Köln - Der FC Bayern München hat am kommenden Spieltag mit Bayer 04 Leverkusen den Tabellendritten zu Gast. Auch wenn die Bilanz ganz klar für den Rekordmeister spricht, hat Leverkusen möglicherweise einen Trumpf in der Tasche: Trainer Roger Schmidt.

Denn der Coach der Werkself trifft nicht zum ersten Mal auf den FC Bayern. In der letzten Winterpause empfing er den Rekordmeister mit seinem damaligen Club Red Bull Salzburg und schickte die Bayern mit einer 3:0-Niederlage wieder nach Hause. "Der neue Trainer hat uns letztes Jahr im Winter schon beeindruckt, als er noch bei Salzburg war", sagt Thomas Müller im Interview mit Sport1. Die Taktik von Schmidt bestand damals aus einem überfallartigen Konterspiel. Der FCB spielte damals mit einer Dreierkette und bekam besonders dann Schwierigkeiten, wenn Salzburg schnell und über die Flügel konterte - fast schon eine Beschreibung der heutigen Situation.

"Nur über Geschlossenheit"

Denn was damals noch ausprobiert wurde, ist heute schon Standard. Die Bayern spielen immer wieder mit einer (variablen) Dreierkette. Und im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach sah man zudem, dass Konter über die Flügel zu Schwierigkeiten in der Bayern-Defensive führen können. Allerdings: Drei Gegentore in einem Spiel wären angesichts der bisherigen drei in der kompletten Saison eine große Überraschung (Alle Infos zum Prestigeduell in der Infografik).

"Gegen die Bayern geht es nur über Geschlossenheit. Wir dürfen nie alleine sein auf dem Platz", erwartet Schmidt laut dem Kicker einen hohen Aufwand von seiner Mannschaft. Diese Marschroute ist gegen die Ballbesitzmaschine der Bayern unabdingbar. Kleinste Lücken im Defensivverbund pflegen die Münchner gnadenlos auszunutzen. Auch deswegen sagt Schmidt: "Wir müssen das, was wir immer machen, permanent perfekt machen."

"Das was wir immer machen" bedeutet im Fall der Leverkusener, dass blitzschnell umgeschaltet wird. Sowohl bei Ballgewinn, als auch bei einem Ballverlust. Dann drängt Schmidts Elf mit einem Sechser und auch immer wieder mit den Außenverteidigern auf den Ballführenden. Bei einem Ballgewinnn werden die Offensivspieler Karim Bellarabi, Heung-Min Son und Hakan Calhanoglu so schnell es geht eingesetzt. Im Gegensatz zu den teilweise wilden Partien zu Saisonbeginn haben aber mehr Ruhephasen und Phasen mit defensivem Schwerpunkt Einzug ins Spiel von Bayer 04 gefunden.

Müller erwartet ein enges Spiel

Die Gefahr bei dieser Spielweise besteht darin, dass sich der FC Bayern in vielen Partien pressingresistent gezeigt hat. Wenn der Gegner nicht clever genug attackiert, nutzt der FCB die durch das Pressing bzw. Gegenpressing entstehenden Räume. "Leverkusen wird auch dieses Mal mit 100 Prozent Einsatz kommen und uns früh unter Druck setzen", sagt Thomas Müller, der das Spiel des Gegners offenbar schon studiert hat. Bayern-Coach Pep Guardiola wird seine Elf gut auf diese Spielweise vorbereiten. Das Problem: Würde Leverkusen sich hinten rein stellen, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis Bayern ein Tor macht. Dann würde Bayer 04 aber auch nicht das machen, was sie immer machen.

Bei Thomas Müller klingt trotz der Favoritenrolle der Bayern Respekt vor Leverkusen mit: "Es war immer erst ein Spiel auf Messers Schneide", sagt Müller im Kicker. "Uns erwartet ein enges Spiel." Die Liga würde sich freuen, wenn Roger Schmidt und Bayer Leverkusen einen Weg finden, um den FCB zu knacken.

Sebastian Stenzel