Zusammenfassung

  • Zwölf Jugendliche aus Colorado, USA, besuchen eine Woche lang Mainz
  • Die Fußballschule des 1. FSV Mainz 05 organisiert zwei Mal am Tag ein Fußballtraining für die Gäste aus den USA
  • Außerdem treffen sich die fußballbegeisterten Amerikaner mit jungen Flüchtlingen des FC Ente Bagdad

Köln - Der 1. FSV Mainz 05 kämpft derzeit in der Bundesliga um den Einzug in den internationalen Wettbewerb. Wenn es am Samstag für die Rheinhessen gegen den Hamburger SV um drei ganz wichtige Punkte geht (zur Vorschau), werden auf der Tribüne zwölf junge Fußballer aus den USA zum ersten Mal Bundesliga-Luft schnuppern und die ganz besondere Atmosphäre hautnah miterleben. Möglich macht dies ein interkultureller Jugendaustausch des FSV.

Eine Woche lang sind zwölf Jungs aus Colorado in Mainz zu Gast. Ausgewählt wurden die Teilnehmer vom Sozialprojekt "Funding Ones Freedom Social Enterprise", das sozial benachteiligten Kindern unter anderem den Zugang zu Sportangeboten ermöglicht. Die Teilnehmer spielen in ihrer Heimat aktiv Fußball und auch bei ihrem Besuch in Deutschland spielt das runde Leder eine wichtige Rolle.

Colorado trifft den FC Ente Bagdad

Zwei Mal am Tag trainieren die Gäste aus Übersee mit Trainern der 05er-Fußballschule unter professionellen Bedingungen. Neben der Erweiterung des fußballerischen Horizonts steht der kulturelle Austausch im Mittelpunkt. So besuchen die die Partnerschule des Mainzer Nachwuchsleistungszentrums und können sich im Rahmen des Englisch-Leistungskurses mit gleichaltrigen Jugendlichen aus Mainz austauschen.

Darüber hinaus lernen die US-Amerikaner auch die jungen Fußballer kennen, die über die Initiative "Willkommen im Fußball" der Bundesliga-Stiftung mittlerweile beim Mainzer Verein "FC Ente Bagdad" ihre sportliche Heimat gefunden haben. Beim gemeinsamen Training mit Jugendlichen aus der ganzen Welt wird schnell klar, dass die Sprache Fußball universell ist.

Unabhängig vom Besuch aus Colorado treffen sich beim FC Ente Bagdad zwei Mal in der Woche 13- bis 15-jährige Flüchtlinge zum Training. Dabei bleiben die Geflüchteten nicht unter sich, sondern spielen mit deutschen Jugendlichen zusammen. "Es geht ja auch darum, dass die Leute ihr Deutsch verbessern können und eine Integration in beide Richtungen stattfindet", erklärt Enten-Coach Ronald Uhlich, der praktischerweise diplomierter Dolmetscher ist.

"Ich fühle mich hier zu Hause"

Sehr gut gelungen ist die Integration durch den Fußball beim 22-jährigen Samir Sediqi aus Afghanistan, der mittlerweile Co-Trainer einer Jugendmannschaft ist und vor dem Start seines Studiums zum Bauingenieur steht. "Die Ente Bagdad ist meine Familie. Ich fühle mich hier zu Hause", berichtet Sediqi mit Stolz in der Stimme.

Geschichten wie die von Samir Sediqi bestätigen den Mainzer Präsidenten Harald Strutz, der beim Start von "Willkommen im Fußball" in Mainz sagte: "Das sind alles kleine Schritte, aber mit großer Wirkung." Mainz 05 unterstützt die Flüchtlinge nicht nur in Form von Ausrüstung und Kleidung, sondern integriert die Kicker des FC Ente Bagdad beispielsweise als Balljungen im Stadion in das Vereinsleben.

Für die Gäste aus Colorado war das gemeinsame Training mit den jugendlichen Flüchtlingen eine ganz besondere Erfahrung. Ohne Berührungsängste gingen die jungen Fußballer aufeinander ein. Erst recht, wenn der Ball mit im Spiel war. Und am Samstag drücken alle dem 1. FSV Mainz 05 die Daumen. Egal, ob die Jungs nun aus Aleppo oder Denver sind.

Florian Reinecke