Bundesliga

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler: "Natürlich sehnt man sich nach einem Titel"

bundesliga.de: Herr Völler, gerade erst hat Bayer 04 mit einer hervorragenden Rückrunde die direkte Champions-League-Qualifikation erreicht, und doch steht nun bereits die neue Saison vor der Tür. Lässt sich das Erreichte überhaupt genießen?

Völler: Die Zeit fürs Genießen nimmt man sich schon. Als wir in der Rückrunde den tollen Lauf mit sieben Siegen in Folge und so den dritten Platz schon zwei Spieltage vor Saisonende sicher hatten, hat man das durchaus genießen können. Obwohl wir in den vergangenen sechs Jahren fünfmal die Champions League erreicht haben, ist dieser Erfolg unter der gegebenen Konstellation und angesichts der Vereine, mit denen wir uns messen müssen, keine Selbstverständlichkeit. Deshalb war die Freude zu Recht sehr groß.

bundesliga.de: Sie waren privat gerade in Australien. Konnten Sie dort abschalten, oder spielt Fußball selbst 20.000 Kilometer von zuhause entfernt für Sie eine so große Rolle, dass Sie etwa die EM und die Copa America im Fernsehen verfolgt haben?

Völler: Der Fußball spielt immer eine Rolle, selbst am anderen Ende der Welt wird man von ihm verfolgt. (lacht) Zum einen war Michael Skibbe (u. a. ehemaliger Bundes- und Trainer von Bayer 04 Leverkusen; d. Red.) mit der griechischen Nationalmannschaft zur selben Zeit in Australien, so dass wir die Chance genutzt haben, uns auf einen Kaffee zu treffen. Und zum anderen habe ich selbstverständlich Spiele der EM und der Copa geschaut, beide Turniere wurden in Australien übertragen. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man die Spiele der eigenen Mannschaft verfolgt, bei denen man stets unter großer Anspannung steht, ober ob man Spiele emotional weitgehend unbeteiligt schauen und genießen kann.

VIDEO: Völler zum Bundesliga-Auftakt

bundesliga.de: Volland ist der Rekord-Transfer in der Geschichte von Bayer 04. Zeigt seine Entscheidung für Leverkusen und gegen ausländische Clubs wie Liverpool, welchen Stellenwert sich Ihr Verein mittlerweile arbeitet hat?

Völler: Was die Höhe von Transfersummen betrifft, muss man korrekterweise hinzufügen, dass in den vergangenen Jahren aufgrund verschiedener Begleitumstände eine enorme Entwicklung stattgefunden hat. Auf der einen Seite sind die Spieler, die man verpflichten möchte, teurer geworden. Auf der anderen Seite aber profitiert man heute auch mehr, wenn man selbst Spieler abgibt. Letztlich geht es in erster Linie immer darum, nur soviel auszugeben, wie man eingenommen hat. Daran halten wir uns bei Bayer 04 strikt.

bundesliga.de: Apropos Spieler abgeben: Viele Ihrer Spieler wie Jonathan Tah, Ömer Toprak, Karim Bellarabi oder Wendell sind für die Konkurrenz sehr interessant. Aber Bayer 04 kann es sich heute leisten, "nein" zu sagen...

Völler: Wir haben in den vergangenen Jahren sehr gut gewirtschaftet und viel Geld eingenommen. Trotzdem wird es immer wieder einmal vorkommen, dass wir einen wichtigen Spieler abgeben werden. Aber in der Tat haben wir heute die Kraft, auch einmal deutlich "nein" zu sagen.

bundesliga.de: Bei Christoph Kramer haben Sie "ja" gesagt und einen Spieler an Mönchengladbach abgeben, den man erst vor einem Jahr von dort zurückgeholt hatte. Was hat nicht hundertprozentig gepasst?

Völler: Niemand bei uns war unzufrieden mit Chris. Er hat fast alle Spiele absolviert und seine Aufgabe gut erledigt. Allerdings ist die Spielweise bei uns eine andere als sie es in Mönchengladbach bei Lucien Favre war. Als Borussia jetzt Granit Xhaka an Arsenal London abgegeben hat, wir aber auf dieser Position eine ganze Reihe Spieler zur Verfügung haben und Chris Interesse an einer Rückkehr nach Gladbach bekundet hat, haben wir uns in aller Ruhe zusammengesetzt, um eine gute Lösung für alle Seiten zu finden. Und ich denke, dass mit der jetzigen Lösung alle Parteien sehr zufrieden sind.