Köln - In Köln gelang Hertha BSC Berlin ein etwas schmeichelhafter 2:1-Auswärtserfolg. Der Dreier war enorm wichtig für den Hauptstadtclub, steht doch am kommenden Spieltag das Heimspiel gegen den FC Bayern München auf dem Programm. Über das Spiel in Köln, die personellen Probleme der Berliner, den Hit gegen seinen Ex-Verein und die Ziele bis zur Winterpause spricht Hertha-Keeper Thomas Kraft im Interview mit bundesliga.de.

bundesliga.de: Thomas Kraft, Glückwunsch zum 2:1-Sieg in Köln. Es sah von außen so aus, als hätten Sie gar nicht einmal so viel zu tun bekommen. Wie haben Sie das Spiel gesehen?

Thomas Kraft: Das ist richtig. Wir waren in Phasen der ersten Halbzeit besser als im Rest des Spiels. Dann hatte Köln deutlich mehr vom Spiel und uns fußballerisch in unserer Hälfte festgesetzt. Aber am Ende haben wir das Spiel zwar etwas glücklich gewonnen, aber wir haben es gewonnen. Das ist das Wichtigste.

bundesliga.de: Wie hat Ihnen Ihre neuformierte Abwehrreihe mit dem etatmäßigen Mittelfeldspieler Jens Hegeler im Abwehrzentrum gefallen?

Kraft: Jens hat es sehr gut gemacht. Er hat eine gewisse Ruhe ausgestrahlt. Dass noch nicht alles tausend-prozentig perfekt funktioniert hat, ist auch klar. Aber ich bin sehr zufrieden, wie wir auch defensiv gestanden haben. Das war deutlich besser als zuletzt.

"Wir glauben an unsere Chance"

bundesliga.de: Wie wichtig war der Dreier in Köln auch vor dem strammen Programm, das nun vor Hertha liegt? Können Sie jetzt mit den 14 Punkten ein bisschen durchschnaufen (zur Tabelle)?

Kraft: Nein. Durchgeschnauft haben wir am Ende lange genug. Wir haben zu wenig Punkte, das ist Fakt. Dass jetzt gewaltige Brocken auf uns warten, ist ganz klar. Aber auch in den Spielen müssen wir versuchen, irgendwie Punkte zu sammeln. Mit 14 Zählern haben wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht unbedingt viele Punkte geholt. Darauf können wir uns auf gar keinen Fall ausruhen. Es ist sicher unwahrscheinlich, dass wir drei Punkte gegen die Bayern holen. Aber wir glauben immer an unsere Chance, dann auch in den Spielen in Mönchengladbach und zuhause gegen Dortmund. Wir gehen es optimistisch an.

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bundesliga.de: Was nehmen Sie aus der Partie in Köln positiv mit, was Sie besser gemacht haben, als in den letzten Wochen?

Kraft: Wir haben phasenweise ein anderes Gesicht gezeigt, eine andere Ausstrahlung. Man hat das ganze Spiel gemerkt, dass wir drei Punkte holen wollten. Das haben wir in den letzten Spielen nicht immer gezeigt. Wir haben nach dem Gegentor defensiv etwas gewackelt, z.B. als der Kölner Stürmer Anthony Ujah die große Chance zum 2:1 hatte. Danach haben wir das Spiel dann wieder besser in den Griff bekommen und am Ende durch ein glückliches Freistoßtor gewonnen. Somit putzen wir uns den Mund ab und schauen, dass wir die nächsten Schritte machen.

"Freue mich, auf die alten Kollegen"

bundesliga.de: Wie groß ist die Vorfreude auf das Bayern-Spiel? Ist es für Sie als Ex-Bayern-Spieler noch etwas Besonderes?

Kraft: Ja, natürlich. Als Fußballer freut man sich ganz allgemein, gegen die Bayern zu spielen. Und dann noch vor 75.000 Zuschauern. Darauf freue ich mich riesig. Auf der anderen Seite habe ich eine lange Vergangenheit beim FC Bayern München. Ich freue mich, die alten Kollegen wieder zu treffen.

bundesliga.de: Wer gehört noch zu Ihren guten Kumpels bei den Bayern?

Kraft:Thomas Müller kenne ich aus alten Zeiten, auch David Alaba, der leider nicht dabei sein wird. Dazu kommt der Stab mit den Physios. Ich kenne noch einige von früher und habe auch noch zu einigen Kontakt.

bundesliga.de: Auf der anderen Seite kann Bayern München auch jedem Gegner in der Bundesliga eine Klatsche verpassen. Worauf müssen Sie ganz besonders achten?

Kraft: Es ist schwer, sie zu stoppen. Diese Frage stellt sich ja Woche für Woche jeder Gegner. Und trotzdem kriegen sie dann zwischen zwei und sechs Gegentoren. Die Bayern sind unberechenbar, sie haben auf jede Situation eine Lösung. Deswegen ist es wichtig, defensiv unglaublich gut zu stehen und dann mit Glück ins Spiel zu kommen. Am Ende ist der Glaube an sich selbst entscheidend. Mal schauen, wie wir das hinbekommen.

"Können das Hinrunden-Ziel noch erreichen"

bundesliga.de: Wie sieht es bei Hertha personell aus? Wann kommen die ersten Spieler wieder?

Kraft: Wir werden in der nächsten Zeit sicher noch etwas improvisieren müssen. Fabian Lustenberger und Sebastian Langkamp fallen bis zum Jahresende aus. So fehlen uns zwei Innenverteidiger, die gesetzt sind. Dazu auf der rechten Seite Peter Pekarik. Wir müssen schauen, dass wir das in den Griff kriegen.

bundesliga.de: Haben Sie sich bis zum Ende der Hinrunde eine bestimmte Punktzahl vorgenommen?

Kraft: Unser definitives Ziel waren 20 Punkte nach der Hinrunde. Mit zwei Siegen aus den letzten fünf Spielen können wir das auch sicher noch erreichen.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski