München - Ivan Klasnic ist in Hamburg geboren, entschied sich jedoch für die kroatische Nationalmannschaft aufzulaufen. Mit den Kroaten spielte er die WM 2006 in Deutschland. Der ehemalige Bundesligaprofi vom SV Werder Bremen ist zudem der einzige Profi, der je mit einer Spenderniere an einer EM teilgenommen hat - 2008 in Österreich und der Schweiz, als Kroatien im Viertelfinale nach einem Klasnic-Tor gegen die Türkei kurz dem Abpfiff wie der Sieger aussah und dennoch ausschied.

Der 34-Jährige lebt nach seiner letzten Bundesliga-Station in Mainz nun wieder in Hamburg. Im Interview mit bundesliga.de spricht Klasnic über die Stärken der kroatischen Mannschaft, die Chancen im Eröffnungsspiel gegen Brasilien und seinen ehemaligen Mitspieler Niko Kovac, der heute mit Bruder Robert die Kroaten trainiert. 

bundesliga.de: Herr Klasnic, Kroatien trifft im Eröffnungsspiel der WM in Sao Paulo auf Gastgeber Brasilien…

Ivan Klasnic: ... ja, das ist etwas ganz Besonderes. Wir spielen gegen den großen Favoriten und die ganze Welt schaut zu. Aber wir haben auch Erfahrung, bei der WM 2006 bestritten wir auch gegen Brasilien in Berlin unser erstes Gruppenspiel. Leider haben wir verloren.

bundesliga.de: Die Gruppe - diesmal mit Brasilien, Kamerun und Mexiko - ist nicht einfach für Kroatien, oder?

Klasnic: Im Endeffekt ist jede Gruppe schwer bei einer Weltmeisterschaft. Aber wenn man weiterkommen will, spielt das keine Rolle. Wenn wir das erste Spiel nicht verlieren, dann haben wir gute Chancen weiterzukommen. Wobei für mich Brasilien der Favorit ist, die werden alles dafür geben, Weltmeister zu werden. Alle im Land erwarten das ja auch von der Mannschaft.

bundesliga.de: Im ersten Spiel wird Stürmer Mario Mandzukic vom FC Bayern München wegen einer Sperre noch fehlen. Ist das ein Nachteil für Kroatien?

Klasnic: Er ist ein super Stürmer und natürlich wird er uns fehlen. Ich sehe das aber gelassen, er ist ja dann in den beiden anderen Gruppenspielen dabei. Man wird sehen, wie ihn Nico Kovac ersetzen wird.

bundesliga.de: Mit Trainer Niko Kovac, seinem Bruder und Assistenten Robert sowie vielen Spielern haben Sie noch zusammengespielt. Gibt es Kontakt?

Klasnic: Ja, klar, mit dem einem oder anderen schreibt man sich oder telefoniert. Mit Niko habe ich vor kurzem telefoniert, nachdem ich noch nicht mit ihm gesprochen hatte, seitdem er Trainer geworden ist.

bundesliga.de: Die Kovacs sind das einzige Brüderpaar im Weltfußball, das gemeinsam eine Nationalmannschaft trainiert. Kurios, oder?

Klasnic: Ja, aber das ist kein Problem vielleicht eher ein Vorteil, die beiden haben sich immer sehr gut verstanden.

bundesliga.de: Auf was muss Niko Kovac besonders achten, damit Kroatiens Elf erfolgreich sein wird?

Klasnic: Niko war als Spieler ein Leitwolf, das muss er auch als Trainer sein. Es muss versuchen, den Laden zusammenzuhalten und schauen, dass die Spieler zum ersten Spiel hin topfit sind. Kroatien ist eine Mannschaft mit vielen Stars. Es wird bei uns wie immer das Wichtigste sein, dass wir gemeinsam als Mannschaft auftreten, dann ist sehr viel möglich.

bundesliga.de: Was ist denn drin für die Kroaten bei der WM?

Klasnic: Das ist eine Mannschaft mit sehr großen Fähigkeiten, viele Spieler haben Erfahrung bei großen Clubs in großen Ligen. Natürlich erwarten alle, dass wir weiterkommen in der Gruppe. Wenn es gelingt, dass alle zusammenhalten, dann ist das auch möglich.

bundesliga.de: Viele vermuten, das ungewohnte Klima könne ein Vorteil für südamerikanische Mannschaften sein.

Klasnic: Ich weiß nicht, ob das wirklich ein großer Vorteil ist. Viele Südamerikaner spielen ja auch in Europa. Und mit den heißen Temperaturen müssen ja alle irgendwie zurechtkommen.

bundesliga.de: Sie haben an der WM 2006 und der EM 2008 mit Kroatien teilgenommen, was war denn dabei ihr eindrucksvollstes Erlebnis?

Klasnic: Die WM in Deutschland war natürlich etwas ganz Besonderes, ich bin ja in Deutschland geboren. Und das erste Spiel in Berlin gegen Brasilien war ein Spektakel. Aber der größte Moment war sicher dieser einminütige Traum im Viertelfinale der EM 2008 in Wien gegen die Türkei - der ging dann aber schnell zu Ende. Ich schoss das 1:0 für uns in der letzten Minute der Verlängerung, dann schafften die Türken doch noch den Ausgleich und wir verloren im Elfmeterschießen. Unglaublich.

bundesliga.de: Sie spielen seit etwa einem Jahr nicht mehr als Profi, wollen Sie noch einmal professionell Fußball spielen?

Klasnic: Ich halte mich mit Laufen fit und ich hätte nichts dagegen, wenn sich etwas ergeben würde. Aber ich bin da entspannt, ganz ohne Druck. Schau’n wir mal.

Das Interview führte Tobias Schächter

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