Köln - Nach fünf Heimniederlagen in Folge in der Bundesliga will Werder Bremen endlich wieder mit seinen Fans einen Sieg im eigenen Stadion feiern. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, gastiert doch am Samstag der 1. FC Köln im Weserstadion, der vor einigen Wochen im Pokal mit 1:0 besiegt werden konnte. Vor dem wichtigen Spiel gegen die Domstädter spricht Werder-Abwehrchef Jannik Vestergaard im Interview mit bundesliga.de über Werders Probleme im eigenen Stadion und Torjäger Anthony Ujah.

bundesliga.de: Jannik Vestergaard, erst einmal nachträglich herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 100. Bundesliga-Spiel am vergangenen Sonntag. Das ist für einen 23-Jährigen bereits eine stolze Anzahl.

Jannik Vestergaard: Vielen Dank. 100 Bundesliga-Spiele sind ganz unabhängig vom Alter etwas Besonderes. Ich bin froh darüber und auch ein Stück weit stolz darauf.

bundesliga.de: Wie war der Punktgewinn beim 1:1 in Stuttgart einzuordnen?

Vestergaard: Vor der Pause hat Stuttgart dominiert, in der zweiten Halbzeit haben wir viel besser ins Spiel gefunden und dann auch verdient den Ausgleich gemacht. Das Unentschieden ging in Ordnung, auch wenn wir später noch einmal die Latte getroffen haben.

"Wir haben noch Luft nach oben"

bundesliga.de: Werder zeichnet in dieser Saison seine Auswärtsstärke aus. Dort wurden elf der bislang 14 Punkte geholt. Warum tut sich die Mannschaft bislang in den Heimspielen so schwer? Die letzten fünf Partien im Weserstadion gingen alle verloren.

Vestergaard: Wir haben schon gegen Schalke, Gladbach, Leverkusen, Dortmund und die Bayern gespielt. In diesen Spielen kann man nicht davon ausgehen, dass man gewinnt. Andererseits haben wir auch gegen Ingolstadt und Hamburg verloren. Man kann unsere Heimbilanz also nicht zu 100 Prozent auf die starken Gegner schieben. Wir müssen auch auf uns schauen und wissen, dass wir in diesen Spielen nicht immer unsere Leistung abgerufen haben.

bundesliga.de: In dieser Saison hat Werder auch noch nicht zu null gespielt. Ist das Defensivverhalten das Problem der Mannschaft? Was muss besser werden?

Vestergaard: Wir haben immerhin im Pokal gegen Köln zu null gespielt. Wir haben sicherlich als Mannschaft noch Luft nach oben. Vor dem Wolfsburg-Spiel hatten wir eine Phase, in der wir stabil standen und wenig zugelassen haben. Wir haben dann in der Nachspielzeit in Mainz oder Augsburg noch Gegentore bekommen, aber wir haben diese Spiele gewonnen. Das ist das, was zählt. Natürlich will man als Abwehrspieler auch zu null spielen. Das ist ja auch eine Frage des Stolzes und der Suche nach Perfektion. Aber mir ist ein 2:1 lieber als ein 0:0. Es geht in erster Linie um Punkte. Aber wir wollen natürlich auch mal wieder ohne Gegentor bleiben.

"Ujah gibt der Mannschaft Sicherheit"

bundesliga.de: Sie kamen zur Rückrunde der vergangenen Saison, in der Werder direkt eine starke Serie hingelegt und infolge dessen sogar noch an den Europa-League-Plätzen geschnuppert hat. In dieser Saison steht Bremen aktuell auf Platz 15. Warum läuft es nicht so gut wie in der letzten Saison?

Vestergaard: Als ich im Winter kam, hatten wir 17 Punkte. Da lief auch nicht alles rund. Diese Serie von sechs Siegen in Folge ist ja nicht der Maßstab. Wenn wir das immer könnten, würden wir nicht um Europa, sondern um die Meisterschaft spielen. Das ist nicht realistisch, das machen nur ganz wenige Vereine. Uns war bewusst, dass uns in dieser Saison harte Arbeit erwartet. Wir hätten uns sicher mehr Punkte gewünscht, aber wir können bis zur Winterpause noch sechs Punkte holen.

bundesliga.de: Am Samstag gastiert der 1. FC Köln im Weserstadion, ein Gegner, mit dem Sie vor einigen Wochen im Pokal beim 1:0-Heimsieg gute Erfahrungen gemacht haben. Wie schwer wird es diesmal?

Vestergaard: Es ist immer eine Herausforderung, in kurzer Zeit gegen die gleiche Mannschaft zu spielen. Man stellt sich dann besser auf den Gegner ein. Es dürfte ein enges Spiel geben. Wir werden gut vorbereitet sein und mit viel Energie und Aggressivität in das Spiel gehen. Wir wollen unser Publikum endlich wieder mit einem Sieg nach Hause schicken. Dafür werden wir alles tun. Ein Sieg ist nicht nur für die Tabellensituation wichtig, sondern auch für die Fans. Wir sind geil auf den Sieg.

bundesliga.de: Sie haben auch mit Anthony Ujah einen Torjäger in Ihren Reihen, der gegen seinen Ex-Verein besonders motiviert ist. Wie wichtig ist er für die Mannschaft.

Vestergaard: Ich hoffe, dass er wieder gegen Köln trifft. Tony ist sehr wichtig für uns und war bisher sehr effektiv und gefährlich. Das gibt der Mannschaft Sicherheit. Wir sind froh, ihn zu haben.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski