Berlin - Deutschland ist mit rund 82 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union. Deutschland stellt auch die stabilste und leistungsstärkste Volkswirtschaft Europas dar und ist die viertgrößte weltweit.

Um das Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit aufrecht zu erhalten, war die deutsche Wirtschaft seit den 1950er-Jahren auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Mit mehreren Anwerbeabkommen zwischen 1955 und 1973 wurden sogenannte Gastarbeiter für eine Tätigkeit in Deutschland gewonnen. Die meisten von ihnen gingen jedoch davon aus, nach einiger Zeit wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Auch die Deutschen rechneten fest damit, dass die ausländischen Arbeitskräfte nur kurzzeitig "zu Gast" sind. Die meisten der Gastarbeiter kehrten auch tatsächlich wieder nach einiger Zeit in ihre süd- und südosteuropäischen Heimatländer zurück. Zahlreiche von ihnen blieben zur Überraschung beider Seiten in Deutschland. Im Laufe der Jahre holten viele auch ihre Familien nach Deutschland. Im Rahmen der Anwerbeabkommen kamen über vier Millionen "Gastarbeiter" und Angehörige nach Deutschland. Dadurch veränderte sich das Gesicht unseres Landes: Es wurde vielfältiger. Die Kultur der ursprünglichen Heimatländer der Migrantinnen und Migranten, ihr Essen, ihre Musik prägen Deutschland mittlerweile ein Stück weit mit.

Heute leben rund 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, etwa jeder Fünfte in Deutschland kommt aus einer Zuwandererfamilie. Nach der Definition des Statistischen Bundesamtes zählen dazu alle Personen, die nach Deutschland zugewandert sind, sowie in Deutschland Geborene mit mindestens einem zugewanderten Elternteil. Mehr als die Hälfte (8,6 Mio.) der Migrantinnen und Migranten hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Während die Bevölkerungszahl insgesamt sinkt, steigt der Anteil der Migranten. Jedes dritte Kind unter 5 Jahren hat ausländische Wurzeln. Unter Berücksichtigung von Herkunftsländern und -regionen bilden Menschen mit türkischem Migrationshintergrund mit 15,8% die größte Gruppe. Das zweithäufigste Herkunftsland ist Polen (8,3%), gefolgt von der Russischen Föderation (6,7%), Italien (4,7%) und Kasachstan (4,6%).

Bedingt dadurch, dass Arbeitskräfte für einfache Tätigkeiten angeworben wurden, kamen überwiegend weniger gebildete und sozial schwache Familien nach Deutschland. Lange Zeit wurden auch keine gezielten Maßnahmen zu ihrer Integration in die deutsche Gesellschaft getroffen, da von ihrer Rückkehr ausgegangen wurde. So hatten es diese in Deutschland schwer, sozial aufzusteigen. Erst in der Regierungsverantwortung von Bundeskanzlerin Angela Merkel seit 2005 wurde umgesteuert. Zuvor war bereits das Zuwanderungsgesetz verabschiedet worden, das alle Bereiche der Migrationspolitik berücksichtigt.

Seit 2005 ist Integration Schwerpunkteaufgabe der Bundesregierung. Dies belegen die bisher fünf durchgeführten Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt, der Nationale Integrationsplan mit seiner Weiterentwicklung zum Nationalen Aktionsplan Integration sowie die Deutsche Islamkonferenz.

Beim ersten Integrationsgipfel 2006 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals in der Geschichte des Landes alle Verantwortlichen und Partner in der Integrationspolitik an einem Tisch versammelt. Das Ergebnis war die gemeinsame Erarbeitung des Nationalen Integrationsplans, dem ersten integrationspolitischen Gesamtkonzept. Die dort festgehaltenen Maßnahmen und über 400 Selbstverpflichtungen haben eine intensive Debatte über ein gutes Miteinander in unserem Land angestoßen und die Integration entscheidend vorangebracht. An diese Erfolge knüpft der Nationale Aktionsplan Integration an, der auf dem 5. Integrationsgipfel Anfang 2012 verabschiedet wurde. Bei der Erarbeitung des Aktionsplans haben zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen, der Wirtschaft, den Gewerkschaften, aus der Wissenschaft, von Sport, Kultur, Medien, Religionsgemeinschaften und von mehr als 30 Migrantenorganisationen mitgewirkt. Die vereinbarten Maßnahmen und Ziele, die überprüfbar und messbar sind, machen Integration verbindlicher als jemals zuvor. Weg von zeitlich befristeten Projekten- hin zu dauerhaften Regelangeboten für alle in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten. Gemeinsam an einem Strang ziehen ist das zentrale Motto.

