Hannover - Für Ron-Robert Zieler war der Test gegen Manchester United ein Wiedersehen mit alten Bekannten. 2005 war der Keeper von Hannover 96 bei der U18 des englischen Serienmeisters in die Lehre gegangen. Mit Erfolg: Mittlerweile steht der 23-Jährige nicht nur als Stammtorwart beim Europa-League-Teilnehmer zwischen den Pfosten, sondern gehört auch zum Kader der Nationalmannschaft. Beim Freundschaftsspiel gegen Argentinien (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) wird Zieler den angeschlagenen Manuel Neuer in der Startelf ersetzen.

Trotz der 3:4-Niederlage tat Mirko Slomka etwas, was er so gut wie nie tut. Er hob einen Spieler explizit aus dem Kollektiv hervor. "Herausheben muss man die Leistung von Ron-Robert Zieler. Er hat sensationell gehalten", lobte der 96-Coach seine Nummer 1.

Und auch die Ex-Kollegen aus Manchester "haben mir zu meinem Werdegang gratuliert und freuen sich mit mir", so der Torwart sichtlich stolz.

Frage: Herr Zieler, Sie haben lange mit ihren Ex-Kollegen geredet. Wie war das Gefühl, auf ihren Ex-Club Manchester United zu treffen?

Ron-Robert Zieler: Für mich war es ein sehr angenehmes Wiedersehen, ich habe heute viele alte Bekannte wiedergetroffen. Ich habe das Spiel gegen meinen alten Club sehr genossen.

Frage: Ihr Trainer Mirko Slomka hat Ihnen eben eine "herausragende Leistung" attestiert. Haben die Spieler von Manchester United Sie nach dieser Vorstellung gebeten, zurückzukommen?

Zieler:(lacht) Nein. Aber sie haben mir zu meinem Werdegang gratuliert und freuen sich mit mir. Denen ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass ich zum Kader der Nationalmannschaft gehöre. Das Lob des Trainers freut mich natürlich.

Frage: Was hat so ein Freundschaftsspiel für einen Wert?

Zieler: Einen sehr hohen. Von Manchester United kann man selbst in einem Freundschaftsspiel lernen. Und die Fans haben ein großartiges Spiel gesehen.

Frage: Also nimmt man so ein Spiel schon ernst?

Zieler: Natürlich. Dementsprechend ärgere ich mich auch über die Niederlage, denn wenn man 3:1 vorn liegt, will man natürlich gewinnen. Aber gegen so eine großartige Offensive wie die von Manchester United ist es immer schwer. Dass wir das Spiel noch abgegeben haben, daraus müssen wir unsere Lehren ziehen.

Frage: Hannover hat als erstes Team in der Europa-League-Qualifikation schon früh Pflichtspiele zu absolvieren. Ein Nachteil gegenüber der Bundesliga-Konkurrenz?

Zieler: Im Gegenteil. Internationaler Fußball tut uns gut. Da können wir uns unter Wettkampfbedingungen weiterentwickeln.

Frage: Vor dem Saisonauftakt geht es im Pokal zum FC Nöttingen. Ein Selbstgänger?

Zieler: Nein, wir tun gut daran, den Gegner ernst zu nehmen, denn im Pokal wollen wir diesmal länger dabei bleiben als in den vergangenen beiden Jahren (2010/11 kam das Aus in Runde eins gegen den Viertligisten SV 07 Elversberg; 2011/12 in Runde zwei gegen Mainz 05; die Red.). Am liebsten bis ins kommende Jahr.

Frage: Vor dem Start gibt es noch ein Länderspiel gegen Argentinien...

Zieler: Ich freue mich darauf, die Jungs wiederzusehen, auch wenn es ja noch gar nicht so lange her ist, dass wir zusammen bei der EM waren.

Frage: Was erwarten Sie von der Saison?

Zieler: Wir wollen versuchen, die Leistung der beiden letzten Jahre zu bestätigen und wieder in den Europapokal einzuziehen. Das hat uns Spielern und den Fans viel Spaß gemacht.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs