Heruasragend im Eins-gegen-Eins: Dortmunds Jadon Sancho - © gettyimages / Lars Baron
Heruasragend im Eins-gegen-Eins: Dortmunds Jadon Sancho - © gettyimages / Lars Baron
Bundesliga

Borussia Dortmund weiter ungeschlagen: Jadon Sancho macht den Unterschied

Dortmund - Während der Großteil der Dortmunder nach dem hart erarbeiteten 2:0-Sieg über den SC Freiburg gleichermaßen erschöpft und erleichtert Richtung Kabine stapfte, kam Jadon Sancho mit breitem Lächeln und blankem Oberkörper vom Platz. Das Trikot des Matchwinners war offenbar begehrt, denn der 18-Jährige machte für Borussia Dortmund einmal mehr den Unterschied aus – und lässt die Fans mehr denn je vom Derbysieg in einer Woche träumen.

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Dass auch ein viel umjubelter Shootingstar mal eine kleine Formkrise durchmacht, ist ganz normal. Umso mehr, wenn dieser Youngster gerade einmal 18 Jahre alt ist wie Jadon Sancho. Der Engländer war in dieser Saison bislang einer der auffälligsten Spieler beim BVB und hatte maßgeblichen Anteil an der  grandiosen Offensivleistung der Dortmunder und Platz eins in der Bundesliga. Sechs Vorlagen stehen auf dem Konto des Tempodribblers, öfter hat in der Liga niemand ein Tor aufgelegt. Dazu hat er vier Treffer selbst erzielt, zählt zu den Top 5 der Liga mit den meisten Sprints.

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Zuletzt allerdings gönnte Lucien Favre seinem Juwel mal eine Pause, beorderte ihn in der Champions League gegen Brügge erst einmal auf die Bank. Sancho hatte in seinen Aktionen bisweilen nicht ganz so frisch und schwungvoll gewirkt, manchmal etwas fahrig. Gegen Freiburg stand Dortmunds Nummer sieben nun wieder in der Startelf und präsentierte sich – wenn auch nicht ganz fehlerfrei -  doch zumindest fast schon wieder so umtriebig wie gewohnt. Fast logisch, dass er mit seiner jugendlichen Abgezocktheit und seinem technischen Können am Ende auch wieder zum Matchwinner für die Borussia wurde.

Was beim BVB insgesamt - gegen sehr kompakt und extrem tief agierende Freiburger - an Müdigkeit nicht zu übersehen war, brach Sancho mit seinen explosiven Aktionen ein ums andere Mal auf. Nach zwei Minuten schloss er erstmals selbst ab, Mitte der ersten Halbzeit legte er für Götze perfekt auf. Sein beherztes Dribbling in den Strafraum brachte nach Foul von Dominique Heintz den Elfmeter für die Borussia, den Marco Reus sicher verwandelte.

Es passt ins Bild, dass Jadon Sancho in einem für den BVB dominanten, aber durchaus zähen Spiel seine Füße auch bei der endgültigen Entscheidung im Spiel hatte. In der Nachspielzeit bereitete er den 2:0-Endstand durch Paco Alcacer genial vor, indem er gleich zwei Freiburger aussteigen ließ und mit viel Übersicht auf den freistehenden Lukasz Piszczek querlegte. Sechster Heimsieg für den BVB gesichert, weiße Weste gewahrt, Vorsprung an der Tabellenspitze verteidigt. "Well done boys! Unbeaten run continues", durfte Sancho auf seinen sozialen Medien nicht ohne Stolz vermelden.

"Jadon spielt fast immer in Eins-gegen-Zwei-Unterzahl" Marco Reus

Der 18-Jährige überzeugt umso mehr, schaut man sich seine Situation in den letzten Spielen an. Die Gegner spielen zunehmend extrem defensiv, der BVB muss adäquate Lösungen finden. Ist das Zentrum zugestellt, muss Dortmund über die Außenbahnen Tempo aufnehmen. "Wir versuchen schnell zu spielen und schnell auf die Außenbahn und in Eins-zu-Eins-Situationen zu kommen", erläutert Kapitän Marco Reus – benennt aber eben auch das Problem, mit dem sich der Engländer vor allem gegen gegnerische Fünferketten dabei auseinandersetzen muss: "Jadon spielt fast immer in Eins-gegen-Zwei-Unterzahl."

Es spricht für den Youngster, dass er sich davon nicht entmutigen lässt und mit Tempo, Technik und weiterhin einer Portion Unbekümmertheit auch gegen Mannschaften wie Freiburg zum "Problemlöser" wird. Vielleicht ist das ja auch ein gutes Vorzeichen für die nächste Aufgabe. Am kommenden Samstag steigt in Gelsenkirchen einmal mehr die Mutter aller Derbys, wenn der BVB auf Schalke antritt. Auch die Königsblauen spielen oftmals defensiv und gerne mit einer Fünferkette. Sollte Jadon Sancho dann ähnlich entscheidend zum Matchwinner werden wie am Samstag, dürfte sein Trikot im Fanblock noch begehrter sein.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte