Zusammenfassung

  • Der Kolumbianer wollte schon immer Fußballprofi werden und erfüllte sich seinen Traum.

  • Für Rodriguez stirbt die klassische Zehner-Position so langsam aus.

  • In seiner neuen Wahlheimat München fühlt er sich pudelwohl.

Köln - Bayern Münchens Superstar James Rodriguez erlitt am Samstagabend bei der 2:1-Niederlage in Mönchengladbach eine Gehirnerschütterung und wurde zur Halbzeit ausgewechselt, für ihn kam der junge Marco Friedl ins Spiel. Nach seinem Zusammenprall mit Gladbachs Tony Jantschke ist der Kolumbianer wieder fit und sprach mit bundesliga.de über die Niederlage in Gladbach, sein neues Leben in München und was aus der guten alten 10er-Position geworden ist.

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bundesliga.de: James Rodriguez, wie fühlen Sie sich? Jupp Heynckes hat gesagt, dass Sie sich nicht mehr an das Halbzeitergebnis erinnern konnten. Was ist in der Kabine passiert?

James Rodriguez: Zum Glück war ich nicht ernsthaft verletzt. Ich fühle mich wieder sehr gut. Es stimmt, dass ich in die Kabine gegangen bin in der Halbzeit und gefragt habe, wie es steht. Sie haben mir dann gesagt, dass wir 0:2 zurückliegen. Ich fragte: "Echt, wie ist das denn passiert?" Sie haben es mir dann noch einmal bestätigt, dass wir zurückliegen, nachdem ich fragte, ob sie einen Spaß machen. Ich hatte nur noch mitbekommen, dass Sven Ulreich fast den Elfmeter von Hazard gehalten hätte. Nach und nach ging es mir dann besser. Die Ärzte haben mich dann behandelt. Jetzt ist alles wieder gut.

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bundesliga.de: Lassen Sie uns über Bayern München sprechen. Was hat Sie seit ihrer Ankunft am meisten beeindruckt?

James: Bayern ist ein großer Club. Sie sind es gewöhnt, immer um Titel zu spielen, genauso wie es bei meinem alten Verein Real Madrid der Fall ist. Ich habe es mir in München genauso vorgestellt, deshalb bin ich nicht überrascht in dieser Hinsicht. Jeder hier im Verein arbeitet so professionell, wie man es sich bei einem internationalen Topclub vorstellt. Mehr gibt es nicht zu sagen. Auf einer Skala erreicht Bayern zehn von zehn Punkten.

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bundesliga.de: Heute sind Sie ein internationaler Topstar, aber wann haben Sie sich entschieden ein Profi-Fußballer zu werden? Hat Ihre Familie Sie darin bestärkt? Haben Sie es genau geplant, oder ist es einfach geschehen?

James: Na ja, mein Vater war auch Fußballspieler. Ich hatte den Fußball sozusagen in meiner DNA. Mit vier Jahren habe ich angefangen zu spielen. Ich hatte von acht Uhr morgens bis 19 Uhr abends immer den Ball am Fuß. Mein Leben war Fußball und ich wollte Profi werden so lange ich denken kann. Ich habe immer davon geträumt ein Star zu werden und dass die Welt weiß, wer ich bin. Ich bin so dankbar dafür, dass ich für so große Clubs gespielt habe und meine Ziele erreicht habe.

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bundesliga.de: Sie haben eigentlich immer auf der klassischen Zehn gespielt. Als Kind träumt man immer auf dieser Position spielen zu dürfen. Glauben Sie, dass die Position des Spielmachers heutzutage noch gefragt ist bzw. vor dem Aussterben steht? Nicht mehr viele Teams bevorzugen einen Mittelfeldspieler, der in der Offensive die Fäden zieht.

James: Ja, da haben Sie vielleicht recht! Es gibt nicht mehr viele richtige Spielmacher auf der Welt. Als ich nach Porto ging (James unterschrieb beim 27-fachen portugiesischen Champion in 2010), haben sie mir erzählt: "Wir wissen, dass Du eine klassische Nummer 10 bist, aber bei uns spielst du im Sturm." Seitdem habe ich zumeist als "falsche Neun" gespielt. Vor acht oder zehn Jahren war es aber noch anders als jetzt, weil es damals die Position des offensiven Mittelfeldspielers noch gab. Heute spielen die Spieler, die die 10 auf dem Rücken tragen, zumeist als Sturmspitze oder als zentraler Mittelfeldspieler. Fußball ist heutzutage sehr taktisch und physisch, es ist kein Platz mehr für die Nummer 10.

