Für Hertha-Mittelfeldspieler Jens Hegeler steht am Samstagabend ein besonderes Spiel an. Die Berliner reisen zum 1. FC Köln und damit in die Geburtsstadt ihres im letzten Sommer aus Leverkusen verpflichteten Neuzugangs. Für Jens Hegeler lief es bislang wie auch für seinen Verein noch nicht optimal.

Der 26-Jährige absolvierte sechs Bundesliga-Spiele für den Hauptstadtclub und schaute sich die letzten vier Spiele von der Bank aus an. In Köln könnte aber seine Stunde wieder schlagen vielleicht sogar in der Abwehr, wo Hertha diverse Problem plagen. Im Interview mit bundesliga.de spricht Hegeler über die Rückkehr nach Köln, die Situation in Berlin und die kommenden Wochen.

bundesliga.de: Am Wochenende steht für Sie das Spiel in Ihrer Geburtsstadt auf dem Programm, mit Hertha gastieren Sie in Köln. Wie viele Kartenwünsche für dieses Spiel sind Ihnen denn ins Haus geflattert?

Hegeler: Ich denke, dass es am Ende rund 40 Stück sein werden. Es werden viele da sein. Ich hoffe, dass der eine oder andere auch wegen uns da ist. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass FC-Fans darunter sind. Mir haben sie natürlich gesagt, dass sie wegen mir und Hertha kommen.

bundesliga.de: Wie sehr freuen Sie sich selbst auf das Spiel?

Hegeler: Sehr. Es ist immer sehr schön, in die Heimat zu kommen. Es wird ein interessantes Spiel in einem sehr schönen Stadion mit viel Stimmung. Für uns geht es darum, dort Punkte zu holen.

bundesliga.de: Punkte kann Hertha sicher gut gebrauchen, nach elf Spielen hat die Mannschaft ebenso viele Punkte gesammelt. Das dürfte den eigenen Ansprüchen sicher nicht genügen. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Hegeler: Wir hatten uns sicher erhofft, ein paar Punkte mehr zu haben. Die müssen wir jetzt in den nächsten Spielen holen und in Köln damit anfangen.

bundesliga.de: Wenn Sie bei Hertha Ursachenforschung betreiben sollen, wo hapert es Ihrer Meinung nach?

Hegeler: Das ist schwierig zu sagen. Eine Mannschaft mit vielen Neuzugänge, wie Hertha sie ist, braucht Zeit, um sich zu finden und die Abläufe zu verinnerlichen. Außerdem ist der eine oder andere Spieler ausgefallen. Nichtsdestotrotz stehen wir alle in der Pflicht und hatten uns das erfolgreicher vorgestellt.

bundesliga.de: Bis Weihnachten wartet auf Hertha nach dem Köln-Spiel mit Gegnern wie den Bayern, Mönchengladbach oder Dortmund ein durchaus happiges Programm. Muss man sich in Berlin Sorgen machen und auf Abstiegskampf einstellen oder ist es dafür noch zu früh?

Hegeler: Wir haben elf Spieltage gespielt, es kommen also noch viele Spiele. Dennoch haben wir erst elf Punkte und müssen realistisch sein. Es liegt an uns, aus dieser Situation rauszukommen und nicht noch tiefer unten reinzurutschen. Wir haben es in den Spielen selbst in der Hand.

bundesliga.de: Sie sind selbst seit fünf Monaten in Berlin, haben einige Spiele für Hertha absolviert, auch in einigen Spielen draußen gesessen. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Zwischenbilanz?

Hegeler: Ich habe den Anspruch an mich selbst, dass ich der Mannschaft mehr helfe, als ich es bisher in den Spielen getan habe. Aber ich habe bei Hertha nicht für elf Spiele unterschrieben, sondern für drei Jahre. In den Jahren möchte ich zeigen, dass ich eine sinnvolle Verstärkung für den Verein war.

bundesliga.de: In letzter Zeit war zu lesen, dass Sie als „gelernter Mittelfeldspieler“ auch eine Alternative fürs Abwehrzentrum sein könnten, wo bei Hertha Bedarf besteht. Kommt das für Sie in Frage?

Hegeler: Wir haben es schon getestet. Es ist sicher der Situation geschuldet, dass wir nicht mehr so viele Innenverteidiger haben. Ich habe es früher schon einmal gespielt. Das ist zwar schon eine ganze Weile her, aber ich werde natürlich immer da spielen, wo mich der Trainer aufstellt.

bundesliga.de: Ihren Trainer Jos Luhukay kennen Sie noch von Ihrer gemeinsamen Station in Augsburg vor ein paar Jahren. Er hat Sie als „multifunktional“ bezeichnet. Wie ist Ihr Draht zum Trainer?

Hegeler: Wir haben nach wie vor ein gutes Verhältnis. Ich habe auch schon in Augsburg unter ihm die eine oder andere Position gespielt.

bundesliga.de: Kommen wir auf den FC zu sprechen. Sie haben sechs Jahre in den Jugendmannschaften des 1. FC Köln gespielt. Gibt es noch Kontakte zu dem Verein? Ist es noch eine besondere Beziehung?

Hegeler: Köln ist meine Heimatstadt, deshalb habe ich noch viele Berührungspunkte. Aber zum FC habe ich aus sportlicher Sicht weniger Beziehungen. Ich bin noch mit Dominic Maroh oder Marcel Risse in Kontakt, mit denen ich aber nicht beim FC zusammengespielt habe, sondern in Nürnberg und Leverkusen. Trotzdem sind die Spiele gegen Köln immer schön.

bundesliga.de: Wie bewerten Sie die Entwicklung der Kölner als Aufsteiger?

Hegeler: Aktuell machen sie es sehr gut. Sie sind sehr souverän aufgestiegen und auch gut in die Bundesliga-Saison gestartet. Sie machen einen sehr stabilen Eindruck und lassen sehr wenig zu, was die Hauptvoraussetzung ist, um erfolgreich zu spielen. In Köln herrscht momentan sicherlich eine große Euphorie.

bundesliga.de: Der FC tut sich bislang allerdings auch in den Heimspielen recht schwer. Ist das die Chance für Hertha? Wo liegt der Schlüssel zum Sieg?

Hegeler: Das wird man sehen. Wir haben uns auswärts auch noch nicht mit Ruhm bekleckert. Vielleicht gleicht sich das aus. Wir müssen gucken, dass wir so konzentriert spielen, wie wir es in den meisten Heimspielen geschafft haben. Dann können wir auch in Köln etwas holen.

bundesliga.de: Hat Ihnen der Trainer schon signalisiert, ob Sie spielen werden?

Hegeler: Nein. Das macht der Trainer immer kurzfristig. Keiner weiß eine Woche vorher, ob er spielen wird. Ich werde es zwei oder drei Stunden vor dem Anpfiff erfahren.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski