Braunschweig - So langsam kommt Eintracht Braunschweig ins Rollen. Mit zehn Punkten aus den letzten vier Punktspielen und dem Einzug ins Pokalachtelfinale hat der Bundesliga-Absteiger die Aufholjagd gestartet. Nur noch drei Punkte trennen die Niedersachsen vom Aufstiegsrelegationsplatz (zur Tabelle).

Im Interview mit bundesliga.de spricht Eintracht-Mittelfeldspieler Mirko Boland über die Startschwierigkeiten, seine besondere Beziehung zu den Löwen und die Saisonziele.

bundesliga.de: Mirko Boland, nach drei Siegen in Folge steht nun die Länderspielpause an. Kommt sie für die Eintracht zum falschen Zeitpunkt?

Mirko Boland: Das kann ich erst nach dem Frankfurt-Spiel beantworten. Wir nehmen es so an, wie es kommt. Ob es jetzt ein Vor- oder Nachteil ist, will ich gar nicht beurteilen. Wir haben die letzten vier Spiele erfolgreich bestritten. Das war das Wichtigste. Dank der Länderspielpause können wir jetzt alle mal ein bisschen durchschnaufen, nachdem wir auch davor eine englische Woche hatten. Es wird uns nicht aus der Bahn werfen.

bundesliga.de: Die Eintracht hat durch die letzten erfolgreichen Wochen mit zehn Punkten aus vier Spielen wieder den Anschluss nach oben hergestellt und nur noch drei Punkte Rückstand auf Platz 3. Ist die Mannschaft wieder zurück in der Erfolgsspur?

Boland: Ja. Man darf trotzdem nicht vergessen, dass die Liga sehr eng ist und es mit einer kleinen Serie sowohl nach oben als auch nach unten gehen kann. Das macht die 2. Bundesliga so interessant. Wir haben im Sommer gesagt, dass wir eine stabile Saison spielen wollen. Durch die Punkteausbeute in den vergangenen vier Partien konnten wir den Abstand nach unten vergrößern und uns stabilisieren. Jetzt müssen wir auch spielerisch noch etwas drauflegen.

"Man hat uns in Ruhe arbeiten lassen"

bundesliga.de: Wie groß waren die Zweifel nach dem holprigen Start, dass die Mannschaft so schnell die Kurve kriegen würde?

Boland: Wir hatten keine Selbstzweifel. In den ersten beiden Spielen haben wir vier Punkte geholt, im Auftaktspiel in Düsseldorf gerade in der zweiten Halbzeit ein richtig gutes Spiel gemacht (das 2:2 endete, die Red.) und dann gegen Heidenheim zuhause 3:0 gewonnen. Da wussten wir, welche Möglichkeiten wir als Team haben. Es war dann sehr ärgerlich, dass es danach nicht so gut gelaufen ist. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Wir wussten aber, dass wir genügend Qualität haben und die Ruhe bewahren müssen. Ich muss da den Fans und dem ganzen Verein ein Kompliment machen, dass keine Unruhe aufkam. Man hat uns in Ruhe arbeiten lassen, so dass wir uns in den letzten Spielen rausboxen konnten.

bundesliga.de: Wo lagen zum Saisonstart die Probleme? Es ging nicht nur der Eintracht so, es geht bis heute auch dem Mitabsteiger Nürnberg so. Ist die Umstellung auf die 2. Bundesliga schwerer als erwartet?

Boland: Das würde ich nicht sagen. Wir hatten auch einen kleinen Umbruch im Kader, mussten neue Spieler integrieren. Wir haben auch keine komplett fertigen Spieler geholt, sondern viele mit einem enormen Entwicklungspotenzial. Es braucht dann eine gewisse Zeit. Das sieht man beispielsweise an unserem Neuzugang Seung-Woo Ryu, der jetzt in den letzten beiden Spielen sehr gute Partien gezeigt hat. 

"Man muss sich in die Saison reinkämpfen"

bundesliga.de: Das Auftaktprogramm der Eintracht war mit den Spielen gegen die drei Aufsteiger sowie Düsseldorf und Ingolstadt wie wir jetzt wissen alles andere als einfach.

Boland: In der 2. Bundesliga schlägt man keine Mannschaft im Vorbeigehen. Man muss sich alles hart erarbeiten. Im Vergleich zur Bundesliga ist es so, dass in der 2. Bundesliga Fußball erst einmal gearbeitet werden muss. Man muss sich damit als Mannschaft zurechtfinden und in die Saison reinkämpfen.

bundesliga.de: Sie spielen Ihre sechste Saison in Braunschweig. Das ist für einen Profi heutzutage schon eine lange Zeit. Was macht den Reiz aus, für die Eintracht zu spielen?

Boland: Man muss wirklich für den Verein spielen und ihn erleben. Wenn man sich mit ihm identifiziert, weiß man schon, dass er etwas Besonderes ist. Ich fühle mich hier sehr wohl. Es geht in dem Verein sehr familiär zu. Über die Jahre wurde hier mit Kontinuität gearbeitet. Die Fans sind unglaublich. Es ist überwältigend, hier aufzuspielen. Ich habe hier jetzt auch viel erlebt mit den Aufstiegen und dem Abstieg in der letzten Saison. Das schweißt zusammen.

"Wir wollen eine stabile Saison spielen"

bundesliga.de: Sie haben gesagt, dass die Eintracht eine stabile Saison spielen wolle. Darf der Blick aber auch trotzdem nach oben gerichtet sein?

Boland: Wenn es zu mehr reichen sollte, hätte definitiv keiner etwas dagegen. Wir wollen aber wie gesagt eine stabile Saison spielen. Wie die am Ende ausgeht, wird man sehen. Wir müssen alles mit Vorsicht genießen. Wir fahren gut damit, zu versuchen, unsere Spiele zu gewinnen und unsere Serie auszubauen.

bundesliga.de: Sie haben aber durch das letzte Jahr in der Bundesliga schon Blut geleckt, noch einmal erstklassig spielen zu wollen?

Boland: Das ist Vergangenheit. Aber man möchte schon noch einmal in diesen Stadien spielen. In der Bundesliga ist alles eine Nummer größer. Es ist definitiv mein Ziel, mit der Eintracht noch einmal in der Bundesliga aufzulaufen. Wir bleiben aber jetzt mit beiden Beinen auf dem Boden und wollen etwas Neues aufbauen. Wir sind auf einem guten Weg.

"Jeder kann jeden schlagen"

bundesliga.de: In zehn Tagen steht dann das Spiel beim FSV Frankfurt auf dem Programm (Spielplan). Wie stark schätzen Sie den Gegner ein, der aktuell das heimschwächste Team stellt, allerdings auswärts schon vier Spiele gewonnen hat?

Boland: In der 2. Bundesliga kann jeder Gegner jeden schlagen. Wir müssen in Frankfurt eine hochkonzentrierte Leistung abliefern, um dort erfolgreich zu sein. Wir werden uns jetzt zwei Wochen auf die Partie vorbereiten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski