Istanbul - Kroatien gewann Freitagnacht das erste Playoff-Spiel zur Qualifikation für die Europameisterschaft im nächsten Jahr in Polen und der Ukraine in Istanbul gegen die Türkei überraschend hoch mit 3:0. Entscheidenden Anteil am Sieg hatten zwei Bundesligaprofis: Ivica Olic vom FC Bayern München gelang schon nach zwei Minuten die Führung, die Mario Mandzukic vom VfL Wolfsburg in der 32. Minute zum 2:0 ausbaute, das 3:0 erzielte Vedran Corluka (51.).

Die Türken hatten keine einzige Torchance, auch weil die Innenverteidigung der Kroaten um Gordon Schildenfeld von Eintracht Frankfurt und Josip Simunic, ehemals Hertha BSC Berlin, 1899 Hoffenheim und jetzt bei Dinamo Zagreb, sehr gut harmonierten.

Rakitic vermisst die Bundesliga

Im Mittelfeld überzeugte Ivan Rakitic vom FC Sevilla, der einst beim FC Schalke unter Vertrag stand und nach dem Spiel in den Katakomben der Arena von Galatasaray Istanbul sagte, er vermisse die Bundesliga und hoffe irgendwann zurückkehren zu können. Für Rakitic kam in der 83. Minute in Daniel Pranjic vom FC Bayern ein weiterer Bundesligaprofi zum Einsatz. Der Einfluss der deutschen Eliteliga ist groß auf die Nationalmannschaft Kroatiens, schließlich hat auch Trainer Slaven Bilic als Profi Erfahrungen in Deutschland gesammelt.

Der ehemalige Innenverteidiger spielte von 1993 bis 1996 beim Karlsruher SC unter Trainer Winnie Schäfer. Bilic war Torschütze des finalen 7:0 beim legendären Erfolg des KSC im Uefa-Cup-Viertelfinale 1993 gegen den FC Valencia. Trainer der Spanier war damals der heutige türkische Nationaltrainer Guus Hiddink, der kurz darauf in Valencia entlassen wurde. Nun scheint Bilic mit den Kroaten den Türken mit Hiddink die Teilnahme an der EM 2012 zu verbauen. Am Dienstag aber steht noch das Rückspiel in Zagreb an. Wolfsburgs Stürmer Mario Mandzukic, 25, der in dieser Spielzeit schon sieben Treffer in der Bundesliga erzielt hat, spricht im Interview über die Aussichten der Kroaten.

Frage: Herr Mandzukic, sie treffen regelmäßig in der Bundesliga und erzielten in Istanbul einen wichtigen Treffer für ihr Land. Wie erklärten Sie sich Ihre gute Form?

Mario Mandzukic: Ich bin körperlich topfit und will Tore machen, das hilft natürlich sehr. Ich hoffe, es geht so weiter.

Frage: Zuletzt gab es in der Heimat Kritik an der kroatischen Mannschaft, nachdem das Team die Direktqualifikation nach einer Niederlage in Griechenland verspielt hatte.

Mandzukic: Das liegt hinter uns, darüber reden wir nicht mehr. Die Mannschaft hat bewiesen, dass sie einen guten Charakter hat, alle Spieler haben ein großes Herz gezeigt. Wir waren hinten gut gestanden und haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Die frühe Führung von Ivica war ein Schock, von dem die Türken sich nicht mehr erholt haben.

Frage: Apropos Ivica Olic, mit ihm verstehen sie sich auf dem Platz sehr gut, oder?

Mandzukic: Ivica war lange verletzt, für ihn freut es mich besonders, er hat ein super Spiel gemacht, er ist ein großer Spieler. Ivica hat gezeigt, was er drauf hat. Wir passen gut zusammen, weil wir beide viel laufen können.

Frage: Ist das Weiterkommen nur noch reine Formsache?

Mandzukic: Es ist erst ein Spiel gespielt. Wir wissen, dass wir ein großes Resultat erzielt haben. Aber wir bleiben auf dem Boden und werden auch das zweite Spiel konzentriert angehen.

Aus Istanbul berichtet Tobias Schächter