Köln - Seit nicht einmal drei Monaten steht Javier "Chicharito” Hernandez für Bayer 04 Leverkusen auf dem Platz. Der mexikanische Angreifer hat sich schnell als feste Größe im Team von Roger Schmidt etabliert. Er beendete die Durststrecke der Werkself in der Bundesliga und erzielte entscheidende Tore in der Champions League. Am letzten Spieltag explodierte der 27-Jährige förmlich.

Chicharito wirbelt durch Leverkusens Offensive und ist dabei schon abschlussfreudiger als Kollege Stefan Kießling. In der Bundesliga kam er bisher im Schnitt alle 23 Minuten zum Abschluss - Kießling “nur” alle 47 Minuten. Zwar war er dabei erst zwei Mal erfolgreich.

Chicharito beendet Leverkusen Negativserie

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Chicharitos erstes Tor am 6. Spieltag hatte es in sich. Mit dem Treffer gegen den 1. FSV Mainz 05 beendete er die Negativserie der Werkself, die seitdem kein einziges Spiel mehr in der Bundesliga verloren hat. Am 8. Spieltag rettete er seinem neuen Verein in Zusammenarbeit mit Teamkollege Karim Bellarabi einen Punkt gegen Augsburg, dem der Ausgleichstreffer gelang.

Beim Torspektal gegen den VfB Stuttgart am 10. Spieltag war er maßgeblich am Sieg der Werkself beteiligt. Chicharito lieferte in dieser Partie seine bisherigen Bestleistungen in der Bundesliga ab und scheint jetzt endgültig in Leverkusen angekommen zu sein. Die fünf Torschüsse gegen Stuttgart waren Top-Wert für ihn, ebenso sein Top-Sprint von 32,5 km/h. Er leitete beim 0:2-Rückstand nicht nur den Anschlusstreffer für Karim Bellarabi ein, sondern glich später zum 3:3 aus bevor Admir Mehmedi den Dreier endgültig sicherte.

In der Königsklasse erfolgreich

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Nur wenige Tage vorher verzweifelte bereits der AS Rom in der Champions League an dem flinken Stürmer. Erst verwandelte Chicharito eiskalt einen Elfmeter, legte dann zum 2:0 nach. Zum Glück, denn die Gäste erzielten zwischenzeitlich vier Tore am Stück! Die Partie endete schließlich 4:4 - auch dank Chicharito keine Niederlage.

Schon zum Auftakt in der Königklasse gegen Bate Borisov hatte Chicharito seinen ersten großen Auftritt und erzielte das vorentscheidende 3:1 nach Vorarbeit von Kevin Kampl. Während der gesamten Partie setzte das Duo den Gegner immer wieder unter Druck.

Im Team wurde Chicharito sofort gut aufgenommen. "Chicharito macht einen sehr lebendigen Eindruck. Man hat gesehen, dass er topintegriert ist und uns auch fußballerisch weiterbringt, weil er im entscheidenden Moment da sein kann”, war Keeper Bernd Leno schon kurz nach der Verpflichtung des Mexikaners begeistert.

Bescheidener Teamplayer

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Kein Wunder: Der 1,74 Meter große Angreifer ist trotz seines Erfolges auf dem Boden geblieben, gilt als höflich, gebildet und bescheiden. Auch Journalisten sind von Chicharito begeistert. Nach Spielen steht er gerne Rede und Antwort, zeigt sich in Interviews (Interview mit Chicharito) intelligent und sprachgewandt - besonders in seiner Muttersprache spanisch.

Er ist ein Teamplayer, dem der Erfolg der Mannschaft wichtiger ist als seine Torquote. Er ist begeistert "in einem unglaublich tollen Team zu spielen. Die Stimmung in der Kabine ist großartig. Jeder hilft jedem und wir arbeiten alle sehr hart." Von seinem neuen Trainer schwärmt er ebenfalls: "Roger Schmidt gibt mir sehr viel Selbstvertrauen und ich will ihm das im Spiel zurückzahlen", so Chicharito.

Für Leverkusen ist er aber noch mehr als “nur” ein Top-Spieler. Nicht nur seine sportlichen Leistungen sind wichtig für die Werkself. Der Mexikaner ist Sympathieträger mit einer riesigen globalen Fanbase. Die Einschaltquoten in Süd- und Mittelamerika seien beim Spiel gegen Augsburg von allen Bundesligaclubs am höchsten gewesen, sagte Sportchef Rudi Völler. “Das hängt hauptsächlich mit ihm zusammen, das ist ganz klar.” Die mediale Präsenz des Stars färbt auch auf den Club vom Rhein ab, der nun eines kleines bisschen mehr glänzt.

Helge Winter