Frankfurt - Sein Bundesliga-Einstand für die Frankfurter Eintracht lief optimal. Das Tor zum 1:0-Sieg am ersten Spieltag gegen den SC Freiburg schoss Haris Seferovic, der sich auf Anhieb einen Stammplatz bei der SGE sicherte.

Über seinen Weg in die Bundesliga und über die ersten Monate in Deutschland hat bundesliga.de mit dem Schweizer gesprochen.

bundesliga.de: Haris Seferovic, stimmt es, dass Sie im Sommer unbedingt in die Bundesliga wechseln wollten?

Haris Seferovic: Ich wollte nur in die Bundesliga und habe San Sebastian damals gesagt, dass, wenn sie mich verkaufen würden, ich nur nach Deutschland wechseln würde. Auch nach England wollte ich nicht. Dann kam das Angebot der Eintracht und ich habe zugeschlagen.

bundesliga.de: Warum wollten Sie nach Deutschland?

Seferovic: Ich habe schon als Kind viel Bundesliga geschaut, ich fand sie immer sehr, sehr spannend. Im letzten Jahr habe ich mich noch intensiver mit der Liga beschäftigt. Sie ist die Top-Liga momentan.

bundesliga.de: Sie haben schon in vier Ländern gespielt. Was macht die Bundesliga in Ihren Augen so besonders?

Seferovic: In der Bundesliga wird sehr offensiv gespielt. Egal, ob Erster oder Letzter, hier wird gegen jeden Gegner angegriffen. Man hat einfach Freude am Spiel, das hatte ich auch schon von vielen Schweizer Kollegen gehört.

bundesliga.de: Sind Ihnen sonst Unterschiede zur Primera Division und der Serie A aufgefallen?

Seferovic: In der Bundesliga läuft man sehr viel, sie ist sehr körperlich und taktisch geprägt. Das Spiel ist super schnell, dadurch hast du auch mehr Platz. Man muss körperlich bereit sein, vor allem konditionell.

bundesliga.de: Verhalten sich die Verteidiger anders als in Italien oder Spanien?

Seferovic: Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, jeder Verteidiger hat seine eigene Art. Hier sind die Abwehrspieler stärker und schneller, deshalb muss ich klüger agieren. Bisher mache ich das gut, für den Moment bin ich zufrieden.

© getty

bundesliga.de: Sie haben es geschafft, sich in kurzer Zeit in Frankfurt einzufinden.

Seferovic: Ich habe hier gute Freunde gefunden, ein gutes Team und einen guten Trainer. Denen muss ich dafür danken, dass ich mich so schnell eingelebt habe. Ich habe jetzt auch ein Haus, alles ist super momentan.

bundesliga.de: Fällt es Schweizern generell leicht, in der Bundesliga heimisch zu werden? Immerhin 16 spielen ja momentan hier.

Seferovic: Die Schweizer Liga ist eine gute für den Anfang einer Karriere. Als nächsten Schritt erhoffen sich aber viele Spieler den Schritt in die Bundesliga, weil es eine Traumliga ist. Wenn ein Angebot kommt, können sie nicht widerstehen.

bundesliga.de: Drei Tore haben Sie bisher erzielt und drei weitere aufgelegt. Haben Sie sich Ziele gesetzt für Ihre erste Bundesliga-Saison?

Seferovic: Ich bin nicht der Typ, der sagt: Ich will zehn Tore schießen. Ich will in jedem Spiel alles geben. Im ersten Jahr braucht man Zeit um sich anzupassen, im zweiten sollte es besser werden. Aber ich fühle mich gut. Schauen wir am Ende der Saison, wie meine Ausbeute ist.

bundesliga.de: Also planen Sie längerfristig in Frankfurt zu bleiben? Die Eintracht ist Ihr siebter Profiverein...

Seferovic: Ja, klar plane ich für länger in Frankfurt zu bleiben. Ich habe drei Jahre Vertrag hier und ich werde die drei Jahre auf jeden Fall hier bleiben.

bundesliga.de: Vor den Spielen wirken Sie auch immer sehr entspannt.

Seferovic: Ich nehme alles einigermaßen locker, spüre keinen Druck. Aber wenn ich aufs Feld gehe, konzentriere ich mich nur auf mich selbst. Sobald der Anpfiff ertönt, bin ich bereit und gebe 90 Minuten Vollgas.

bundesliga.de: Zwei Ihrer drei Tore haben Sie in der Commerzbank Arena erzielt, auch Ihre drei Vorlagen gaben Sie Zuhause. Ist das Zufall, oder liegt es daran, dass Ihre Familie zu jedem Heimspiel anreist?

Seferovic: Sie ist eine super Unterstützung für mich. Ich bin ja schon länger weg von Zuhause und die Familie zu sehen ist immer schön. Wenn wir Zeit haben, kicke ich auch noch mit meinem Bruder, der spielt bei meinem Heimatverein.

bundesliga.de: Haben Sie dort mit dem Spielen angefangen?

Seferovic: Ich habe auf der Straße angefangen, zunächst mit meinem Vater, später mit meinem Bruder und Freunden. Manchmal treten wir noch gemeinsam gegen die anderen an.

bundesliga.de: Ein gutes Verständnis haben Sie auch mit Alexander Meier, gemeinsam haben Sie neun Tore erzielt, mehr als die Hälfte aller Frankfurter Treffer.

Seferovic: Ich bin sehr zufrieden mit unserem Zusammenspiel. Wir harmonisieren gut auf und neben dem Platz, sind befreundet. Wir müssen im Training weiter so arbeiten und viele Tore schießen.

bundesliga.de: Wie ist das Training unter Thomas Schaaf?

Seferovic: Thomas Schaaf ist ein sehr feiner Trainer, er weiß was er will und redet viel mit den Spielern. Er macht das sehr, sehr gut. Das Training ist viel härter als bei meinen vorherigen Stationen, aber das ist auch gut so und hilft unserer Fitness.

bundesliga.de: Warum lief es für die Eintracht nach dem guten Saisonstart zuletzt so holprig?

Seferovic: Im Fußball geht es immer bergauf und bergab. Momentan geht es etwas runter, aber wir kommen schon wieder hoch. Es sind ja bisher auch nur 10 Spieltage absolviert. Wir arbeiten an uns und geben unser Bestes in jedem Spiel.

bundesliga.de: Am Samstag geht’s gegen Tabellenführer Bayern. Glauben Sie, gegen da etwas holen zu können?

Seferovic: Ja, wieso nicht? Ich denke, jede Mannschaft hat eine Chance gegen Bayern. Wenn du hinten gut stehst und gute Konter fährst, kann alles passieren.

Das Gespräch führte Felix Seaman-Höschele