"Es ist eine fantastische Stadt. Ich habe mich in München verliebt."

bundesliga.com: Als ihr neuer Trainer Heynckes sein Amt antrat, sagte er, dass er mit Ihnen sprechen wolle, weil er verstehen kann, wie schwierig es ist, wenn man nicht die Sprache spricht. Wie steht es um ihr Deutsch?

James: Ich lerne (lacht)! Ich glaube, ich habe mittlerweile 10 oder 15 Unterrichtsstunden hinter mir. Ich lerne jeden Tag neue Dinge. Aber Deutsch ist eine sehr schwere Sprache. Ich sage mir aber immer, wenn man gut Fußball spielen kann, spielt es keine Rolle, ob deine Teamkameraden chinesisch oder französisch sprechen. Wenn Du gut spielst, ist alles einfach.

bundesliga.de: Als Claudio Pizarro nach Deutschland kam, sagte er, er spricht die Sprache des Fußballs...

James: Genau. Die Sprache des Fußball ist auf der ganzen Welt dieselbe.

bundesliga.de: Was machen Sie an einem trainingsfreien Tag. Erkunden Sie München, wie ein ganz normaler Tourist?

James: Ja, wieso nicht? In München ist das kein Problem. Die Menschen respektieren das Privatleben und sind nicht so fanatisch, wie in anderen Ländern. Wenn ich raus gehe und die Leute mich erkennen, lassen sie mir meine Freiheit und bleiben auf Distanz. Ich kann ganz normal einen Kaffee trinken und relaxen... Es ist eine fantastische Stadt. Ich habe mich in München verliebt.

Im Duell mit Gladbachs Tony Jantschke (l.) zog sich Rodriguez die Gehirnerschütterung zu © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

bundesliga.de: Es ist einfach so möglich, zum Beispiel mit einem Arturo Vidal essen zu gehen?

James: Vielleicht wird man nach dem einen oder anderen Foto gefragt, aber das war es dann auch. Die Leute sind sehr respektvoll. Wenn ich zu einem Foto "Ja"“ sage, dann müsste ich in anderen Ländern bestimmt 16 oder 20 Fotos machen. Aber in München ist es viel ruhiger. Das ist sehr angenehm.

bundesliga.de: Jeder spricht darüber, dass in der Bundesliga so eine tolle Atmosphäre herrscht. Die Stadien sind immer voll und die Fans singen immer. Hat das einen Einfluss auf den Spieler auf dem Platz?

James: Der Druck ist immer da. Aber ich denke, wenn du erst auf dem Platz bist, ist es davon losgelöst. Du bist so fokussiert auf dein eigenes Spiel, dass man das Drumherum gar nicht wahrnimmt. Aber natürlich ist es eine großartige Liga, ich genieße es immer die vollen Stadien zu sehen und die Party-Atmosphäre während der Spiele.

bundesliga.de: Wie sieht Ihr Sonntag aus, wenn Ihre Mannschaft verliert, verglichen damit mit einem erfolgreichen Wochenende?

James: Da ändert sich nichts. Vor ein paar Jahren habe ich mir eine Niederlage noch wesentlich mehr zu Herzen genommen, aber mit dem Alter lernt man mit Niederlagen und schlechten persönlichen Leistungen umzugehen. Ich weiß, dass ich in wenigen Tagen wieder spiele und dann muss ich wieder Leistung bringen. Meine Familie sollte es nicht ausbaden müssen, wenn ich schlecht spiele. Wenn ich nach Hause komme, ist das Match vorbei.

bundesliga.de: Welchen Rat würden Sie dem jungen James Rodriguez geben?

James: Ich glaube, es gibt verschiedene Zeiten im Leben. Als ich 16 Jahre alt war, dachte ich, ich weiß alles. So war ich damals. Das war natürlich ein großer Irrtum. Dann wirst du erwachsen und merkst, dass du noch viel lernen musst. Ich bin jetzt 26, aber ich lerne immer noch jeden Tag neue Dinge. Mit 16 hast Du noch so viel vor dir und so viel zu lernen.

bundesliga.de: Zum Schluss wollen Sie vielleicht etwas zu Ihren kolumbianischen Landsleuten sagen, die Sie gerne wieder in Topform sehen wollen?

James: Ich habe gemerkt, dass es sehr viele Bayern-Fans gibt, die den Club und mich sehr unterstützen. Das macht mich sehr glücklich. Ich weiß, dass Sie wissen, dass ich immer mein Bestes gebe. Ich kann mich nur für diese bedingungslose Unterstützung bedanken.