Abedi Pele stand zwischen 1996 und 1998 bei 1860 München unter Vertrag
Abedi Pele stand zwischen 1996 und 1998 bei 1860 München unter Vertrag

Pele: Deutschland kommt zum richtigen Zeitpunkt

München - Abedi Pele ist ein stolzer Vater. Am Samstag werden seine Söhne Andre und Jordan Ayew, die beide bei Olympique Marseille spielen, bei der WM in der ghanaischen Startelf gegen Deutschland stehen (ab 20:45 Uhr im Live-Ticker), genau wie bereits am vergangenen Montag gegen die USA (1:2).

Der ehemalige Spieler von 1860 München, der selbst insgesamt 73 Mal das Trikot der "Black Stars" trug, spricht bei bundesliga.de über das Duell in Fortaleza, die Chancen seines Landes gegen die DFB-Elf sowie über Ghanas Superstar Kevin-Prince Boateng.

bundesliga.de: Abedi Pele, sind Ihre Söhne Jordan und Andre Ayew vor der Partie gegen Deutschland gut in Form ?

Abedi Pele: Die Niederlage gegen die USA, die sehr ärgerlich war, weil wir das entscheidende Tor kurz vor Schluss kassiert haben, hat die Stimmung getrübt. Auch Andre und Jordan waren lange traurig, aber nun haben sie gegen die Deutschen die Gelegenheit, alles wieder gut zu machen. Was ihre Form betrifft, sind sie auf einem sehr guten Weg. Andre hat gerade den Treffer zum 1:1 erzielt und Jordan sind  in der Vorbereitung sogar drei Tore in einem Spiel gelungen.

bundesliga.de: Sind Sie stolz auf ihre Entwicklung?

Pele: Absolut. Beide spielen bei Marseille, wo ich früher auch war (1987-1989 und 1990-1993; Anm. d. Red.). Sie machen ihren Weg. Ich bin gespannt, wie weit sie es schaffen werden, aber was sie bisher geleistet haben, lässt auf einiges hoffen. Und vielleicht kommt diese Partie gegen Deutschland zum richtigen Zeitpunkt, denn meine Söhne sind momentan in bestechender Form.

bundesliga.de: Hat Ghana gegen Deutschland wirklich eine Chance auf eine Sensation, nachdem die DFB-Elf gegen Portugal (4:0) die Massen begeistern konnte?

Pele: Es ist alles möglich, auch wenn Deutschland bereits vor dem Auftakt zu den heißesten Anwärtern gehörte und nun mit der Weltklasse-Leistung gegen Portugal gezeigt hat, dass mit diesem Team definitiv zu rechnen ist. Unsere Elf muss aber unbedingt eine Trotzreaktion zeigen, sonst wird sie sich bereits nach zwei Spielen wieder verabschieden müssen und das wollen wir mit aller Macht verhindern, denn unser Ziel lautet Achtelfinale.

bundesliga.de: Um die Sensation zu schaffen, braucht Ghana einen starken Kevin-Prince Boateng. Wie wichtig ist der Schalker für Ghana?

Pele: Durch seine Erfahrung, aber vor allem seine Präsenz auf dem Platz gibt er seinen Mitspielern mehr Selbstvertrauen. Auf dem Platz ist er der Chef und wenn er seine Stärken zeigen kann, dann wird er Deutschland Probleme bereiten, davon bin ich überzeugt. Dadurch, dass er den deutschen Fußball bestens kennt, wird er vielleicht die Lösung haben, die Abwehr zu knacken.

bundesliga.de: Bei der WM 2010 in Südafrika gewann Deutschland in der Gruppenphase gegen Ghana nur knapp mit 1:0. Welche Rolle spielt dieses Duell vor diesem erneuten Aufeinandertreffen?

Pele: Meiner Meinung nach wird die Partie von 2010 keine große Bedeutung haben, auch wenn viele Spieler heute noch dabei sind. Ich gehe davon aus, dass es erneut ein ausgeglichenes Spiel wird. Klar ist Deutschland Favorit, aber wir haben ein großes Potenzial und können überraschen. Wir werden unserem Gegner alles abverlangen.

bundesliga.de: Welche Teams werden bis zum Schluss dabei sein?

Pele: Wie gesagt: Deutschland wird sehr weit kommen, dazu sehe ich die Brasilianer, die sich noch steigern werden und weil Neymar der große Star dieser Weltmeisterschaft werden kann, sowie Argentinien, denn ich glaube, dass Lionel Messi immer besser wird und bald wieder sein bestes Niveau erreichen wird. Schließlich können Italien, Frankreich und die Niederlande ebenfalls ganz vorne um den Titel mitspielen. Ich habe das Gefühl, dass bei dieser WM vieles möglich ist und dass es noch ein paar Überraschungen geben wird.

Das Gespräch führte Alexis Menuge