München - Christoph Daum wurde als Trainer Meister in Deutschland, Österreich und der Türkei. Zudem führte er den 1. FC Köln 2008 zurück in die Bundesliga. Der Wahl-Kölner ist ein hervorragender Motivator und kennt sowohl Jupp Heynckes als auch Jürgen Klopp sehr gut.

Im Gespräch mit bundesliga.de spricht der 59-Jährige über das Topspiel des 32. Spieltages (Samstag, ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) und wirft einen Blick auf das Champions League-Finale am 25. Mai.

bundesliga.de: Wie ist der internationale Stellenwert des Bundesliga-Topspiels Borussia Dortmund gegen Bayern München am kommenden Wochenende, nachdem die beiden Mannschaften wenige Tage zuvor den Champions League-Finaleinzug gefeiert haben?

Christoph Daum: Die Vermarktung der Bundesliga im Ausland hat sich generell in den letzten Jahren ständig verbessert. Die DFL hat das durch ein hervorragendes Vermarktungskonzept eingeleitet. Durch die Erfolge der beiden Bundesligisten Borussia Dortmund und Bayern München in der diesjährigen Champions League Saison wird es sicherlich noch einmal einen Anstieg geben. Die Aufmerksamkeit an der Bundesliga im Ausland wird im größer. Insbesondere die Spitzenspiele haben einen unheimlich hohen Stellenwert. Ich weiß beispielsweise, dass aufgrund der vielen ehemaligen südamerikanischen Spieler bei Bayer Leverkusen das Interesse an diesem Verein in Südamerika sehr groß ist.

bundesliga.de: Gehen Sie davon aus, dass beide Mannschaften am Wochenende mit der besten Elf beginnen werden oder wird im Spitzenspiel kräftig durchrotiert? Welchen Stellenwert hat das Spiel am Wochenende auch im Hinblick auf das Endspiel in drei Wochen?

Daum: Es gibt in der Bundesliga keine Freundschaftsspiele, auch wenn die Meisterschaft der Bayern gesichert ist und Dortmund Rang 2 nicht mehr zu nehmen sein wird. Beide Teams haben Verpflichtungen gegenüber den Fans und Sponsoren. Selbstverständlich hat das Spiel in drei Wochen ein weitaus höhere Bedeutung, dennoch werden beide Mannschaften mit der nötigen Leidenschaft und dem angebrachten Ernst in das Spiel gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bayern München freiwillig einen Punkt abgibt oder mit Gastgeschenken nach Dortmund reist. Auf der anderen Seite möchte der BVB sicherlich zeigen, dass die Bayern besiegbar sind und wird dementsprechend auftreten. Und wie ist es so schön im Fußball: Irgendwann reißt eine Serie immer! Das könnte den Bayern am Samstag in Dortmund passieren.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass es noch möglich ist, den jeweiligen Gegner mit taktischen Zügen zu überraschen oder kennen sich beide Teams dafür zu gut?

Daum: Borussia Dortmund und der FC Bayern tragen jeweils eine ganz klare Handschrift von Jürgen Klopp und Jupp Heynckes. Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, dort irgendwelche Positionen zu verändern oder den Spielern ein anderes Spiel aufzuzwingen. Es gibt nach den bisherigen Erfolgen und dem Auftreten in dieser Saison überhaupt keine Veranlassung jetzt irgendetwas zu verändern. Natürlich gibt es im Falle der Rotation ein andere Interpretation der jeweiligen Position. Es ist beispielsweise etwas anderes, ob Mario Mandzukic oder Mario Gomez in der Sturmspitze der Bayern spielt. Im Großen und Ganzen werden Überraschungen aber nicht zu erwarten sein.

bundesliga.de: Wie würden Sie als bekannter Motivator beide Teams auf die Partie einschwören?

Daum: Eines vorweg: Niemand braucht einen Ratschlag. Jürgen Klopp und Jupp Heynckes sind erfahren genug, um die richtigen Worte vor einem solchen Spiel zu finden. Dennoch wird es wichtig sein, absolut fokussiert in die Partie zu gehen und alle Kräfte zu bündeln. Ich würde jeden einzelnen Spieler auf die Aufgabe in diesem Spiel fokussieren.

Das Interview führte Markus Wittbusch