München - Der FC Bayern München geht trotz des 1:1 gegen Schalke als Tabellenführer der Bundesliga in die ersten englischen Wochen des Jahres 2017. Eine tragende Rolle beim Rekordmeister nimmt Defensivspieler Javi Martínez ein. Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht der spanische Nationalspieler über die Bundesliga, die Entwicklung des FCB und ein ganz besonderes Hobby.

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bundesliga.de: Herr Martínez, Sie als ausländischer Spieler können uns vielleicht noch mehr als andere Spieler sagen, wie die Bundesliga international ankommt?

Javi Martínez: Das sehe ich sehr positiv. Nicht nur mein Verein, der FC Bayern, genießt einen sehr sehr hohen Stellenwert weltweit. Das ist auch bei der Bundesliga so. Die entwickelt sich sehr schnell und wird immer besser. Vielleicht ist die Bundesliga sogar die weltweit beste Liga, wenn es um Zuschauer und Fans geht. Ich kenne kaum ein anderes Land, in dem der Zuspruch der Fans so groß ist und die Stadien so voll.

bundesliga.de: Wo sehen Sie noch weiteres Steigerungspotenzial?

Martínez: Ich glaube, der Höhepunkt ist noch lange nicht erreicht. Ich könnte mir vorstellen, dass noch viel mehr international große Spieler in die Bundesliga kommen. Insgesamt ist es sicher ein enges Rennen der großen Ligen in Europa. Die Bundesliga aber ist sicher unter den Top-Drei zu finden.

bundesliga.de: Wer sind Ihre Top-Drei?

Martínez: Wie gesagt, ich sehe drei sehr starke. Dazu gehören sicher auch die spanische Liga und die Premier League in England. Was die Bundesliga auszeichnet ist, dass dort alle Mannschaften sehr gut organisiert sind und es schwer ist, sie zu schlagen. Jedes Spiel ist eine große Herausforderung - das macht die Sache so interessant.

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bundesliga.de: Der FC Bayern ist für viele das Aushängeschild der Liga. Wo sehen Sie Ihren Club nach dem Trainerwechsel von Pep Guardiola zu Carlo Ancelotti? Der Spielstil hat sich etwas geändert. Einige sagen, die Bayern sind nicht mehr so dominant.

Martínez: Vielleicht haben wir unseren Top-Level noch nicht erreicht, aber sicher ist, dass viel Potential in der Mannschaft steckt. In allen Spielen, die eng waren oder eine besondere Herausforderung, haben Team und Trainer bewiesen, dass wir da sind, wenn es um alles geht. Wir als Mannschaft wissen, dass wir liefern können, wenn die Spiele eng sind.

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bundesliga.de: Stichwort K.o.-Spiele: Für Sie und die Bayern steht bald das Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Arsenal an. Worauf wird es ankommen in diesen Duellen?

Martínez: Dass wir als Team gut spielen und arbeiten, wird der Schlüssel sein. In Spielen auf diesem Niveau kannst du nicht sagen, es geht darum, viele Tore zu schießen. Ums Tore schießen geht es auch, aber in erster Linie müssen wir als Mannschaft mit all ihren Teilen gut funktionieren. Da sehe ich uns auf einem guten Weg und sehr weit. Wir sind im Rennen um drei Titel und in allen Wettbewerben haben wir Chancen, zu gewinnen.

bundesliga.de: Sie gelten als konstanter und verlässlicher Spieler, der sich kaum Fehler leistet. Trotzdem entsteht der Eindruck, Sie stehen nicht ganz in der ersten Reihe, wenn es darum geht, als Star wahrgenommen zu werden. Da fallen eher die Namen von Offensivspielern wie Franck Ribéry oder Arjen Robben. Stört Sie das?

Martínez: Ich muss nicht auf Seite eins der Zeitung stehen. Ich spiele auch Fußball, weil ich es als Teamsport liebe. Ich kann Ihnen sagen, was ich brauche...

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bundesliga.de: ...jetzt sind wir gespannt...

Martínez: ...am besten jedes Wochenende einen Sieg und drei Punkte. Das ist für mich das Wichtigste. Was mich im Teamsport so reizt, ist die Herausforderung, alle Teile zu einem großen Ganzen zusammenzufügen.

Im Video: Bayern wieder ganz oben

bundesliga.de: Wir haben gehört, dass Sie ein guter Basketballspieler sind. Wären Sie nicht lieber Basketballprofi geworden?

Martínez: (lacht) Es kam der Tag, an dem ich mich entscheiden musste - Fußball oder Basketball. Ich bin froh, dass es Fußball geworden ist. Ich habe viel gespielt in meiner Jugend und einige regionale Titel mit meinem Team gewonnen. Allerdings habe ich mit 17 schon für Athletic Bilbao gespielt und Basketball ist heute ein Hobby.

bundesliga.de: Ihr Teamkollege Mats Hummels ist ebenfalls ein großer Basketballfan. Gibt es gemeinsame Spiele?

Martínez: (lacht) Da gibt es tatsächlich etwas Ähnliches. Wir denken an zwei Spiele gegen die Basketballer des FC Bayern. Mal sehen, ob wir da einen Termin finden, der passt. Wir wollen einmal Fußball und einmal Basketball gegeneinander spielen. Ich bin gespannt wie das ausgeht. Die Bayern-Basketballer sind ein super starkes Team.

bundesliga.de: Wo sehen Sie Ihre Stärken im Basketball?

Martínez: (lacht) Bei 1,90m Körpergröße bin ich sicher nicht unentwegt unter dem Korb unterwegs. Ich denke, das reicht vielleicht für einen Spielmacher.

bundesliga.de: Über den Privatmenschen Javi Martínez ist relativ wenig bekannt. Wie halten Sie es privat?

Martínez: Über mein Privatleben spreche ich nicht so gerne. Aber es gibt auch keine großen Geheimnisse. Ich bin wohl ein typischer 28-Jähriger. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Seit kurzem bin ich Vater und verbringe viel Zeit mit meinem Sohn Luca.

bundesliga.de: Einige Jahre gab es mit Ihrem Knie ein paar Verletzungssorgen. Wie ist die Lage heute?

Martínez: Es geht sehr gut und ich habe keine Sorgen mehr. Es gab eine Zeit, da konnte ich nur so um die 15 Spiele in der Saison machen. Mittlerweile – und da danke ich auch der medizinischen Abteilung und den behandelnden Ärzten – kann ich konstant viel größere Belastungen gehen. Das macht mich sehr glücklich.

bundesliga.de: Zum Schluss gestatten Sie uns noch eine "private Frage": Wer ist denn Ihr Lieblingsteam im Basketball?

Martínez: (lacht) Na, die Frage geht. Ich drücke natürlich den Bayern-Basketballern die Daumen. In der NBA waren die Chicago Bulls immer mein Favorit.

Das Gespräch führte Oliver Trust