Madrid - Zu Beginn dieser Saison heuerte der Spanier Pepe Reina (32) als neue Nr. 2 im Tor hinter Manuel Neuer beim FC Bayern München an. Die meisten Fussballfans kennen Reina, der sich am Montagabend in einem Testspiel verletzte, als Ex-Torwart des SSC Neapel, FC Liverpool, FC Villarreal und FC Barcelona.

Was die meisten allerdings nicht kennen ist der familiäre Hintergrund seiner Torwartkarriere. Denn Pepe ist Sohn einer spanischen Torhüterlegende: Miguel Reina. Der mittlerweile 68-Jährige Ex-Nationaltorwart hütete u.a. das Tor des FC Barcelona und von Atletico Madrid. Er wurde eine der großen, tragischen Figuren der Fußballgeschichte, als er mit Atletico im Landesmeisterfinale 1974 gegen den FC Bayern München in der allerletzten Sekunde der Nachspielzeit noch das 1:1 kassierte.

Im Wiederholungsspiel wurde Atletico Madrid von Bayern München mit 4:0 vom Platz gefegt. Mit bundesliga.de sprach Miguel Reina exklusiv über den neuen Job seines Sohnes beim Deutschen Meister, seine Erwartungen an den FC Bayern München und über seine eigene Vergangenheit als einer der legendären Torhüter des spanischen Fußballs.

bundesliga.de: Herr Reina, es war nicht einfach, Sie telefonisch zu erreichen. Man sieht, dass Sie weiterhin gut beschäftigt sind.

Miguel Reina: Jetzt übertreiben Sie ein bisschen. Es stimmt aber, dass ich nicht in Rente gegangen bin. Seit einigen Jahren bin ich in der Politik tätig. Ich bin in meiner Heimatstadt Cordoba Sportdezernent. Das ist eine tolle Aufgabe, wenn man sich allgemein für den Sport einsetzen kann, auch wenn Fußball weiterhin Sportart Nummer eins ist.

bundesliga.de: Nun hat vor einiger Zeit Ihr Sohn Pepe bei Bayern München unterschrieben. Wie und wann haben Sie von dem Transfer erfahren?

Reina: Natürlich ist man da vorher eingeweiht, aber richtig erfahren habe ich es, als alles in trockenen Tüchern war. Ich war zu dem Zeitpunkt hier in meiner Heimatstadt Cordoba, da bekam ich den Anruf, dass alles unterschrieben war.

"Wünsche meinem Sohn das Beste auf Erden"

bundesliga.de: Haben Sie nicht die Hände vor das Gesicht geschlagen als Sie davon erfahren haben? Schließlich hat der FC Bayern München Sie um den größten Erfolg im Vereinsfußball gebracht, es war der Tiefpunkt ihrer glorreichen Karriere!

Reina: Ganz ehrlich, überhaupt nicht! Ich wünsche meinem Sohn nur das Beste auf Erden! Ich habe mich sehr gefreut, denn Pepe ist zu einer tollen Mannschaft, einem absoluten Topclub gewechselt. Ich glaube, dass man über das Standing von Bayern München nicht diskutieren muss. Es sprechen mich viele auf die alte Geschichte von 1974 an, aber das ist 40 Jahre her. Dass Pepe bei Bayern unterschrieben hat, ist ein großer Meilenstein in seiner Karriere. Bayern ist absolute Weltklasse und die holen mit Sicherheit nicht irgendeinen. Der Kader ist sensationell.

bundesliga.de: Waren Sie schon zu Besuch in München? Welchen Eindruck haben Sie von seiner Integration?

Reina: Nein, ich war noch nicht da. Ich wollte ihn jetzt erstmal in Ruhe lassen. Die ersten Wochen waren sicherlich etwas stressig für ihn, mittlerweile sind seine Frau und die vier Kinder dort, sie haben ein neues Haus bezogen. Er ist ein sehr familärer Mensch. Ich werde ihm aber sicherlich demnächst dort einen Besuch abstatten, München ist zudem eine Weltstadt, die sehr viel zu bieten hat.

"Er fühlt sich sehr, sehr wohl bei Bayern München"

bundesliga.de: Was hat Ihnen Ihr Sohn von seinen ersten Wochen bei Bayern erzählt? Wie geht es ihm dort?

