Köln - Schon im vergangenen Januar sollte Philipp Hosiner zum 1. FC Köln wechseln. Doch der Österreicher in Diensten des französischen Erstligisten Stade Rennes bekam beim routinemäßigen Medizincheck in Köln eine Schockdiagnose gestellt. Der Kölner Internist Udo Martin erkannte einen Nierentumor, der sofort operiert werden musste. Der Wechsel platzte und wurde nun nach der vollständigen Genesung des 26-Jährigen nachgeholt.

"Er hatte Glück im Unglück", sagte der Mediziner nach dem ersten Training des 1. FC Köln. "Die erste Diagnose war ein Schreck für alle. Aber die zweite Diagnose auf dem OP-Tisch war wieder ein Glück. Der Tumor war nicht gutartig, aber auf das Organ begrenzt und konnte gut operiert werden. Es war keine Nachbehandlung erforderlich."

Nun will der Stürmer im zweiten Anlauf seine Qualitäten unter Beweis stellen. Im Interview spricht Philipp Hosiner über die schwere Zeit, seine Genesung und Ziele beim FC.

"Es war eine emotionale Geschichte"

Frage: Philipp Hosiner, waren Sie im ersten Moment sauer auf den Arzt, der Ihnen diese Diagnose gestellt hat?

Philipp Hosiner: Nein, natürlich nicht. Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich ihn anfangs überreden wollte, die Operation auf den Sommer zu verschieben. Da wusste ich noch nicht von der Größe und Gefährlichkeit des Tumors. Aber nach ein paar Minuten war mir klar, dass der raus gehörte. Ich war dann gefasst, habe meine Familie angerufen und ihnen das mitgeteilt. Wir haben dann darüber gesprochen, dass wir das alles zusammen schaffen und ich schnell wieder zurückkommen werde.

Frage: Hatten Sie auch Sorgen um Ihre Profikarriere?

Hosiner: Natürlich hat man diese Sorgen. Allerdings nicht allzu lange. Ich bin von Grund auf ein positiver Mensch und habe auch in diesem Fall positiv gedacht. Ich bin davon ausgegangen, dass ich ein halbes Jahr verliere - vergleichbar mit einem Kreuzbandriss. Eine längere Verletzung passiert doch fast jedem Spieler in seiner Karriere einmal. Aber ganz hundertprozentig sicher kann man vor der Operation nicht sein, die ja keine Routineoperation war.

Frage: Gab es in dieser Zeit Kontakte zum 1. FC Köln?

Hosiner: Ja, wir waren ständig in Kontakt. Es ging rein um die Gesundheit. Ich habe ein freundschaftliches Verhältnis zum Trainerteam. Es war eine emotionale Geschichte. In den letzten Wochen hat es sich dann ergeben, dass es sportlich klappen könnte. Ich bin froh, dass es jetzt geklappt hat.

"Fange wie jeder andere Spieler bei Null an"

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Frage: Wie ist Ihr aktueller Fitnessstand?

Hosiner: Ich bin schon länger wieder bei 100 Prozent. Neun Wochen nach der Operation bin ich in Frankreich schon wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Zusätzlich habe ich noch Extraschichten mit einem Fitnesstrainer gemacht. Ich hatte jetzt zwar eine längere Sommerpause, aber nur ein paar Tage richtig pausiert und danach an der körperlichen Ausdauer weitergearbeit, damit ich für den Fall, dass ein Verein kommt, dann direkt ins Training einsteigen kann.

Frage: Macht es den Einstieg leichter, dass Sie den Trainer Peter Stöger aus gemeinsamen Wiener Zeiten kennen?

Hosiner: Das ist sicherlich kein Nachteil. Es wird aber auch kein Bonus sein. Ich werde genauso wieder bei Null anfangen wie jeder andere Spieler. Ich versuche in der Vorbereitung auf mich aufmerksam zu machen, damit ich in der Bundesliga ein Thema für die Startelf bin.

Frage: Wie war der erste kurze Trainingstag und das Treffen mit den neuen Mitspielern?

Hosiner: Es war schwer in Ordnung. Im ersten Training ging es mehr um den Spaß, weil wir danach noch den Laktattest haben. Davor sollte man keine größeren Belastungen machen. Wir haben nur ein bisschen im Kreis gespielt. In den nächsten Tagen stehen noch der Besuch beim Zahn- und Augenarzt auf dem Programm, am Sonntag geht es dann ins Trainingslager. Dann geht es richtig los.

"Hoffe, dass mein Torinstinkt auch beim FC greift"

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Frage: Wie sehr haben Sie sich schon mit Ihrem neuen Verein 1. FC Köln auseinander gesetzt? Was wissen Sie über den Club?

Hosiner: Ich habe die letzte Saison natürlich verfolgt. In Österreich schaut man gerne in die deutsche Bundesliga. Deswegen sind der Verein und die Spieler bekannt. Für mich sowieso, weil ich ja eigentlich im Januar zum FC kommen wollte und den Verein intensiv verfolgt habe. Ich kenne die Spieler aus dem Fernsehen und seit heute auch persönlich.

Frage: Peter Stöger hat gesagt, Ihre Geschichte sei "Hollywood-reif". Wie sehen Sie es?

Hosiner: Das kann man schon so sagen. Aber für mich war die ganze Geschichte schon wieder abgeschlossen, seit ich in Frankreich wieder im Mannschaftstraining war. Ich wurde wie jeder andere Spieler ganz normal behandelt. Auf mich soll keiner Rücksicht nehmen, das will ich gar nicht. Es ist alles in Ordnung.

Frage: Warum hat es sportlich in Frankreich nicht so richtig geklappt?

Hosiner: Ich war nicht so glücklich in Frankreich, schon vor der Verletzung. Der Trainer hatte plötzlich andere Vorstellungen als in den Gesprächen mit mir zuvor. Es gab mit dem schwedischen Nationalspieler Ola Toivonen eine Art Zlatan Ibrahimovic von Stade Rennes. Vor meiner Unterschrift sagte mir der Trainer, dass er Toivonen künftig auf der Zehn spielen lassen will und ich dann auf der Neun zum Zuge komme. Das hätte für mich gepasst. Aber dann haben wir ab der Vorbereitung nie so gespielt, es kam komplett anders. Er war gesetzt, für mich war es unmöglich vorbeizukommen. Deshalb habe ich eine neue Herausforderung gesucht.

Frage: Wo sehen Sie Ihre besonderen Qualitäten?

Hosiner: Ich hoffe, dass mein Torinstinkt auch beim 1. FC Köln greift und ich meine Tore machen kann. Ich bin ein mannschaftsdienlicher Stürmer, der auch defensiv arbeiten kann. Ich bin ein Teamplayer und hoffe, dass ich das bald zeigen kann.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski