München - Als die Spieler von Inter Mailand am vergangenen Dienstag mit hängenden Schultern aus dem Giuseppe-Meazza-Stadion schlichen, war die Sache abgehakt. Die desolate 2:5-Niederlage im Hinspiel gegen den FC Schalke 04 ließ keinen Interpretationsspielraum mehr zu.

Trainer Leonardo wirkte ebenso wie seine Spieler zu konsterniert, um sich und den Inter-Fans noch Hoffnungen aufs Erreichen des Champions-League-Halbfinales zu machen.

Eintrag in die Geschichtsbücher?

Sieben Tage später, vor dem Rückspiel in der Veltins-Arena (Mi., ab 20:30 Uhr im Live-Ticker), sieht die Sache schon etwas anders aus. Ja, man glaube noch an das Wunder, ließen Stürmerstar Samuel Eto'o und Kapitän Javier Zanetti unisono wissen. "Der Traum von der Titelverteidigung lebt", sagt der Kameruner Star. "Wir haben am Mittwoch die Chance, etwas ganz Außergewöhnliches zu leisten". Zanetti: "Wir glauben daran, den Rückstand aufholen zu können."

Und auch ihren Humor haben die Lombarden nach den Tagen der Trauer wiedergefunden: "Wir haben in der Umkleidekabine geflachst, dass das "04" in Schalkes Vereinsnamen genau das Ergebnis ist, das wir brauchen", grinst Leonardo. "Aber im Ernst: Ich glaube daran, dass wir noch eine Chance haben!"

Zumindest personell sind die Mailänder mittlerweile wieder besser aufgestellt. Der im Hinspiel gesperrte Lucio ist ebenso dabei wie dessen Defensivkollege Walter Samuel. Der Argentinier steht fünf Monate nach seinem Kreuzbandriss zum ersten Mal wieder im Inter-Kader, dürfte aber für die erste Elf noch kein Thema sein. Der zuletzt leicht angeschlagene Mittelfeldregisseur Wesley Sneijder wird beim Rückspiel auf Schalke ebenfalls dabei sein.

Eto'o denkt an die Vergangenheit

Die leise Rückkehr der Hoffnung nährt sich auch durch den 2:0-Sieg der "Nerazzurri" gegen Chievo Verona am Samstag in der Serie A. Das dringend benötigte Erfolgserlebnis nach dem 0:3 im Derby gegen Milan und der Klatsche gegen Schalke 04 ließ bei den Mailändern wieder so etwas wie Zuversicht aufkommen - auch wenn der Realitätssinn weiterhin die Oberhand behält.

"Objektiv gesehen ist es schwer zu glauben, das Ding noch zu drehen, aber im Fußball geschehen manchmal die merkwürdigsten Dinge", sagt Eto'o - und gräbt wie zum Beweis eine Episode aus der Vergangenheit aus. "Als ich beim FC Barcelona spielte, haben wir mal im spanischen Pokal das Hinspiel gegen Getafe mit 5:2 auswärts gewonnen - und dann zuhause 0:4 verloren."

Damals hatten die Katalanen im Gefühl des sicheren Sieges nur ihre B-Elf aufgeboten. Dass sich auch Schalke in einem Anflug aus Überheblichkeit aus dem Wettbewerb katapultieren könnte, darauf dürfte Eto'o jedoch vergeblich hoffen.

Johannes Fischer