Frankfurt - Kaum Deutsch, kein Englisch, und schon gar kein Hessisch - außerhalb des Fußballplatzes wirkt Takashi Inui aufgrund seiner sprachlichen Defizite manchmal doch irgendwie verloren.

Auf dem Feld versteht es der 24 Jahre alte Japaner in Diensten von Bundesligist Eintracht Frankfurt aber dafür umso besser, eine gegnerische Abwehr auszuhebeln. Mit zwei Toren und zwei Vorlagen hat der 1,69 m kleine Wirbelwind großen Anteil am Frankfurter Rekordstart. Am Freitag setzte er beim einen weiteren Glanzpunkt - und gewann prompt die Wahl zum "Spieler des 4. Spieltags". Inui setzte sich knapp mit 26 Prozent vor Bayern-Star Toni Kroos (25 Prozent) und HSV-Keeper Rene Adler (21 Prozent) durch.

"Noch bei keinem gesehen"



Vier Siege in den ersten vier Spielen sind zuvor weder den Hessen noch einem anderen Aufsteiger gelungen. Und wenn am Dienstag der deutsche Meister Borussia Dortmund nach Frankfurt kommt dann dürften sich die Borussen nicht nur nach der Punktausbeute der Hessen, sondern auch nach den Gala-Auftritten eines kleinen Japaners sehnen - schließlich erinnert Inui doch sehr an den Ex-Borussen Shinji Kagawa, mit dem er beim J-League-Klub Cerezo Osaka gemeinsam auf dem Platz stand.

"Ich hatte schon einige Weltklassespieler. Aber was Inui bei der Ballannahme und der Weiterverarbeitung kann, habe ich noch bei keinem gesehen. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen", schwärmte Frankfurts Trainer Armin Veh zuletzt über den Neuzugang, der im Sommer für 1,2 Millionen Euro vom Zweitligisten VfL Bochum an den Main gewechselt war. Seit dem dribbelt sich der offensive Mittelfeldspieler, der auch mit Hiroshi Kiyotake vom 1. FC Nürnberg bei Osaka spielte, immer mehr ins Herz der Frankfurter Fans.

Lob von Ex-Trainer Culpi



"Er tut uns ganz offensichtlich gut. Als er in der vergangenen Saison in der 2. Liga gegen uns gespielt hat, hat er immer überzeugt. Armin Veh wollte ihn unbedingt haben", sagte der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, der dennoch keine voreiligen Lobeshymnen anstimmen will: "Wir sollten ihn jetzt nicht überfrachten."

In der Heimat werden die Auftritte Inuis und seiner acht japanischen Kollegen (so viele wie noch nie zuvor in der Bundesliga) genau verfolgt. "Es freut mich wirklich, und ich hoffe, dass sie weiterhin ihre Leistung abrufen werden. Junge Talente sind ja auch so etwas wie unsere Visitenkarte", sagte Osakas brasilianischer Trainer Levir Culpi über Inui und Kiyotake, die er beide geformt hat.

Dass derzeit so viele Japaner in der Bundesliga überzeugen, kommt für Bruchhagen nicht überraschend. "Japaner sind für jeden Trainer eine Wohltat, weil sie total loyal sind und ein ausgeprägtes Hierarchiedenken haben", sagte der Vorstandsboss der Welt am Sonntag: "Es ist schlichtweg nicht vorstellbar, dass ein Japaner sich hängen lässt, schlecht trainiert oder ein kritisches Interview gibt. Die verbeugen sich sogar vor dem Trainer."