Trotz gewohnt hohem Einsatz ist der Knoten vor dem Tor aber noch nicht geplatzt
Trotz gewohnt hohem Einsatz ist der Knoten vor dem Tor aber noch nicht geplatzt
Bundesliga

Ivica Olic: "Die Blockade im Kopf muss raus"

Hamburg - Als Heilsbringer sollte er den Hamburger SV mit seinen Toren zum Klassenerhalt und in eine bessere Zukunft schießen. Daraus wurde bislang nichts. Winterneuzugang und Rückkehrer Ivica Olic konnte den Hamburgern im Abstiegskampf noch nicht mit wichtigen Treffern helfen. Derzeit hat er in neun Spielen noch nicht einmal getroffen. Der 35-Jährige hat den Glauben an den Klassenerhalt aber noch nicht verloren und hofft ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein VfL Wolfsburg auf einen Heimsieg (ab 18 Uhr im Liveticker).

"Ich weiß, wie die Wolfsburger denken"

Frage: Herr Olic, ihr Ex-Club ist am Samstag zu Gast in der Imtech Arena. Der VfL Wolfsburg ist derzeit sehr gut drauf. Wie will der HSV ausgerechnet gegen die Wölfe punkten?

Olic: Der VfL hat den Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale geschafft und ist noch in allen drei Wettbewerben dabei. Sie haben derzeit einfach Spaß, aber vielleicht nehmen sie das Spiel am Samstag nicht ganz so ernst. Aber sie haben den Vorteil, dass sie locker aufspielen können. Anders wie bei uns, die wir so sehr unter Druck stehen. Der VfL hat so viel Qualität, aber ich hoffe, wir können die Leistung von unseren guten Heimspielen abrufen. Kämpferisch müssen wir alles geben, die Wolfsburger sollen merken, dass wir da sind.

Frage: Wie will der HSV Wolfsburgs Superstar Kevin de Bruyne stoppen?

Olic: Ich hoffe, dass er keinen guten Tag erwischen wird. Vielleicht wird er ja auch geschont. Aber Kevin ist noch jung und will immer spielen. Er ist derzeit der beste Spieler der Bundesliga.

Frage: Sie haben zweieinhalb Jahre beim VfL Wolfsburg gespielt. Werden sie ihrem Trainer Peter Knäbel wichtige Tipps geben können?

Olic: Ich habe die ganze Vorbereitung mit dem VfL gemacht. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass der VfL die einzige Mannschaft ist, die dem FC Bayern Paroli bieten kann. Klar, werde ich mit dem Trainer über Wolfsburg sprechen, aber das werde ich nur mit ihm tun (lacht). Aber es ist kein Geheimnis, das der VfL ein gutes Team und viele gute Spieler in seinen Reihen hat.

Frage: Glauben Sie, dass der VfL Wolfsburg im nächsten Jahr die Bayern noch mehr angreifen wird? Können die Wolfsburger 2016 Meister werden?

Olic: Ich weiß, wie die Wolfsburger denken. Sie werden in der Öffentlichkeit nie sagen "Ja, wir wollen die Bayern jagen", aber sie werden auch mit ihren nächsten Transfers ihren Stellenwert als Nummer zwei untermauern wollen. Die Spielerkäufe der letzten Jahre deuten ja darauf hin, dass der VfL weiter nach oben will. Die Vision der Wolfsburger ist, dass sie regelmäßig Champions League spielen wollen. Wenn der VfL die Möglichkeit bekommen würde die Meisterschaft zu holen, wird er das auch tun.

"Die Mannschaft hat kein Selbstvertrauen mehr"

Frage: War es im Nachhinein gesehen ein Fehler von einem Tabellenzweiten zu einem Abstiegskandidaten zu wechseln?

Olic: Ich werde oft gefragt, warum ich nicht geblieben bin. Auch Dieter Hecking hatte mich gefragt, ob ich nicht erst im Sommer wechseln will. Der VfL war zu diesem Zeitpunkt ja auch noch in allen Wettbewerben dabei. Es war aber mein Wunsch zum HSV zurück zu kehren und ich habe das so entschieden. Ich werde jetzt alles dafür tun, damit die Saison zu einem guten Ende geführt wird. Trotz der schwierigen Situation bin ich glücklich hier. Allerdings habe ich im Januar nicht erwartet, dass es so schwer beim HSV werden würde.

Frage: Nach dem 0:4 in Leverkusen (Spielbericht) hagelte es verständlicherweise Kritik. Wie kommt der HSV raus aus dieser Krise?

Olic:  Es fehlt einfach der Spaß an der Sache. Die Mannschaft ist so unter Druck, dass man auf dem Spielfeld merkt, dass keiner den Ball haben möchte. Die Spieler haben Angst die Kugel zu verlieren. Das nimmt natürlich die Spielfreude. Es ist bei uns sehr selten, dass mal jemand ins Dribbling geht. In den entscheidenen Situationen geht keiner in eine Eins-gegen-Eins-Situation. Wir müssen wieder Spaß am Spiel haben, das ist das Wichtigste. Die Blockade im Kopf muss raus. Das Training unter der Woche macht mir Mut, wir müssen die Leistung nur am Samstag auch auf den Platz bringen.

Frage: Vor allem die mangelnde Einstellung im Abstiegskampf wurde dem Team vorgeworfen. Die Körpersprache des Teams ließ zu wünschen übrig. Wie geht die Mannschaft damit um?

Olic: Die Mannschaft ist sich der Situation bewusst, alle waren nach dem Spiel enttäuscht. Wenn ich in die Kabine komme und nicht merke, dass mir alles weh tut, habe ich nicht alles gegeben. Das Spiel in Leverkusen war relativ schnell entschieden. Bayer hat schnell 2:0 geführt. In der Kabine hatte ich zur Pause nicht das Gefühl, dass wir das noch drehen können. Die Körpersprache war nicht gut. So etwas will ich nicht mehr sehen.