Leverkusen - Die Anzahl der Siege von Bayer 04 Leverkusen beim FC Bayern München kann man an den Fingern einer Hand abzählen. In 35 Jahren gelangen der Werkself gerade mal drei Erfolge. An die beiden ersten in den Jahren 1986 und 1989 kann sich Reiner Calmund noch so gut erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. 

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Ansonsten hatte der langjährige Manager von Bayer 04 Leverkusen nicht viel zu lachen, wenn die Partien in München abgepfiffen wurde. "Für mich war es manchmal schwerer, die Niederlagen zu begründen. Weil die Jungs mitunter wie das Kaninchen vor der Schlange agierten", erzählt Calmund im Interview mit bundesliga.de.

"Die Bayern sind fast unverwundbar"

bundesliga.de: Die Bayern  scheinen in dieser Saison wieder übermächtig zu sein. Wie bewerten Sie die Chancen, dass Leverkusen in München eine Überraschung schaffen kann?

Reiner Calmund: Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, weil die Bayern trotz ihres großen Verletzungspechs fast unverwundbar sind. Die individuelle Klasse der Bayern ist dank Spielern wie Robert Lewandowski, Arjen Robben, Mario Götze, Thomas Müller oder Franck Ribery vorne so gut - jeder von ihnen kann ein Spiel alleine entscheiden.

bundesliga.de: Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass Bayer 04 gegen die Bayerrn bestehen kann. Es waren zuletzt immer knappe Spiele. Wie muss Leverkusen agieren, um eine Chance zu haben? Wo sind die Bayern verwundbar?

Calmund: Interessant wird es sein, ob Bayer seinen aggressives Spiel wird durchbringen können und ob man damit beispielsweise Xabi Alonsos Kreise einengen kann. Dann könnte es ein interessantes Spiel werden.

bundesliga.de: Wie haben Sie früher selbst die Mannschaft heiß auf die Spiele gegen den FC Bayern gemacht?

Calmund: Wer gegen die Bayern extra motiviert werden muss, der sollte den Beruf wechseln. Das sind Spiele, da musst Du schon Tage vorher brennen. Sich gegen die vielleicht weltbeste Mannschaft zu beweisen, das muss Ansporn genug sein. Für mich war es manchmal schwerer, die Niederlagen zu begründen. Weil die Jungs mitunter wie das Kaninchen vor der Schlange agierten. Oft haben wir in München nicht gewonnen.

bundesliga.de: An welche Begegnungen erinnern Sie sich gerne zurück?

Calmund: Natürlich an unseren 3:0-Sieg am 1. November 1986 mit einem überragenden Christian Hausmann, der gerade von den Reinickendorfer Füchsen zu uns gewechselt war. Das war ein tolles Spiel. Oder unser 1:0-Sieg in München 1989, wonach wir Spitzenreiter wurden. Auch das 1:1-Unentschieden von 1993 ist zu nennen. Danach wurden wir Wintermeister. Obwohl das auch in München meistens Spitzenspiele waren, war das Zuschauerinteresse nicht so groß wie heute. Manchmal haben wir vor rund 30.000 Besuchern im Olympiastadion gespielt. Unvergessen ist auch unser 4:2-Heimsieg gegen die Bayern 1997 nach 0:2-Rückstand durch u.a. drei Tore von Ulf Kirsten (Foto).

"Hinter dem Rekordmeister ist die Hölle los"

bundesliga.de:Stefan Kießling hat in diesem Jahr Ladehemmung, Josip Drmic zuletzt getroffen. Hätte er einmal einen Platz in der Startelf verdient?

Calmund: Das muss alleine Roger Schmidt entscheiden. Vom Gefühl würde ich gegen die Bayern Kießling spielen lassen. Es wird ein harter Kampf gegen den Ball, da ist es wichtig, einen defensiv so starken Angreifer zu haben. Aber Drmic ist nicht nur Konkurrent von Kießling in der Sturmmitte, er kann ja auch über links kommen.

bundesliga.de: Wo landet die Werkself am Ende der Saison?

Calmund: Ich denke, dass Bayer unter die ersten Vier kommt. Zwar wurden ein paar Punkte liegen gelassen, aber die Konkurrenz ist auch nicht konstant.

bundesliga.de: Ist die Deutsche Meisterschaft schon so gut wie sicher an den FC Bayern vergeben?

Calmund: Ja, die Bayern werden Meister. Weil sie die Besten sind. Die FIFA hat von den Bayern sieben Spieler, inklusive Toni Kroos der im Juni zu Real wechselte, für den Weltfußballer des Jahres nominiert. Das ist unglaublich gut und für mich gehört Jerome Boateng eigentlich auch noch dazu, der hat doch im WM-Auftaktspiel gegen Portugal Cristiano Ronaldo völlig abgemeldet. Aber das tut der Spannung in der Bundesliga keinen Abbruch. Hinter dem Rekordmeister ist die Hölle los. Von Platz zwei bis Platz 18 herrscht Spannung pur, im Kampf um die internationalen Plätze und um den Klassenerhalt, die Abstände sind klein, es gibt kein richtiges Mittelfeld.

Mir Reiner Calmund sprach Tobias Gonscherowski