KölnEr ist der ausländische Trainer mit der größten Bundesliga-Erfahrung. Huub Stevens, auf Schalke geehrt als "Jahrhunderttrainer", hat in der Bundesliga schon für fünf Clubs gearbeitet und verfolgt das Geschehen intensiv.

Im dritten und letzten Teil des großen Interviews mit bundesliga.de spricht der Stevens über die Vormachtstellung des FC Bayern und die Krise von Borussia Dortmund.

bundesliga.de: Herr Stevens, Sie haben im ersten Teil dieses Interviews erklärt, dass die Bundesliga die beste Liga der Welt. Ist der FC Bayern München auch die beste Mannschaft der Welt?

Stevens: Ein uneingeschränktes Ja! Selbstverständlich kann auch der FC Bayern einmal Probleme bekommen, wenn er in einem einzigen Spiel auf Real Madrid trifft, das auch über ungeheure Qualität verfügt. Betrachtet man aber die gesamte Struktur, nicht zuletzt, dass die Münchner im Gegensatz zu Real keine Schulden haben, dann ist der FC Bayern die klare Nummer 1 der Welt.

"Es kann nicht immer nur aufwärts gehen"

bundesliga.de: Für Deutschland gilt das ohnehin, obwohl Borussia Dortmund den Münchnern sogar zwei Jahre hintereinander den Titel wegschnappen konnte. Jetzt aber scheint es so, als schlittere der BVB in eine tiefe Krise.

Stevens: Auch der FC Bayern hat schon weniger gute Jahre gehabt.

bundesliga.de: Aber einen solchen Absturz wie der BVB haben die Bayern Jahrzehnte nicht erlebt.

Stevens: Es kann viele Gründe dafür geben, dass es zurzeit nicht funktioniert bei Borussia Dortmund. Viel läuft im Unterbewusstsein der Spieler ab. Da geht es durchaus um Zehntel-Prozent. Wo in den Jahren der großen Erfolge der eine Spieler dem anderen vielleicht etwas hat durchgehen lassen, da brechen solche bisher unterschwelligen Konflikte jetzt, wo es nicht läuft, eher auf.

bundesliga.de: Was kann Jürgen Klopp jetzt tun, um diese Spieler noch zu erreichen?

Stevens: So wie ich Klopp kenne, gibt er immer alles. Aber es ist jetzt ganz schwierig, zu diesen Spielern durchzukommen. Wie gesagt, die Prozesse sind den meisten wahrscheinlich gar nicht bewusst, das alles läuft unterbewusst ab. Das ist aber keine Katastrophe. Wenn man sechs Jahre einen solchen Erfolg hatte wie Borussia Dortmund und Jürgen Klopp, ist es ganz normal, dass  auch einmal ein Punkt erreicht wird, an dem es schwierig werden kann. Auch Fußball-Mannschaften durchlaufen Zyklen, da kann es nicht immer nur aufwärts gehen. Aber die Mannschaft des BVB hat genug Potenzial, um zurückzukommen. Im Übrigen lernen Fußballer aus dieser Situation mehr als aus den sechs erfolgreichen Jahren zuvor.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Hier geht es zu Teil 1 des Interviews: Stevens über die Stärke der Bundesliga und Borussia Mönchengladbach

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews:Stevens über die Entwicklung beim FC Schalke 04