19. Dezember 1997. Schalke zu Gast in Dortmund. Nachspielzeit. Olaf Thon trat eine Ecke von rechts. Der wurde am Fünfmeterraum von einem Dortmunder verlängert. Thomas Linke brachte das Leder wieder vors Tor und dort stand er. Goldrichtig. Jens Lehmann!

Per Kopf drückte der Torhüter der "Knappen" den Ball zum 2:2 über die Linie. Nie zuvor hatte ein Schlussmann ein Tor aus dem Spiel heraus erzielt gehabt. "Dieses unbeschreibliche Gefühl eines geschossenen Tores wird mir immer in Erinnerung bleiben", sagte der Schütze.

Ein Typ, der polarisiert

Gefeierter Held. Ein Mann, an dem sich die Gemüter scheiden, der für Reibung sorgt. Ebenso für konstant starke Leistungen. Nicht immer schrieben seine Aktionen positive Schlagzeilen. Doch in jenem Revierderby machte er sich unsterblich.

Neun Jahre später schlug erneut eine große Stunde für Lehmann - und das vor den Augen des ganzen Erdballs. Die Weltmeisterschaft fand in Deutschland statt und der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte sich überraschend gegen Oliver Kahn und für Lehmann als Nummer 1 im deutschen Tor entschieden.

Zettel-Lehmann

Nie zuvor stand ein Spieler der DFB-Elf so sehr unter Beobachtung wie der Keeper, zu jener Zeit bei Arsenal London seine Brötchen verdiente. Und dann kam das Viertelfinalspiel gegen Argentinien. Elfmeterschießen. Erst gab es aufmunternde Worte von Konkurrent Kahn. Dann kam die Sache mit dem Zettel, den Lehmann aus seinem rechten Stutzen zog.

Die Informationen, die dort über einige der möglichen Schützen draufstanden, haben geholfen. Deutschlands Nummer 1 hielt zwei Elfer und hatte alle Kritiker endgültig verstummen lassen.

Als Stürmer angefangen

Kritik begleitete Lehmann schon sein ganzes Leben lang. In den Straßen seiner Heimatstadt Essen begann er mit dem Fußballspielen. Sehr zum Leidwesen der Mutter, die ein Studium für sinnvoller hielt als die vom Sohn abgestrebte Karriere am runden Leder.

Sein erster Verein war der DJK Heisingen. Doch so oft er sich beim Spielen auf der Straße auch als Torhüter auf den Asphalt geworfen hatte und mit blauen Flecken heimkehrte, im Verein war der Platz zwischen Pfosten nicht für ihn vorgesehen. Mittelstürmer spielte Lehmann damals.

1978 wechselte er zu Schwarz-Weiß Essen. Dort gab es ein Wechselspiel zwischen Tor und Sturm. "Bis zur B-Jugend musste ich weiter auch im Feld ran", erinnert sich Lehmann. Neun Jahre später zog es ihn nach Schalke. "Ich habe mittags nach der Schule mit den Lizenzspielern trainiert, später mit der A-Jugend und abends waren die Hausaufgaben dran", beschrieb der Keeper seinen Tagesrhythmus.

Rückkehr in die Bundesliga

Bis 1998 blieb er den "Königsblauen" treu, gewann mit ihnen den UEFA-Pokal (1997) und schoss jenes legendäre Tor. Doch dann lockte das Ausland. Der AC Mailand rief und Lehmann kam. Das Experiment scheiterte und nur ein halbes Jahr später war er zurück in der Bundesliga. In Dortmund - ausgerechnet beim großen Schalker Rivalen.

Mit dem BVB wurde er 2001/02 Deutscher Meister und war anschließend bereit für ein zweites Abenteuer weit weg von der Heimat. Bei Arsenal holte er gleich im ersten Jahr den Premier-League-Titel. 2008 folgte nach der EURO die Rückkehr in die Bundesliga. Stuttgart heißt die wohl letzte Station in der aktiven Profilaufbahn Lehmanns. Und sicher wird er noch für den einen oder anderen großen Moment gut sein…

Zurück zum Spielerprofil von Jens Lehmann