Der Nationale Aktionsplan erhöht die Chancen von Menschen aus Zuwandererfamilien auf gleiche Teilhabe. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Zusammenhalts in unserem Land. Inhaltlich im Mittelpunkt stehen die Schwerpunkte Sprache, Bildung und Ausbildung sowie Arbeitsmarkt. Ansporn für die Anstrengungen sind die Erfolge bei der Integration:

Sprache:


Immer mehr Migrantenkinder besuchen einen Kindergarten. Die Betreuungsquote von den 3 bis unter 6-jährigen Kindern aus Zuwandererfamilien stieg von 2008 bis 2010 von 81,8% auf 85,7%. Nahezu alle Bundesländer haben mittlerweile Sprachstandstests und Sprachfördermaßnahmen eingeführt. Mit der "Offensive Frühe Chancen" unterstützt die Bundesregierung den Ausbau der Sprachförderung in 4000 Schwerpunkt-Kitas mit 400 Millionen Euro.

Entscheidend für den erfolgreichen Spracherwerb der Kinder ist die Mitwirkung der Eltern. In den Integrationskursen des Bundes können erwachsene Migrantinnen und Migranten Deutsch lernen. Die Kurse sind ein Erfolgsmodell: Seit 2005 haben sich bereits über eine Million Männer und Frauen angemeldet. In die Sprachförderung im Rahmen der Integrationskurse hat der Bund bisher mehr als eine Milliarde Euro investiert.

Bildung:


Immer mehr junge Migranten erreichen einen mittleren oder höheren Schulabschluss. So ist der Anteil der ausländischen Jugendlichen mit (Fach-) Hochschulreife von 2004/2005 bis 2009/2010 um 36% gestiegen. Zugleich sank der Anteil der ausländischen Jugendlichen, die die Schule mit einem Hauptschulabschluss verlassen. Der Anteil der jungen Migranten ohne Schulabschluss ging von 2005 bis 2010 um insgesamt 15% zurück.

Ausbildung und Arbeitsmarkt:


Die Ausbildungsbeteiligungsquote ausländischer Jugendlicher hat sich leicht erhöht. Sie stieg von 2009 bis 2010 von 31,4% auf 33,5%. Immer mehr Arbeitgeber setzen auf die gezielte Ausbildung und Beschäftigung von Migranten. Bundesweit haben bereits mehr als 1250 Unternehmen und Institutionen mit insgesamt mehr als 6,5 Millionen Beschäftigten die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet. Die Arbeitgeber nutzen die Sprachkenntnisse und oft eigenen kulturellen Erfahrungen der Migranten. Auf die großen Potenziale der Migranten können Arbeitgeber verstärkt durch das im April 2012 in Kraft getretene Gesetz zur verbesserten Anerkennung ausländischer Abschlüsse zurückgreifen.

Die Erwerbslosenquote von Menschen aus Zuwandererfamilien ist von 18,1% im Jahr 2005 auf 11,8% im Jahr 2010 gesunken. Die Quote ist jedoch weiterhin fast doppelt so hoch wie die der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (2010: 6,1%). Daher besteht weiterhin Handlungsbedarf, um für Chancengleichheit zu sorgen. Dafür setzen sich die DSI und ihre Partner ein. Denn Deutschland ist auf die Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund angewiesen, nicht zuletzt, um international wettbewerbsfähig zu bleiben und die Herausforderungen des demografischen Wandels meistern zu können. Der wachsende Fachkräftemangel, der demografische Wandel der deutschen Bevölkerung und die fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung des Arbeitsmarktes werden die Themen Migration und Integration auch in der Zukunft zu einem zentralen Anliegen des Regierungshandelns machen.

Berlin, 5. September 2012
Deutschlandstiftung Integration


Quellenangaben
  • Zweiter Integrationsindikatorenbericht, erstellt für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Köln/Berlin Dezember 2011.
  • 9. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, Juni 2012.
  • Webseite: "Tatsachen über Deutschland"
    http://www.tatsachen-ueber-deutschland.de/de/gesellschaft/main-content-08/migration-und-integration.html (zuletzt zugegriffen am 22. August 2012)
  • Webseite Fokus Migration; Profil Deutschland
    http://www.focus-migration.de/Deutschland_Update.1509.0.html (zuletzt zugegriffen am 22. August 2012)
  • Webseite Statista
  • http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1221/umfrage/anzahl-der-auslaender-in-deutschland-nach-herkunftsland/ (zuletzt zugegriffen am 22. August 2012)
  • Webseite des BMI-Integrationspolitik
  • http://www.bmi.bund.de/DE/Themen/MigrationIntegration/Integration/Integrationspolitik/integrationspolitik_node.html (zuletzt zugegriffen am 22. August 2012)
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Migrationshintergrund (zuletzt zugegriffen am 22. August 2012)
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Anwerbeabkommen (zuletzt zugegriffen am 22. August 2012)