Paderborn - Trotz der negativen Bilanz in der englischen Woche gehört der SC Paderborn 07 bisher zu den besonders erfreulichen Erscheinungen der Bundesliga.

Im Interview mit bundesliga.de spricht Trainer André Breitenreiter über die Entwicklung seiner Elf, über seine eigenen Werdegang und über darüber, wie sich die Bundesliga im letzten Jahrzehnt noch einmal verändert hat.

bundesliga.de: Herr Breitenreiter, auch wenn die englische Woche mit zwei Niederlagen geendet hat, kann man als Außenstehender ohne Übertreibung feststellen, dass der SC Paderborn 07 sich in Rekordzeit an Bundesliga-Niveau gewöhnt hat; sehen Sie das ähnlich?

Breitenreiter: Wir haben die Euphorie des Aufstiegs mit in die neue Saison genommen und dort weitergemacht, wo wir in der 2. Bundesliga aufgehört haben. Dennoch bleiben wir krasser Außenseiter, da sich unsere Rahmenbedingungen in den vergangenen Wochen nicht geändert haben.

"Mehr Optionen in der Offensive"

bundesliga.de: Ein Traditionsclub mit Bundesliga-Erfahrung wie Eintracht Braunschweig hatte in der vergangenen Saison als Aufsteiger zunächst weit größere Probleme; haben Sie beobachtet, was dort vielleicht falsch gemacht wurde, und daraus Ihre Schlüsse gezogen?

Breitenreiter: Es war schon auffällig, dass Braunschweig und im Jahr davor auch die SpVgg Greuther Fürth als Aufsteiger zu wenig Tore erzielt haben. Deshalb haben wir bei unseren Transferaktivitäten vor allem dafür gesorgt, dass wir mehr Optionen in der Offensive haben.

bundesliga.de: Taugen Ihnen andererseits Clubs wie der FC Augsburg oder der SC Freiburg, die auch nicht mit unendlichen Möglichkeiten gesegnet sind, sich aber über Jahre dennoch in die Bundesliga gekämpft haben, als Vorbild?

Breitenreiter: Wir können uns mit keinem anderen Bundesliga-Verein auf Augenhöhe begegnen. Aber sicher ist die Entwicklung solcher Vereine wie Augsburg, Freiburg oder Mainz beeindruckend. Ob Paderborn einen ähnlichen Weg gehen kann, lässt sich aus heutiger Sicht nicht sagen.

bundesliga.de: Die 0:4-Niederlage in München läuft außer Konkurrenz, woran aber hat es gelegen, dass man gegen Borussia Mönchengladbach trotz eines mutigen Starts vor allem in der ersten Halbzeit Lehrgeld zahlen musste?

Breitenreiter: Wir haben in den gesamten 90 Minuten mutig nach vorne gespielt ist. Diese Philosophie hat meine Mannschaft verinnerlicht, damit sind wir aufgestiegen. Wenn Top-Mannschaften ihre beste Leistung abrufen, wird es immer schwer für uns, alles zu verteidigen. Aber das Spiel hätte zum Schluss auch 2:2 ausgehen können.

"Müssen unseren Weg konsequent weitergehen"

bundesliga.de: Machen Sie sich Sorgen, dass dieses Misserfolgserlebnis das Selbstvertrauen Ihres Teams beschädigt haben könnte?

Breitenreiter: Überhaupt nicht. Wir sind mit der uns eigenen Bescheidenheit in die Saison gestartet und werden weder nach Erfolgen noch nach Niederlagen unsere Philosophie über den Haufen werfen. Wenn wir in der Bundesliga den Klassenerhalt schaffen wollen, müssen wir die Ruhe bewahren und unseren Weg konsequent weitergehen.

bundesliga.de: Ein Aufsteiger, noch dazu einer, der noch nie in der Bundesliga gespielt hat, muss zumindest auf dem Papier damit rechnen, nur wenig Erfolgserlebnisse zu haben, und gilt in der Regel als potenzieller Absteiger; mit welchen Argumenten haben Sie im Sommer Spieler wie Stefan Kutschke, Moritz Stoppelkamp oder Idir Ouali überzeugt, nach Paderborn zu kommen?

Breitenreiter: Alle Neuzugänge können bei uns den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen und sich zu gestandenen Bundesliga-Spielern entwickeln. Diese Möglichkeiten bieten ihnen nicht viele andere Vereine. Wir sind stets gut damit gefahren, Spieler zu verpflichten, die sich weiterentwickeln und lernen wollen.

bundesliga.de: Sie selbst haben Ihr Team gar als "krassesten Außenseiter der Bundesliga-Geschichte" bezeichnet; das mag sogar stimmen, taugt Ihnen aber doch sicher auch als Motivationshilfe?

Breitenreiter: Es ist unser Ansporn, die Großen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu ärgern und Punkte zu sammeln. Allein der Blick auf die Namen unserer Gegner reicht aus, da braucht es keine Motivationshilfe. Die Bezeichnung als krassester Außenseiter ist eine realistische Selbsteinschätzung.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Was André Breitenreiter über Elias Kachunga und den Klassenerhalt sagt, lesen Sie im zweiten Teil des Interviews.