Dortmund - Am Samstag steigt der frisch gekürte Supercup-Sieger Borussia Dortmund mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen in die Saison ein. Vor dem Spiel spricht BVB-Sportdirektor Michael Zorc im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über die neuen Stürmer des Vize-Meisters und skizziert schwarz-gelbe Saisonziele sowie Spielsysteme.

bundesliga.de: Michael Zorc, können wir in dieser Saison aufgrund der Qualität und Breite vom besten Dortmunder Kader der letzten Jahre sprechen?

Michael Zorc: Diese Bewertung sollten wir tunlichst erst am Ende der Saison vornehmen, nicht schon vorher. Wir haben insgesamt ein sehr gutes Gefühl, aber jetzt gilt es erst einmal, sich die Punkte in der Liga zu erspielen.

bundesliga.de: Zwei haben sich für den Saisonstart ja schon warm geschossen: Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mkhitaryan haben sowohl im Supercup als auch im DFB-Pokal getroffen. Hat Sie speziell Aubameyang überrascht?

Zorc: Gerade am Anfang der letzten Saison war das bei ihm auch klasse. Er hat damals im ersten Saisonspiel drei Tore geschossen. Ich bin aber überzeugt, dass er insgesamt noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht hat und in dieser Spielzeit noch stabiler ist. Man merkt seinem Spiel auch an, dass er sich als Teil einer Doppelspitze sehr wohl fühlt. Und auch Henrikh Mkhitaryan hat sich nochmals weiterentwickelt. Beide präsentieren sich schon in einer sehr guten Form.

bundesliga.de: Dazu haben Sie mit Ciro Immobile den Torschützenkönig der italienischen Liga als Lewandowski-Ersatz verpflichtet.

Zorc: Bitte nicht die ganze Erwartungshaltung auf Ciro projizieren! Man kann nicht sagen, mit diesem Transfer ist jetzt Robert Lewandowski ersetzt. Wir müssen und wollen das anders auffangen, und zwar im Gesamtverbund. Gerade deshalb haben wir mit Adrian Ramos auch noch einen weiteren Stürmer verpflichtet. Und wir haben neben Aubameyang noch Dong-Won Ji, der sicher überraschen kann. Wir haben vier Stürmer, die auf verschiedenen Positionen in verschiedenen Systemen spielen können.

bundesliga.de: Bevorzugt in einem 4-4-2-System mit zwei Spitzen, so wie etwa auch im Supercup?

Zorc: Wir haben in der Vorbereitung vieles ausprobiert. 4-4-2 ist dabei eine gute Option von mehreren anderen. Wir werden nicht die ganze Saison stur mit einem System spielen, sondern je nach Personal und Gegner auch mal wechseln. Insgesamt sind wir dank unserer Offensivspieler sehr variabel.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie den Leistungsstand Ihrer Stürmer zurzeit ein? Brauchen Ji und Immobile noch etwas Zeit, um sich an den BVB-Fußball zu gewöhnen?

Zorc: Bei Ji wird man sehen, wie er sich auf diesem jetzt sehr hohen Niveau anpasst und wie er mit diesem sicher auch schwierigen Konkurrenzkampf umgeht. Das werden wir genau beobachten. Ciro musste merken, dass die Trainingsintensität und Belastung bei uns deutlich höher ist als beim AC Turin – und das jeden Tag. Da müssen wir auch Geduld haben. Aber das wussten wir vorher. Deswegen habe ich immer gesagt: Fahrt die Erwartungshaltung herunter! Im Gegensatz zu Ciro kennt Adrian Ramos die Bundesliga bereits. Er bringt sehr viel mit, frisches Spiel, ist sehr beweglich, kopfballstark, kann den Ball halten.

bundesliga.de: Der Kader ist nicht nur in der Offensive, sondern generell breiter aufgestellt als etwa in der letzten Saison.

Zorc: Du musst so breit aufgestellt sein, wenn du in allen drei Wettbewerben eine gute Rolle spielen willst. Wir haben ja keine Prioritätenliste und behandeln einen Wettbewerb stiefmütterlich. Wir wollen im DFB-Pokal wieder nach Berlin ins Endspiel. Wir wollen in der Champions League die Gruppenphase überstehen. Und wir wollen in der Meisterschaft vorne mit dabei sein. Das haben wir so ganz deutlich kommuniziert. Dazu kommt, dass einigen Spielern die WM in den Knochen steckt. Andere waren länger verletzt. Dem mussten wir Rechung tragen, als wir den Kader für diese Saison zusammengestellt haben.

bundesliga.de: Apropos Pokalfinale: Jürgen Klopp ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat gesagt, er möchte nicht nur wieder in ein Finale, sondern endlich auch mal wieder eines gewinnen.

Zorc: Nach zwei verlorenen Endspielen wäre das tatsächlich mal wieder ganz schön. Grundsätzlich ist Berlin ganz bestimmt ein lohnenswertes Ziel. Im letzten Pokalfinale hat man übrigens auch gesehen, dass der Sieger leicht hätte Borussia Dortmund heißen können, wenn wir frischer gewesen wären oder mehr personelle Möglichkeiten gehabt hätten. Dann hätten wir zum Ende mehr zusetzen können. Und dann wäre die Wahrscheinlichkeit höher gewesen, dass wir gewinnen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte

Hier geht es zum zweiten Teil des großen Exklusiv-Interviews: Michael Zorc über schwarz-gelbe Talente, teure Transfers und den Traum der Fans von Shinji Kagawa!