Leverkusen - Das Spektakel in Leverkusen geht weiter, diesmal aber ohne ein richtiges Happy End. Beim turbulenten 3:3-Unentschieden gegen Werder Bremen gab die Werkself trotz eines deutlichen Chancenplus erstmals in dieser Saison Punkte ab. Entsprechend selbstkritisch äußerte sich der Leverkusener Torhüter Bernd Leno nach dem Abpfiff im Interview.

Frage:Bernd Leno, Bayer Leverkusen hat gegen Werder Bremen 3:3 gespielt. Warum hat es diesmal nicht zum Sieg gereicht? Wie bewerten Sie das Ergebnis?

Bernd Leno: Wir haben in der Defensive nicht so gestanden, wie wir uns das vorgestellt haben. Wenn man zuhause gegen Werder Bremen drei Gegentore bekommt, kann man mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein.

Frage: Die Mannschaft presst den Gegner sehr früh, verteidigt sehr offensiv. Sie mussten ìn einigen Situationen ähnlich wie Manuel Neuer bei der WM sehr weit aus dem Tor kommen, um gefährliche Aktionen zu klären.

Leno: Wir spielen mit sehr großem Risiko. Aber wenn alle mitziehen, bieten sich dem Gegner auch nicht so viele Gelegenheiten, weil wir ihn so früh stören. In der zweiten Halbzeit ist bei uns allerdings ein bisschen die Ordnung verloren gegangen, weil wir durch den Rückstand nervös wurden. Das müssen wir besser in den Griff kriegen. In den anderen Spielen hat das auch ganz gut geklappt. Jetzt haben wir in zwei Heimspielen fünf Gegentore bekommen. Wir müssen eine bessere Mischung zwischen Offensive und Defensive haben.

"An der Taktik liegt es nicht"

Frage: Was kann man dagegen machen? Die Taktik dürfte sicher eher nicht geändert werden?

Leno: An der Taktik liegt es nicht. Es ist schwer zu beschreiben. Es liegt an der "Restverteidigung", dass die Ordnung nicht stimmt und wir zu sehr nach vorne denken. In der zweiten Halbzeit haben wir dem Gegner zu viele Räume gelassen. So fiel auch das 1:2.

Frage: Sind diese Spielverlagerungen gegen das Pressing von Bayer 04, wie Werder sie gezeigt hat,  das Gegenmittel, mit dem die Werkself ausgehebelt werden kann?

Leno: Man darf es erst gar nicht zu den Verlagerungen kommen lassen. Wir müssen so eng am Mann sein, um das zu verhindern. In der ersten Halbzeit haben wir es noch sehr gut gemacht. Bremen kam nur beim Tor gefährlich vor unser Tor. In der zweiten Halbzeit standen einige Male Bremer Spieler blank. Das darf nicht passieren.

Frage: Sie haben trotz der drei Gegentore auch einige Male stark pariert. Machen diese Aktionen einen solchen Abend für einen Torhüter erträglicher?

Leno: Wenn ich drei Dinger um die Ohren geschossen bekomme und keinen einzigen Ball halte, dann ist es kein schöner Abend. Aber auch solche Spiele gibt es für einen Torhüter. So habe ich noch ein paar Bälle abgewehrt und meinen Job gemacht. Für mich war es trotzdem kein schöner Abend mit drei Gegentoren und nur einem Unentschieden. Deswegen gilt jetzt: Mund abputzen und weiter.

"Wir haben Gas gegeben bis zum Schluss"

Frage: Hat sich die Mannschaft gegen Bremen etwas konkret vorzuwerfen? Oder fehlte an so einem Tag bei drei Aluminiumtreffern auch nur schlicht das Glück?

Leno: Pech war es auch. Das Einzige, was wir uns vorwerfen müssen, ist, dass wir in der ersten Halbzeit die Tore nicht gemacht haben und so Bremen wieder zurück ins Spiel gelassen haben. Den Einsatz und Willen kann man uns nicht absprechen. Wir haben Gas gegeben bis zum Schluss. Am Ende waren auch ein paar Spieler platt, das hat man gesehen. Aber wenn wir so weitermachen, dann kommt uns die Art und Weise dieser Spielweise sicher entgegen.

Frage: Ein Wort zum Comeback von Lars Bender, der nach drei Monaten Verletzungspause sein erstes Bundesliga-Spiel gemacht hat.

Leno: Lars hat seinen Job gemacht und über 60 Minuten gespielt. Fürs erste Spiel war es richtig gut. Er braucht jetzt Spiele, Spiele, Spiele. Die wird er bekommen. Dann wird er wieder sehr wichtig für uns.

Frage: Hakan Calhanoglu hat angekündigt, dass es am Dienstag in der Champions League beim AS Monaco so weitergeht.

Leno: Hat er euch wieder ein 3:3 versprochen? Ich würde dann schon lieber 5:4 spielen. Damit hätte ich kein Problem. Wir werden unsere offensive Spielweise auf jeden Fall durchziehen und auch in Monaco, so wie ich das mitbekommen habe, so auftreten. Wir hatten es gegen Bremen ja auch in der eigenen Hand. Wir hätten es in der ersten Halbzeit wie gesagt niemals so weit kommen lassen, dass Bremen überhaupt noch ins Spiel zurückkommt. Wir hatten noch drei Lattenkracher und viele weitere Chancen. Bremen hat keinen Punkt gewonnen, wir haben zwei Punkte verschenkt.

"Wollen auch in Monaco unser Spiel durchsetzen"

Frage: Fünf Gegentore in den letzten beiden Heimspielen. Fährt man da nicht doch mit einem etwas flauen Gefühl nach Monaco?

Leno: Nein. Wir müssen die Defensive in den Griff kriegen und weniger Gegentore kassieren. Wir sind gewarnt, dass wir hinten dicht halten müssen.

Frage: Monaco ist der vermeintlich schwerste Gegner in der Gruppe. Ist es gut, direkt gegen ein solches Kaliber zu starten?

Leno: Ich denke schon. Wenn wir dort gewinnen, hätten wir direkt einen Big Point gelandet. In der Champions League gibt es nur sechs Spiele, da ist jedes Spiel ein Endspiel. Monaco ist schwer einzuschätzen. Dort ist in den letzten Jahren viel passiert. Wir werden den Gegner in Ruhe analysieren, wollen aber auch dort unser Spiel durchsetzen.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski