München - Der blonde Schopf ist steil nach oben gebürstet, das Grinsen zieht sich über beide Backen: Wie ein alter Hase tritt Mitchell Weiser im Medien-Center des FC Bayern vor die Journalisten. Ob er aufgeregt sei? Nein, nein, er habe ja schon beim 1. FC Köln Interviews gegeben. "Aber so viele Mikros waren es noch nie", gesteht er.

Beim FC Bayern ist alles eine Nummer größer - in vielerlei Hinsicht. Das hat der 18-Jährige sofort festgestellt nach seinem Wechsel aus der Jugendabteilung des 1. FC Köln nach München. "Ich dachte ich träume, als ich das Trainingsgelände gesehen habe", erzählt er. Seit einigen Tagen ist er in München, das Hotelzimmer tauscht er bald gegen die erste eigene Wohnung ein, die er mit seiner Freundin bezieht. Für Weiser ist der Wechsel ein großes Abenteuer. Aber lohnt er sich auch für den Verein?

"Bin überzeugt, dass ich es schaffen kann - irgendwann"



Eine Verstärkung ist der Jungspund noch nicht für die Bayern, da machen sich weder Club noch Spieler etwas vor. Für die Münchner ist der Weiser-Transfer vielmehr eine Investition in die Zukunft. Unter Jupp Heynckes soll er sich weiterentwickeln, gelegentlich Bundesligaluft schnuppern. Und irgendwann einmal den Sprung in die Stamm-Elf schaffen.

Er wolle so oft wie möglich im Kader stehen, sagt Weiser, der auf der rechten Außenbahn zuhause ist: "Ich bin überzeugt, dass ich es schaffen kann - irgendwann." Ob in einem, zwei oder drei Jahren, das sei ihm egal. Auch den Umweg über die Regionalliga-Mannschaft scheue er nicht.

In wenigen Tagen wird er mit den ganz großen Stars des FC Bayern auf dem Trainingsplatz stehen, dann kommen die Nationalspieler aus dem Urlaub zurück. Darunter auch Franck Ribery. "Ihn habe ich früher verehrt", sagt Weiser: "Aber das war früher." Nun sind sie Kollegen. Überzogene Ansprüche stellt Weiser trotzdem nicht, gegenüber der Presse ist er vorsichtig. "Ich werde sicher nicht sagen, dass ich irgendwann Arjen Robben beerben will", sagt er schmunzelnd. Sehr wahrscheinlich sind Einsätze angesichts der prominenten Konkurrenz nicht. Ganz ausgeschlossen aber auch nicht.

Alaba hat es vorgemacht



Wie schnell junge Talente eine große Rolle spielen können, hat das Beispiel David Alaba gezeigt. Er kam als 16-Jähriger von Austria Wien zum FC Bayern und feierte mit 17 Jahren unter Louis van Gaal als jüngster eingesetzter Spieler der Clubgeschichte sein Debüt - in allen drei Wettbewerben.

Nach einem Jahr Ausleihe zu 1899 Hoffenheim in der Saison 2010/11 schaffte er in der abgelaufenen Rückrunde den Durchbruch. Mit seinen abgeklärten Auftritten auf der linken Defensivseite beeindruckte der gebürtige Wiener Fans und Experten. Und das, obwohl er eigentlich lieber im zentralen Mittelfeld spielt.

Alaba ist ein Spieler nach dem Geschmack von Matthias Sammer, dem neuen Sport-Vorstand des FCB. Er schwärmte bereits im Frühjahr in höchsten Tönen vom Österreicher, nachdem Alaba im Pokalhalbfinale gegen Gladbach eiskalt einen Elfer verwandelt hatte. "Dieser Junge ist fantastisch", sagte Sammer. "Er ist sehr laufstark, sehr diszipliniert, sehr mannschaftsdienlich und hat vom Blick eine gewisse Bescheidenheit in den Augen."

Alaba: "Mitchell macht sich sehr gut im Training"



Trotz seiner fabelhaften Rückserie glaubt Alaba nicht, dass er einen Stammplatz sicher hat. Und selbst wenn, würde das der wortkarge Wiener nicht öffentlich kundtun. Sein Anspruch: "Ich will, dass es so weitergeht wie im letzten halben Jahr."

Die Entwicklung des jungen Österreichers ist ein Paradebeispiel für die vielen Talente in der Bayern-Jugend, die es nach ganz oben packen wollen. Mitchell Weiser kann sich die Tipps momentan direkt auf dem Sportplatz holen.

Alaba hat einen guten Eindruck vom Neuzugang aus Köln: "Mitchell macht sich sehr gut im Training", lobt er den neuen Kollegen: "Er ist nicht umsonst beim FC Bayern."

Von der Säbener Straße berichtet Andreas Messmer