Hannover - Humpelnd, aber glücklich stellte sich Ja-Cheol Koo nach dem 1:0 bei Hannover 96 zunächst den Medienvertretern aus seiner Heimat Südkorea und nahm sich dann Zeit, für die deutschen Kollegen.

"Wir haben Lehrgeld bezahlt", so der 26-Jährige auf die Frage von bundesliga.de, ob der FC Augsburg nach die Mehrfachbelastung durch Englische Wochen unterschätzt habe. Eine Spielzeit nach der überraschenden Qualifikation für die Europa League kämpft der FCA gegen den Abstieg.

Dank des Treffers des Südkoreaners zum 1:0-Endstand im Abstiegs-Duell an der Leine machen die Süddeutschen einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt. Denn "natürlich wollen wir auch in der kommenden Saison Bundesliga spielen". Und so durch TV-Präsenz dazu beitragen, dass Deutschlands Eliteliga sich bei den Fans in Südkorea den Popularitätswerten der Premier League weiter annähert.

bundesliga.de: Ein wichtiges Spiel 1:0 gewonnen. Wie haben Sie die Partie gesehen?

Ja-Cheol Koo: Heute war ein Sechs-Punkte-Spiel für beide Mannschaften. Entsprechend war der Druck. Es war kein gutes Spiel von uns, aber wichtig sind allein die drei Punkte.

"Marwin hat großartig gehalten"

bundesliga.de: Was hat Ihnen nicht gefallen?

Koo: In der ersten Halbzeit waren wir meiner Meinung nach die bessere Mannschaft. Nach der Pause hat Hannover dann mehr Druck gemacht. Und in den letzten 20 Minuten wurde es noch einmal ein richtig enges Spiel. Natürlich haben wir tief gestanden, um die Führung zu verteidigen, aber wir haben zu wenig nach vorn getan, um die Defensive zu entlasten. Im Endeffekt aber haben wir nur eine Großchance zugelassen - nach einer Ecke. Da hat Marwin (Augsburg-Torhüter Hitz) großartig gehalten.

bundesliga.de: Sie mussten lange auf einen Treffer warten (zuletzt traf Koo am 13. Spieltag beim 4:0 in Stuttgart). Woran lag's?

Koo: Ich spiele mal auf der Sechs, mal auf der Acht oder links. Da ergeben sich nicht so viele Chancen. Heute habe ich am Anfang auf der Zehn gespielt. Da ist man schon näher am gegnerischen Tor. Ich habe mir vor dem Spiel gesagt, dass ich heute ein Tor schießen möchte für die Mannschaft. Schön, dass es geklappt hat.

bundesliga.de: Sie sagen es selbst, Sie sind sehr variabel einsetzbar. Auf welcher Position spielen Sie denn am liebsten?

Koo: Die Zehn ist schon meine Lieblingsposition.

"Neuland für uns"

bundesliga.de: Letztes Jahr hat sich Augsburg sportlich für Europa qualifiziert, in dieser Saison geht es gegen den Abstieg. Hat man die Belastung durch die vielen Englischen Wochen unterschätzt?

Koo: Unterschätzt vielleicht nicht, aber das war Neuland für uns. Wir hatten keine Erfahrung damit, wie es ist, Liga, DFB-Pokal und Europa League zu spielen. Das ist schon sehr anstrengend. Gerade in der Anfangszeit haben wir Lehrgeld gezahlt. Und wir haben gelernt.

bundesliga.de: Was haben Trainer und Mannschaft gelernt?

Koo: Anfangs haben wir mit der gleichen Startelf begonnen. Mittlerweile rotieren wir mehr. Ich habe zum Beispiel gegen Leverkusen und zuletzt gegen Liverpool nicht von Beginn an gespielt. Das gilt für alle Spieler.

bundesliga.de: Sie haben einen Tritt ans Schienbein bekommen, humpeln ein wenig. Wird das bis Donnerstag okay sein?

Koo (zieht den Stutzen unter und zeigt eine blutende Wunde): Der Sieg heute lindert natürlich den Schmerz. Aber so schlimm dürfte es nicht sein. Ich gehe davon aus, dass ich am Donnerstag fit bin.

"Es ist ein großes Spiel für uns"

bundesliga.de: Wenn Sie wählen dürfen zwischen Weiterkommen gegen Liverpool oder eine Nicht-Abstiegsgarantie, was wäre Ihnen lieber?

Koo (lächelt): Am liebsten beides, aber natürlich möchten wir auch in der kommenden Saison Bundesliga spielen.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Chance auf ein Weiterkommen in Liverpool ein?

Koo: Das ist schwer zu sagen. Zuhause haben wir es wirklich gut gemacht. Das werden wir auch in Liverpool versuchen. Es ist ein großes Spiel für uns, und wir werden alles geben. Ob es reicht, werden wir dann sehen.

bundesliga.de: Wird die Partie in Südkorea live übertragen?

Koo: Ja.

"Im Fußball ist vieles möglich"

bundesliga.de: Liegt es daran, dass der FCA mit Liverpool auf ein Team aus der Premier League trifft?

Koo: Die Premier League ist in Südkorea natürlich noch das Maß aller Dinge. Früher war es ein großer Unterschied, aber die Bundesliga ist sehr viel näher rangekommen. Das merken wir Spieler auch. Die Zahl der Medienvertreter bei unseren Spielen und Interview-Anfragen ist enorm gestiegen. Unsere Spiele werden live übertragen, auch wenn der Gegner nicht Liverpool heißt.

bundesliga.de: Nach Liverpool geht es im Februar noch gegen Mönchengladbach. Zwei schwere Aufgaben...

Koo: Das ist richtig, aber im Fußball ist vieles möglich. In der Bundesliga kann fast jeder jeden schlagen. Das macht die Liga ja so spannend.

Das Interview führte Jürgen Blöhs