Trainer Andre Schubert ist mit Borussia Mönchengladbach auf Kurs - © gettyimages / Alex Grimm
Trainer Andre Schubert ist mit Borussia Mönchengladbach auf Kurs - © gettyimages / Alex Grimm
Bundesliga

Schubert: "Ich war total überrascht"

Mönchengladbach - Andre Schubert hat Borussia Mönchengladbach zurück in die Erfolgsspur geführt. Drei Liga-Siege in Folge lassen den miserablen Start in die Saison allmählich vergessen. Im großen Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Schubert über die Gründe für die frühe Krise, über seine Soforthilfe-Maßnahmen und über seinen neuen Kapitän Granit Xhaka.

"Das Umschaltverhalten war nicht gut"

bundesliga.de: Herr Schubert, würden Sie zustimmen, dass Fußball bisweilen ein Mysterium sein kann...

Andre Schubert: Wie meinen Sie das?

bundesliga.de: ...oder können Sie erklären, warum eine Mannschaft nach einer herausragenden Saison die neue Spielzeit statt mit breiter Brust so verängstigt angeht, dass der bisherige Erfolgstrainer sich veranlasst sieht zurückzutreten?

Schubert: Ich denke, dass das relativ leicht zu erklären ist - auch wenn ich in den ersten Wochen selbstverständlich nicht so nah dran war an der Mannschaft. Aber Fußball ist ein verhältnismäßig einfacher Sport. Nach der Auftaktniederlage in Dortmund muss man das zweite Spiel, zuhause gegen Mainz, aufgrund der vielen Chancen eigentlich gewinnen. Stattdessen aber verliert man diese Partie und setzt so allmählich eine Entwicklung in Gang, die man plötzlich nicht mehr bremsen kann.

bundesliga.de: Dass dieselbe Mannschaft nach sechs Pflichtspiel-Niederlagen und nur 72 Stunden nach dem Rücktritt von Lucien Favre plötzlich wieder begeisternden Fußball zeigt, scheint doch wie ein Fußball-Märchen...

Schubert: Wir haben umgehend die Probleme im Spiel der Mannschaft analysiert. Zuletzt war unser Spiel eher defensiv und damit auch passiver ausgerichtet. Das Umschaltverhalten war nicht gut. In dem Moment, in dem man den Ball gewonnen hat, hat man nicht den schnellstmöglichen Weg zum Tor gesucht, sondern ist stattdessen in ein Ballbesitzspiel übergegangen. In den vergangenen Jahren hat das sehr gut funktioniert, in dieser Saison aber leider nicht mehr.

bundesliga.de: Das erklärt die handfeste Krise zu Beginn aber nur unzureichend...

Schubert: Ein Grund war fraglos, dass der Mannschaft durch die Abgänge bzw. die Verletzungen von Max Kruse als hängende Spitze, von Christoph Kramer im Zentrum und von Martin Stranzl in der Abwehr eine komplette Achse weggebrochen ist. Das mag zwar nicht allein ausschlaggebend gewesen sein, taugt aber im Gesamtmix, etwa mit ausbleibenden, positiven Ergebnissen - das macht natürlich nicht gerade selbstbewusster, sondern führt zu immer größeren Zweifeln - als Erklärung.

bundesliga.de: Waren Sie von Favres Rücktritt überrascht, oder haben Sie im Laufe der ersten Wochen eine solche Entwicklung kommen sehen?

Schubert: Nein. Ich war total überrascht. An jenem Sonntag war ich zu Besuch bei meiner Mutter in Kassel und wollte eigentlich erst am Montagmorgen nach Gladbach zurückfahren. Da aufgrund der Entwicklung für den Montagmorgen aber bereits eine gemeinsame Sitzung anberaumt war, habe ich mich noch am Sonntagabend auf den Weg gemacht. Und nach der Sitzung, am Montagmittag, hat mich der Verein gefragt, ob ich einspringen möchte.

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