München - Im zweiten Teil des Interviews spricht Marco Reus über Angstgegner Stuttgart, die veränderte Gemütslage im Vergleich zur Vorsaison und die EM im Sommer.

bundesliga.de: Am Sonntag geht es nach Stuttgart. Die Borussia geht wahrscheinlich mit einer großen Portion Selbstvertrauen dahin, oder?

Marco Reus:(lacht) Ich glaube schon, oder?

bundesliga.de: Ich kann es mir vorstellen. Allerdings haben Sie wahrscheinlich noch das letzte Spiel in Stuttgart im Kopf, als Gladbach mit 0:7 verlor...

Reus: In meinem Kopf spielt die Partie keine Rolle mehr, weil sie unter gänzlich anderen Voraussetzungen stattgefunden hat. Jetzt kommen wir mit viel Selbstvertrauen, weil wir das erste Spiel der Rückrunde gewonnen und schon 36 Punkte haben. Wir wissen aber auch, dass wir noch mehr geben müssen, als gegen die Bayern.

bundesliga.de: Was für ein Spiel erwarten Sie? Wird Stuttgart nach vorne spielen?

Reus: Ich denke schon. Die Stuttgarter spielen zuhause, haben im ersten Spiel eine Niederlage kassiert und wollen nicht den Kontakt nach oben verlieren. Der VfB steht deutlich mehr unter Druck als wir.

bundesliga.de: Apropos Druck: Wenn Sie die Situation der Borussia mit der in der vergangenen Saison vergleichen - wie sehr hat sich die Stimmung in der Mannschaft unmittelbar vor einem Bundesligaspiel gedreht?

Reus: Das sind zwei andere Welten. Wir gehen jetzt mit einem ganz anderen Gefühl in ein Spiel. Wir sind selbstbewusst und wissen, dass wir eine Defensive haben, die wenig zulässt. Und vorne kann bei uns immer etwas passieren. In der vergangenen Saison war es kein schönes Gefühl, vor allem wenn wir auswärts gespielt haben und immer wussten, dass es schwer wird. Jetzt freuen wir uns auf jedes Spiel.

bundesliga.de: Freuen dürfen Sie sich auch auf die EM im Juni - oder befürchten Sie, dass da noch etwas schief gehen könnte?

Reus: Das kann ich nicht sagen. Wir haben noch 16 Spiele in der Bundesliga und ein Länderspiel - da muss ich mich beweisen und dem Bundestrainer zeigen, dass ich weiter an mir arbeite. Das ist meine Aufgabe.

bundesliga.de: Auch Marc-Andre ter Stegen, Toni Jantschke und Patrick Herrmann wurden kürzlich in den Medien als mögliche Kandidaten für die Nationalmannschaft thematisiert. Wenn Sie Joachim Löw noch einen der drei Spieler empfehlen dürften, wer wäre das?

Reus: Das kann ich nicht sagen, das muss der Bundestrainer entscheiden. Da will ich keinen hervorheben, weil momentan jeder eine gute Leistung zeigt und es verdient hätte.

bundesliga.de: Ihre Karriere ist bislang wie im Bilderbuch verlaufen. Hatten Sie vor drei Jahren die leiseste Ahnung, dass Sie so durchstarten würden?

Reus: Auf gar keinen Fall! Natürlich hatte ich Vorstellungen und Hoffnungen, aber ich war erst einmal froh, als ich die ersten Bundesligaspiele hinter mich gebracht hatte. Dass es dann so furios weitergegangen ist, dass ich keine schweren Verletzungen hatte - das freut mich ungemein. Natürlich hatte ich auch ein bisschen Glück. Ich hätte nie gedacht, dass es so Schlag auf Schlag geht.


Das Gespräch führte Johannes Fischer


Zum ersten Teil: Marco Reus über den Sieg gegen die Bayern und den Lauf von Patrick Herrmann