Reina: Pepe hat nur Worte der Dankbarkeit. Er ist voller Tatendrang und sehr motiviert. Er fühlt sich sehr, sehr wohl bei Bayern München. Er will sich ja auch in allen Aspekten integrieren, er spricht ja mit Spanisch, Englisch und Italienisch drei Sprachen. Mit dem Deutsch-Kurs hat er schon begonnen, er ist sehr ambitioniert. Sprache ist auch ein Mittel der Integration, deswegen legt er viel Wert darauf.

bundesliga.de: Nun ist Pepe de facto als Nummer zwei hinter Manuel Neuer zu Bayern gewechselt. Bisher war er bei seinen früheren Clubs fast immer Stammtorwart. Wie geht Ihr Sohn mit dieser für ihn neuen Situation um?

Reina: Da müssten Sie eigentlich Pepe persönlich fragen. Ich als sein Vater kann Ihnen nur sagen, dass er sehr glücklich bei Bayern München ist. Was er machen muss, ist um seinen Platz kämpfen. Jeder weiß, dass Manuel Neuer momentan als der wohl beste Torwart der Welt gehandelt wird. Sicherlich kannte er die Situation und das nimmt er auch an Was er tun muss: Konzentriert arbeiten und kämpfen.

bundesliga.de: Wie ist denn das Verhältnis zwischen Ihrem Sohn und Manuel Neuer? Hat er Ihnen etwas davon erzählt?

Reina: Pepe spricht sensationell über ihn. Für ihn ist er ein außergewöhnlicher Mannschaftskollege, ein phänomenaler Typ. Beide verstehen sich gut.

Gemeinsame Geschichte zwischen Pepe und Pep

bundesliga.de: Welchen Einfluss hatte Pep Guardiola auf den Wechsel von Pepe zu Bayern? Er ist ja schon der fünfte Spanier im Team...

Reina: Da gibt es eine gemeinsame Geschichte. Wussten Sie, dass beide um die Jahrtausendwende gemeinsam beim FC Barcelona gespielt haben? Pepe war Torwart des B-Teams, wurde in die 1. Mannschaft hochgezogen. Im Jahr 2000 debütierte Pepe im Tor gegen Celta de Vigo, da war Guardiola noch Spieler des FC Barcelona, deswegen kennen sich beide sehr gut.

bundesliga.de: Sie sprachen zu Beginn diese Tragödie um Ihre Person vor 40 Jahren an, als Sie in allerletzter Sekunde das Tor im Landesmeister-Finale gegen Bayern München kassierten. Schwarzenbeck hielt aus gefühlten 35 Metern drauf. Sie streckten sich, aber der Ball passte genau zwischen Ihre Hand und den rechten Pfosten. Verfolgt Sie der Name Schwarzenbeck heute nocht? Würden Sie ihm gerne nochmal begegnen?

Reina: Das ist genau 40 Jahre her. Natürlich würde ich mich trotz der Geschehnisse freuen ihn wiederzusehen. Vor zehn Jahren, zum 30-jährigen Jubiläum dieses Spiels, wurde ich als einziger Spieler von Atletico vom FC Bayern nach München eingeladen. Dort hatte man zudem eine Überraschung für mich parat. Man fuhr mich zum Schreibwarenhandelsgeschäft von Schwarzenbeck. Ich ging rein, wir sahen uns nach 30 Jahren wieder in die Augen und umarmten uns. Es war ein emotionales Erlebnis.

"Die Menschen erinnern sich an Miguel Reina wegen dieses Tores"

bundesliga.de: Belastet Sie diese letzte Szene vom Landesmeisterendspiel 1974? Ist es der Tiefpunkt Ihrer sonst sehr erfolgreichen Karriere?

Reina: Die Geschichte ist nunmal so geschrieben. Man kann es auch positiv sehen. Die Menschen erinnern sich an Miguel Reina wegen dieses Tores (lacht). Wäre es nicht gefallen, wüssten die meisten nichtmal, dass er gespielt hat.

bundesliga.de: Die heutige Bayern-Mannschaft ist natürlich eine ganz andere. Wie stark schätzen Sie das Team von Pep Guardiola in dieser Saison ein?

Reina: Die Resultate der letzten Jahre sprechen für sich. Der FC Bayern ist und bleibt ein Spitzenteam, das um alle Titel kämpft. Ganz gleich, wer im Kader ist: Mit den Münchnern ist immer zu rechnen. Das wird auch in dieser Saison nicht anders sein. Das ist aber denke ich auch ihr eigener Anspruch. Ich freue mich schon, wenn ich nach München komme, um meinen Sohn und auch meine Enkelkinder zu sehen.

Das Interview führte Miguel Gutiérrez