprozentig sicher machen. Wenn wir das geschafft haben, sehen wir weiter", so Babbel.

Das ist nach wie vor die offizielle Sprachregelung in Stuttgart. "Es braucht auch keiner denken, dass wir irgendwelche idiotischen anderen Ziele von uns geben", insistiert auch VfB-Manager Horst Heldt: "Wir wollen realistisch bleiben."

Gute Erinnerung an Cottbus

Doch ein bisschen bröckelt die Front der Stuttgarter Tiefstapler. Jens Lehmann wagt sich aus der Deckung und gibt unumwunden zu: "Klar ist die Meisterschaft ein Ziel. Jetzt beginnt die Saison doch erst, jetzt wird es interessant. Bisher war es ein zähes Herantasten, jetzt können wir noch viel schaffen, wenn wir am Samstag gegen Cottbus gewinnen."

Cottbus, Cottbus, da war doch was? Richtig. Vor zwei Jahren mussten die Schwaben am letzten Spieltag gegen die Lausitzer antreten. Der knappe 2:1-Sieg bedeutete damals den Gewinn des Meistertitels. Doch diesmal stehen die Vorzeichen anders. Cottbus befindet sich im Gegensatz zu 2007 in höchster Abstiegsnot und braucht jeden Punkt. Genauso wie der VfB Stuttgart, dem noch ein Zähler fehlt, um sich die Teilnahme am Europapokal definitiv zu sichern.

"Wir wollen am Samstag gegen Cottbus unbedingt gewinnen, natürlich auch mit dem Blick nach oben", deutet Markus Babbel dann doch noch höhere Ambitionen an: "Das wird unsere Hausaufgabe sein, die wir erfüllen müssen. Das wird schwer genug und kein Selbstläufer." Vielleicht zündet er ja doch noch eine Kerze an...

Tobias Gonscherowski