Hannover - Herzschlag-Finale in der AWD Arena. Hannover 96 und der SC Freiburg treffen am letzten Spieltag der Saison 2014/15 im Kampf um den Klassenerhalt aufeinander. Am Ende hat Hannover die Nase vorn und gewinnt 2:1. Noch lange nach Spielschluss feiern Spieler und Fans in der HDI Arena gemeinsam, dass sie auch in der kommenden Saison in der Bundesliga dabei sind.

"Won't forget these days" von der Hannoveraner Band Fury in the Slaughterhouse tönt es aus den Boxen. "Ein Wahnsinnsgefühl", so ein um Worte ringender Christian Schulz, als die Fans ihn und die Mannschaft endlich entlassen. Für Schulz und Mitspieler der Start in eine lange Nacht: "Jetzt feiern wir bis in die frühen Morgenstunden".

Frage: Herr Schulz, wie haben Sie dieses Finale um den Klassenerhalt erlebt?

Christian Schulz: Ein Wahnsinnsgefühl. Ich habe es jetzt, eine halbe Stunde nach dem Spiel immer noch nicht ganz begriffen, was hier passiert ist. Mir fehlen die Worte, um das zu beschreiben.

"Die Situation annehmen, wie sie ist"

Frage: Vier Spiele nicht verloren, zuletzt zwei Siege, was Hannover monatelang nicht gelungen ist...

Schulz: Das waren schwere Monate. Um so unglaublicher, wie wir vor dem Saisonende noch die Kurve gekriegt haben.

Frage: Was hat der Trainer in den nur fünf Wochen gemacht?

Schulz: Er ist ruhig geblieben, hat uns optimal auf die Gegner eingestellt und uns auf den Punkt heiß gemacht.

Frage: Rettung am letzten Spieltag. Wie bereitet man sich konkret auf so ein Finale vor?

Schulz: Da hilft nur eines: Du musst die Situation annehmen wie sie ist. Du hast keine Chance, einen eventuellen Misserfolg am nächsten Spieltag noch einmal auszubügeln.

"Wichtig war, aus dem Trubel rauszukommen"

Frage: Wie haben die beiden Trainingslager die letzten Spiele beeinflusst? Eines der Ziele ist doch das Abschalten, aber geht das, wenn die Mannschaft jeden Tag 24 Stunden zusammen ist?

Schulz: Nein, abschalten nicht. Wichtig war eher die Ruhe und aus dem Trubel rauszukommen. Wären wir zu Hause geblieben, hätten wir eventuell mit der Familie oder Freunden etwas unternehmen können, aber dafür wäre man beim Einkaufen oder auch sonst überall in der Stadt angesprochen worden. Das war zwar nach dem Sieg gegen Augsburg mehr positiv, so nach dem Motto: "Ihr schafft das!". Aber man hätte wohl noch weniger abschalten können.

Frage: Hat der Trainer im Trainingslager noch etwas Neuses probiert?

Schulz: Nein. Wir haben ganz normal trainiert und uns auf die Spiele eingeschworen.

Frage: Wie haben Sie vor dem Endspiel heute geschlafen?

Schulz: Ich hätte gerne länger geschlafen. Das war schon sehr stressig die letzten Wochen und wurde immer stressiger. Es ist ja nicht nur so, dass Du seine Leistung bringen musst, Du schielst ja auch immer darauf, was die Konkurrenz macht. Da ist es dann schon ein Schock, wenn Freiburg überraschend die Bayern schlägt. Das waren Tage und Wochen, die einem die Negativserie im Kopf rumspukt. Das hat mit normalem Fußball nichts zu tun.

Frage: Was ging in Ihnen vor, als Freiburg in der Nachspielzeit das 1:2 machte?

Schulz: Da hätte ich mir etwas weniger Dramatik im Abstiegskampf gewünscht. Ich bin sofort zum Schiedsrichter und hab' gefragt, wie lange ist noch. Eine Minute 40 hat er gesagt. Das waren die längsten 100 Sekunden meines Lebens. Nicht vorstellbar, wenn da noch was passiert wäre.  

Frage: Wie ordnen Sie das Spiel heute in Ihrer Karriere ein?

Schulz: Heute gegen Freiburg und gegen Bochum waren die wichtigsten Spiele meiner Karriere (2010 rettete sich Hannover ebenfalls am letzten Spieltag durch ein 3:0 im direkten Abstiegs-Duell beim VfL Bochum; die Red.)

"Lust und Frust lagen eng beieinander"

Frage: Das überrascht ein wenig. Immerhin hat Hannover auch zwei Jahre Europa League gespielt...

Schulz: Das muss man richtig einordnen. In diesen Spielen ging es um den Klassenerhalt. Man will doch in der Bundesliga bleiben. Europa League oder ähnliches, das ist alles nur Bonus.

Frage: Haben Sie ein bisschen Mitleid mit dem SC Freiburg?

Schulz: Mitleid nicht, aber es tut schon auch ein bisschen weh, dass sie hier bei uns absteigen und wir das so hautnah miterleben. Lust und Frust lagen so eng beieinander. Es hätte ja auch genau umgekehrt ausgehen können. Das war an Dramatik nicht zu überbieten.

Frage: Wie beurteilen Sie die Stimmung auf den Rängen?

Schulz: Das war Wahnsinn. Die Fans haben ein gespür dafür, wenn's drauf ankommt. Sie waren im Saisonendspurt eine große Hilfe!

Frage: Wie geht der Abend weiter?

Schulz: Jetzt feiern wir bis in die frühen Morgenstunden!

Aufgezeichnet von Jürgen Blöhs