Dortmund - Seit fünf Spielen wartet Hertha BSC in der Bundesliga auf einen Sieg, kassierte beim 0:2 in Dortmund die dritte Niederlage in Folge. Berlins Sportdirektor Michael Preetz war vom Auftritt seiner Mannschaft zwar wenig begeistert.

Im Interview mit bundesliga.de blickt er aber in Sachen Klassenerhalt dennoch optimistisch nach vorne und gibt für den Endspurt der Saison die Richtung vor.

bundesliga.de: Michael Preetz, waren die beiden sehr schnellen Gegentore jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten der Knackpunkt in diesem Spiel?

Michael Preetz: Ja, absolut, das war die Entscheidung. Wir waren beide Male nicht hellwach, was man in solchen Spielen aber unbedingt sein muss.

bundesliga.de: Wie sehr hat es Sie geärgert?

Preetz: Es hat mich wirklich sehr geärgert! In den beiden vorangegangenen Spielen gegen Bayern und Gladbach haben wir es viel, viel besser gemacht, obwohl beide sicher auch nicht unsere Kragenweite waren. Aber da waren wir bis zum Schluss im Spiel und hatten die Chance zu punkten, vielleicht sogar zu gewinnen. Dieses Mal hatte ich gegen den BVB nach den jeweils schnellen Gegentreffern eigentlich zu keiner Phase des Spiels das Gefühl, dass wir etwas mitnehmen können aus Dortmund.

"Diesen Vorsprung wollen wir ausspielen"

bundesliga.de: Haben Sie eine Erklärung für die Gegentore? Es war auch nicht das erste Mal in dieser Saison, dass gegnerische Abwehrspieler sich in Szene setzen können wie beim 0:1 durch Subotic.

Preetz: Es war lange nicht mehr so, dass wir durch einen so leichten Fehler in Rückstand geraten sind. Dass dies auch noch in der Anfangsphase passiert ist, spielt dem Gegner natürlich in die Karten - und der eigenen Mannschaft eben nicht. Wir hatten uns in der Halbzeit trotzdem vorgenommen, noch einmal zurückzukommen. Wir waren schon der Meinung, dass die Borussia verwundbar war. Aber dann bekommst du direkt das zweite Tor und dann ist es einfach nur noch schwierig.

bundesliga.de: Trotzdem hat sich Hertha in der zweiten Halbzeit nicht aufgegeben. Ist dies das Positive, was man mitnehmen muss in den Endspurt der Saison?

Preetz: Nicht nur das! Wir haben den Klassenerhalt nach wie vor selbst in der Hand. Wir haben noch zwei Spiele, in denen wir es aus eigener Kraft schaffen können - ganz anders, als so mancher Konkurrent. Diesen Vorsprung wollen wir ausspielen.

bundesliga.de: Steigt am Samstag gegen Eintracht Frankfurt so etwas wie das persönliche Endspiel für die Hertha?

Preetz: Wir rechnen uns durchaus noch in den beiden letzten Spielen gegen Frankfurt und in Hoffenheim Chancen aus, zu punkten. Aber natürlich haben wir es jetzt im Heimspiel, vor eigenem Publikum, vor unseren eigenen Fans, in der Hand.

"...und dann gegen Frankfurt die Punkte holen!"

bundesliga.de: Haben Sie eigentlich damit gerechnet, dass es jetzt zum Ende der Saison noch einmal so eng werden könnte für die Hertha? Der Trend zeigte zuletzt nach unten.

Preetz: Natürlich war uns klar, dass es gegen die drei großen Clubs Bayern, Gladbach und Dortmund schwer werden kann. Aber es sei noch einmal gesagt: In den ersten beiden dieser Spiele waren wir ebenbürtig. So zeigte der Ergebnistrend bei uns zwar nach unten, nicht aber der Leistungstrend. Jetzt in Dortmund war es nichts, aber das müssen wir abhaken. Wir müssen jetzt gegen Frankfurt und Hoffenheim punkten!

bundesliga.de: Was erwarten Sie in dieser Phase von der Mannschaft?

Preetz: Ganz einfach: Mund abputzen, gut trainieren in dieser Woche - und dann gegen Frankfurt die Punkte holen!

bundesliga.de: Sollte sich jeder Spieler die kritische Situation noch einmal vor Augen führen? Oder halten Sie es eher mit Nico Schulz, der geraten hat, die Tabellensituation komplett auszublenden?

Preetz: Grundsätzlich ist das sicher nicht schlecht, wenn ihm das denn auch so gelingen kann. Aber von dieser Situation wird sich keiner freimachen können. Fakt ist aber auch, dass wir von allen Konkurrenten dort unten die beste Ausgangssituation haben. Das werden wir den Spielern sicher noch mal mit auf den Weg geben und sie darauf hinweisen. Wir haben es in der eigenen Hand, spielen am Samstag vor eigenem Publikum - genau so müssen und werden wir diese Woche angehen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte